Rat ist sich in so ziemlich allen Punkten einig / Elektroauto von E.on sorgt weiter für Diskussion Hort, Spenden und weniger Verkehr

Thedinghausen. Die Politiker im Rat waren sich am Montagabend einig. So gut wie alle Entscheidungen traf das Gremium mit einem einhelligen Votum: Die Fortführung des Hortes durch die Gemeinde, die Sperrung der Straße "Am Illmer" für den Durchgangsverkehr und dem TSV Thedinghausen einen Zuschuss zu gewähren zum Beispiel. Abgesegnet haben die Ratsvertreter auch die Unterstützung der Nachmittagsbetreuung von Grundschulkindern durch die Firma Windstrom Erneuerbare Energien GmbH & Co. KG.
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Hort, Spenden und weniger Verkehr
Von Antje Stürmann

Thedinghausen. Die Politiker im Rat waren sich am Montagabend einig. So gut wie alle Entscheidungen traf das Gremium mit einem einhelligen Votum: Die Fortführung des Hortes durch die Gemeinde, die Sperrung der Straße "Am Illmer" für den Durchgangsverkehr und dem TSV Thedinghausen einen Zuschuss zu gewähren zum Beispiel. Abgesegnet haben die Ratsvertreter auch die Unterstützung der Nachmittagsbetreuung von Grundschulkindern durch die Firma Windstrom Erneuerbare Energien GmbH & Co. KG.

2000 Euro legt der Betreiber von derzeit neun Windkraftanlagen in der Gemeinde Thedinghausen in die Haushaltskasse. "Eigentlich wollte die Firma an den Verein Kinderarche spenden", erklärte Verwaltungschef Gerd Schröder. "Da aber die Gemeinde die Betreuung übernimmt, soll das Geld jetzt dorthin fließen." Bis auf die SPD-Politikerinnen Anke Fahrenholz und Jalina Ehlers, die sich der Stimme enthielten, stimmten alle Politiker zu.

Weitaus mehr Zündstoff bot aus der Sicht von Dieter Mensen die Tatsache, dass Verwaltungschef Gerd Schröder im Spätsommer ein vom Energieversorger E.on Avacon gesponsertes Elektrofahrzeug medienwirksam entgegen genommen hatte. Gerd Schröder: "Wir haben einen Nutzungsvertrag für ein halbes Jahr unterschrieben. Darin verpflichten wir uns zu Gegenleistungen, indem wir E.on Daten über die Nutzung liefern. Nach meiner Auffassung ist das Sponsoring. Wenn der Rat sich trotzdem darüber auslassen will, dann kann er das natürlich tun."

Mensen: Wenig Fingerspitzengefühl

Dieter Mensen platzte bei diesen Worten der Kragen. "Es gibt keinen Unterschied zwischen Spenden und sponsoring", erklärte der Englisch-Lehrer. "Wenn wir über eine 100-Euro-Spende für die Feuerwehr beschließen, werde ich mir nicht das Recht nehmen lassen, über diese Zuwendung mitzuentscheiden." Diese Spende sei eine Form von Interessenvertretung, eine Art Werbung zu machen, sagte Mensen. Aus seiner Sicht hat der Verwaltungschef "nicht irgendeine Spende" angenommen, ohne den Rat zu informieren. Sie stamme von einem Unternehmen, dass wegen seiner Beteiligung an der Verlängerung des Ausstiegs aus der Atomkraft vor wenigen Monaten stark in der Kritik gestanden habe, so Mensen. "Dass die Verwaltung nach wie vor so wenig Fingerspitzengefühl zeigt, ist einfach bedauerlich." Parteikollege Dirk Jacobs pflichtete ihm bei: "Mit solche Spenden sollten wir sensibler umgehen. Die Spende von Windstrom kommt uns aber zupass, die können wir als Gemeinde gut gebrauchen."

Womöglich recht schnell. Denn der Rat hat auch einmütig beschlossen, Geschirrspüler, Schränke, Geschirr, Spiel- und Sportgeräte der Kinderarche nicht - wie von Vereinschefin Ute Nelle angeboten - zu kaufen, sondern neu anzuschaffen. "Ich sehe nicht ein, dass die Gemeinde Geld für Sachen ausgibt, die die Eltern schon bezahlt haben", monierte SPD-Ratsherr Hans-Michael Künnemeyer. Gerd Schröder erklärte, die Gemeinde könne rechtlich nicht verlangen, dass die Kinderarche diese Sachen der Gemeinde schenke. "Wir sollten das nicht weiterverfolgen und einen Etat für die Neuanschaffung in den Haushalt aufnehmen", regte Dieter Mensen an.

Arno Thalmann (CDU) warf ein: "Warum mehr Geld für Dinge ausgeben, die es schon gibt?" Diethelm Ehlers (SPD) erklärte, die Gemeinde habe Ute Nelle 1200 Euro geboten, doch diese sei bei ihrer Forderung von 2900 Euro geblieben. Er meinte, womöglich seien die Gegenstände nur noch wenig Wert und die Garantien abgelaufen. Eine Mitarbeiterin der Arche kritisierte, die Gemeinde wisse doch gar nicht, wie viel die Dinge Wert seien. "Bei uns war niemand und hat das geprüft."

Was die Betreuung der Kinder angeht, hat die Gemeinde auf Anregung der Eltern die Gebührenstaffelung leicht modifiziert. Eltern, die ihr Kind statt bis 17 Uhr nur bis 15 Uhr betreuen lassen, sollen entsprechend weniger bezahlen. Die Politiker stimmten bei einer Enthaltung zu. Nach Angaben des Grundschul-Fördervereins haben derzeit die Eltern von 37 Kindern Bedarf an einer Nachmittagsbetreuung.

Ebenso reibungslos passierten die Verkehrsberuhigung "Am Illmer" (einstimmig) und der Zuschuss für den TSV Thedinghausen, der zwei Fußballtore anschaffen will (einstimmig). Den Ausbau der hauptsächlich landwirtschaftlich genutzten Wege Zum Werderkamp und Tagtweidenweg lehnten die Ratsmitglieder aus finanziellen Gründen einmütig ab.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+