Hoher Berg in Syke

Viel Licht, viel Luft

Auf dem Hohen Berg in Syke lässt sich ein einzigartiges Landschaftserlebnis genießen. Vom zwölf Meter hohen Aussichtsturm gibt es einen 360-Grad-Rundumblick auf Weser-Urstromtal und die Wildeshauser Geest.
24.05.2020, 19:54
Lesedauer: 3 Min
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Von Dagmar Voss
Viel Licht, viel Luft

Wer die 72 Stufen des zwölf Meter hohen Aussichtsturms erklimmt, wird mit einem schönen Ausblick belohnt.

Vasil Dinev

Wer die Stille sucht, mal mehr Luft oder Licht braucht zu Corona-Zeiten, der kann bei einem Spaziergang ziemlich weit oben – für hiesige Verhältnisse – fündig werden. Nämlich auf dem Hohen Berg in Syke-Gessel oder vielleicht Ristedt. Da wird es etwas zweifelhaft mit der Zugehörigkeit zwischen den beiden Ortsteilen. Macht nichts, denn den Hohen Berg ficht das nicht an. Er ist da und bleibt da und ist mit seinen 58,2 Metern die höchste Erhebung in der Wildeshauser Geest zwischen Steinhuder Meer und Nordsee. Dank seines zwölf Meter hohen Aussichtsturms mit 72 Stufen bietet der Hohe Berg jedoch die Chance, noch viel weiter ins Land zu blicken.

Laut Infotafel sind es 36 Kilometer 360-Grad-Fernsicht, die sich rundum ausbreiten. Über das weite Urstromtal der Weser, über die Geestlandschaft bis nach Delmenhorst, Bremen und Achim; es lassen sich die Niederungsbereiche der Hache und weiter entfernt gelegene Landschaftsschutzgebiete erkennen. Jede Himmelsrichtung bietet einen anderen Hingucker.

Hoher Berg war einst eine Flugabwehr-Raketenstation

„Also die höchste Erhebung – jedenfalls, wenn man eine gerade Linie zieht“, schmunzelt Harald Witt, der sich gern als Entdecker dieser Erhebung bezeichnet und dazu Bücher geschrieben hat. Denn bis zu seiner „Entdeckung“ 1997 galt eigentlich der Weyher Berg bei Worpswede als der höchste Hügel weit und breit.

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Sicherlich waren schon lange vor Witt viele Wanderer begeistert von dem weiten Rundumblick; nicht zuletzt während des Kalten Krieges. Da war es noch eine von den US-Streitkräften betriebene Flugabwehr-Raketenstation mit Radarkuppeln. Mitte der 1980er-Jahre verließen die amerikanischen, 1987 die deutschen Truppen die Stellung. Bis 1994 standen dort noch Wachtürme und Stacheldraht. In den Folgejahren wurde das ehemalige Militärgelände landwirtschaftlich genutzt.

Blickt man noch viel weiter zurück in die Zeit der Germanen, da wurde der Überlieferung nach dort eine Thingstätte errichtet. Und etwas später kann man den „Hogenberg auf dem Ristedter Feld“ schon auf einer Kurhannoverschen Landesaufnahme aus dem Jahre 1773 verzeichnet sehen. Renate Brüning, aktiv im Vorstand des Vereins „Erlebnis Ristedt“, kann sich noch daran erinnern, wie regelmäßig Lastwagen mit Sprengköpfen an ihr vorbeifuhren. Spannender ist es allemal heute da oben, denn allein die Natur bietet schon eine Menge zu Betrachten. „Aus dem extrem bewachten Gebiet Hoher Berg ist heute ein Kinderspielplatz mit Grillhütte geworden. Ein Platz für Jedermann“, sagt Brüning mit Erleichterung.

Vielfältige Flora und Fauna

Außerdem gibt es mittlerweile eine weitere Erhöhung – Dank des Aussichtsturms haben Besucher die Chance, noch viel weiter ins Land zu blicken: über das weite Urstromtal der Weser, über die Geestlandschaft bis nach Delmenhorst, Bremen und Achim. Jedenfalls bei gutem Wetter, wie zurzeit. Die Stadt wirbt heute mit der Information: „Über die einzigartige Endmoränenlandschaft der Geest als auch auf die im Konversionsprozess neu geschaffenen Biotopstrukturen kann man blicken. Der Naturerlebnisturm ist ein Alleinstellungsmerkmal für die Region durch seine besondere Lage am Geestrand und bietet den Besuchern ein in Norddeutschland einzigartiges Landschaftserlebnis.“

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Nicht zu vergessen die vielfältige Fauna und Flora, die für ein abwechslungsreiches Naturerlebnis sorgen, bereichert durch etliche Besonderheiten. In den letzten Jahren wurden auf dem Gelände die verschiedensten Biotope und Kleinstlebensräume neu geschaffen – einige davon sind allerdings nur nach vorheriger Anmeldung beim Naturschutzbund (Nabu) begehbar. Streuobstwiesen alter, traditioneller Sorten wurden sowohl im eingezäunten Bereich als auch im frei zugänglichen Bereich angelegt. Sie sind ideale Jagdreviere für Fledermäuse, Nahrungsquelle für verschiedene Insektenarten und mit zunehmendem Alter der Bäume ideale Brutreviere für Steinkäuze. Wer mag, kann die verschiedenen Früchte der Obstbäume im Spätsommer probieren.

Im Norden und Osten des Geländes bieten die Heckennetze Säugetieren und Tieren der offenen Feldflur Nahrung und Unterschlupf. So nutzen Vogelarten, die in besagten Hecken brüten, diese als Heim und Nahrungsquelle; Schmetterlinge, Käfer und Heuschrecken lieben die Krautsäume vor den Hecken. Verschiedene Wildkräuter haben sich durch die extensive Nutzung großer Areale des Geländes wieder angesiedelt. Eine Vielfalt an Wiesen- und Wegeseitenrandkräutern hat sich entwickelt, mehr als 30 verschiedene Arten. Ein richtiges Vogelparadies mit über 20 Arten ist hier zu finden. Man muss sich nur genügend Zeit nehmen.

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