Niedersachsenweite Aktion des Gastgewerbes

Hoteliers und Gastronomen zeigen Flagge

Dass es in Niedersachsen in Kürze Lockerungen für das Gastgewerbe gibt, wird von den Hoteliers und Gastronomen begrüßt. Dennoch sind Fragen offen und daher bleibt es bei einer Flaggen-Aktion am Donnerstag.
05.05.2021, 17:38
Lesedauer: 3 Min
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Hoteliers und Gastronomen zeigen Flagge
Von Kai Purschke
Hoteliers und Gastronomen zeigen Flagge

Der Dehoga-Kreisvorsitzende und Hotelbesitzer Gördt Glander zeigt an diesem Donnerstag Flagge und beteiligt sich an der niedersachsenweiten Aktion.

Björn Hake

Landkreis Verden. Wer im Landkreis Verden jetzt noch mitmacht, wird sich an diesem Donnerstag, 6. Mai zeigen. Das Aktionsbündnis zur Rettung der Tourismuswirtschaft, zu dem sich niedersachsenweit 20 Verbände, Organisationen und Interessenvertretungen zusammengeschlossen haben, hat die Restaurants, Gaststätten, Hotels, Pensionen und Campingplätze gebeten, durch das Heraushängern von weißen Laken und Handtüchern unter dem Motto „Wir zeigen Flagge“ an diesem Tag ein Zeichen für die Situation der Branche wegen der Corona-Beschränkungen zu setzen. Denn dem Gastgewerbe steht das Wasser bis zum Hals, heißt es vom Bündnis. Allerdings wurde die Aktion geplant, bevor die Landesregierung am Dienstag die anstehenden Lockerungen fürs Gastgewerbe verkündet hat.

Wie berichtet, dürfen Biergärten und Terrassencafés in Niedersachsen ab kommenden Montag, 10. Mai, wieder öffnen, die Innengastronomie soll drei Wochen später mit der Hälfte der Sitzplätze starten. Weiter gilt aber jeweils die Sperrstunde von 23 Uhr. Touristische Übernachtungen werden wieder erlaubt, in Hotels, Jugendherbergen und auf Campingplätzen mit einer Maximalbelegung von zunächst 60 Prozent. Die Gäste müssen sich täglich testen lassen, in Ferienwohnungen zweimal pro Woche. Ferien in Niedersachsen dürfen vorerst nur Menschen mit erstem Wohnsitz in Niedersachsen (Landeskinder) machen.

Hoffnung für die Branche

„Diese Ankündigung lässt zwar hoffen und wird von uns sehr begrüßt. Im Detail aber wirft die Verordnung viele Fragen auf und weckt Zweifel an der Umsetzbarkeit und Sinnhaftigkeit mancher Regelungen“, begründet das Bündnis, das an der Aktion festhält. „Wir sind nun ein bisschen spät damit dran, da war die Politik mal schneller“, sagt Gördt Glander, Geschäftsführer des Hotels Höltje und Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbands Verden. Er beteilige sich an der Aktion, obwohl er das Timing nicht für ideal hält, weil es nun eben eine Perspektive fürs Gastgewerbe gibt. Andere Häuser im Kreis Verden verzichten darauf, in der geplanten Form Flagge zu zeigen - etwa die Achimer Hotels Gieschen und Haberkamp, die „alle Hände voll zu tun mit den Vorbereitungen für den Re-Start“ haben, wie etwa bei Gieschen zu erfahren war.

Glander betont, dass seine Kritik am Zeitpunkt der Aktion seine persönliche Meinung darstelle, er mit seinen Vorstandskollegen aber im Austausch stehe. Er glaubt, die Politik habe gelernt und er sieht die Aktion daher inzwischen auch als ein Zeichen der Honorierung der Lockerungen - ebenso sei es ein „Reminder“ für die Politik, den Tourismus weiterhin im Blick zu behalten und ihn zu stärken. „Wichtig ist, dass es wieder losgeht“, ist sich Glander sicher, dass weitere Freigaben folgen werden. So hält er auch die vom Bündnis kritisierte und als „realitätsfremd“ eingestufte Regelung, dass zunächst nur Niedersachsen in Niedersachsen Urlaub machen dürfen, für „nachvollziehbar“. „Man möchte einfach nicht das Land mit Urlaubern von überall her fluten, damit die Infektionszahlen nicht wieder hochgehen.“ Wenngleich er als Hotelier weiß, dass etwa internationale Gäste gerade in Verden einen großen Anteil ausmachen.

„Nicht alle werden öffnen“

Auch Martin Fahrland, Geschäftsführer der Mittelweser-Touristik, findet es grundsätzlich gut, dass dem Tourismus und dem Gastgewerbe in Kürze Lockerungen ins Haus stehen. Jedoch sieht er „noch viele Detailfragen unbeantwortet“ und findet daher das Festhalten an der Flaggen-Aktion gut. Laut Fahrland können gerade die vorgeschriebenen täglichen Corona-Tests in Hotelbetrieben teilweise nur schwer oder gar nicht umgesetzt werden. „Gerade im ländlichen Raum könnte es für abgelegene Häuser schwierig werden, wenn es kein Testzentrum in der Nähe gibt.“ Er glaubt auch nicht, dass es sich für jeden Hotelier oder Gastronom rechnet, nur die Hälfte der Plätze oder 60 Prozent der Betten vergeben zu können. „Nicht alle werden daher öffnen“, prophezeit er. In dem Zusammenhang sieht er die sogenannte Landeskinder-Regelung eher skeptisch. Aber Fahrland betont: „Über allem steht: Die Gesundheit geht vor und auf Biegen und Brechen kann nicht gleich alles wieder öffnen, auch wenn man darüber sprechen muss.“

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