Eisenbahnbrücke über die Hunte bei Berne Ende der Sperrung in Sicht

Seit Anfang 2020 ist die Eisenbahnbrücke über die Hunte für Fußgänger und Radfahrer gesperrt. Jetzt gibt es Ideen, wie das Bauwerk für Pendler, Naherholungsuchende und Touristen wieder geöffnet werden könnte.
18.02.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Ende der Sperrung in Sicht
Von Barbara Wenke

Berne. Im Juli hatten Bürger eine Petition gestartet. Ihr Ziel: Den seit März 2020 gesperrten Instandhaltungsweg auf der Eisenbahnbrücke zwischen Berne und Elsfleth wieder für Fußgänger zu öffnen. Noch versperren Gitter den Übergang. Aber eine Lösung scheint in greifbarer Nähe. Die Deutsche Bahn signalisiert Gesprächsbereitschaft.

„Wir als DB wissen, dass diese Querung für die Kommunen wichtig ist“, teilt eine Sprecherin des Unternehmens auf Nachfrage schriftlich mit. Deshalb stehe die Deutsche Bahn in Kontakt mit den Rathäusern. „Wir unterstützen bei der Lösung des Problems“, verspricht die Sprecherin.

Die Einschränkung folgt auf dem Fuß: „Eine Nutzung ist aber erst möglich, wenn ein anderer Weg als Zuführung bis zur Brücke geschaffen wird.“ Die Zuwegung müsse außerhalb des Bahngeländes verlaufen. „Es wurde eine Lösung aufgezeigt, die hoffentlich erfolgreich ist“, schreibt die Bahnsprecherin weiter. Die DB sei an einer einvernehmlichen Lösung interessiert, versichert die Mitarbeiterin.

„Wir würden den Weg, der von Elsfleth über die Hunte führt, auf unserem Gemeindegebiet gerne westlich des Bahndammes bis zum Wirtschaftsweg fortführen“, stellt Bernes Bürgermeister Hartmut Schierenstedt die angedeutete Lösung vor. Erste Gespräche mit einem betroffenen Anlieger habe er bereits geführt. Von Vorteil sei, dass die Bahn 2020 bereits einen Graben am Fuß des Bahndamms aus Stabilitätsgründen verfüllt habe. „Auf der Trasse könnte ich mir einen Weg vorstellen“, sagt Schierenstedt.

Die Corona-Krise habe die Entwicklung allerdings ausgebremst. „Als Nächstes steht ein Ortstermin mit Anliegern, Vertretern der Bahn, des Deichverbands und der betroffenen Kommunen an, um zu gucken, ob die Idee technisch überhaupt umsetzbar ist“, blickt der Bürgermeister voraus. Bislang hätten die Absprachen warten müssen, weil die Pandemie ein Treffen vor Ort unmöglich machte. Wenn Zuständigkeitsbereiche und Besitzverhältnisse geklärt sind, könnten die Bauingenieure der Verwaltungen loslegen.

So gerne Schierenstedt die Brücke wieder öffnen möchte, würde dies nicht um jeden Preis geschehen. Der Berner Verwaltungschef stellt sich voll hinter die Forderung der Bahn, die Querung der Hunte über die Eisenbahnbrücke nur dann wieder für Pendler und Touristen zu ermöglichen, wenn die Zuwegung verändert wird. „Eine Querung der Gleise wird es nicht wieder geben. Dafür werden wir keine Verkehrssicherungspflicht übernehmen." Bislang waren aus Berne kommende Nutzer am Ende der Deichstraße gen Norden abgebogen, über einen Trampelpfad auf dem Huntedeich zur Brücke gefahren und hatten die Gleise am südlichen Ende der Brücke überquert. Um den Deichabschnitt zwischen Deichstraße und Gleisen nutzen zu können, hatte die Gemeinde Berne vom 1. Oldenburgischen Deichband die Verkehrssicherungs- und Unterhaltungspflicht übernommen.

Wenn sich der Weg unterhalb des Bahndammes realisieren lässt, würden die Radfahrer und Fußgänger am Ende der Deichstraße in die andere Richtung abbiegen. Nach kurzer Strecke über einen Wirtschaftsweg erreichen sie eine Gleisunterführung, nach der der rund 200 Meter lange, neue Weg abzweigen soll.

Zur Sperrung des bei den Bernern und Elsflethern beliebten Instandhaltungsweges auf der Eisenbahnbrücke war es nach einem Unfall gekommen. Eine Touristin hatte sich mit ihrem Fahrrad im Zaun verfangen und sich beim anschließenden Sturz schwer verletzt. Das von der Radtouristin initiierte Gerichtsverfahren sei mittlerweile eingestellt worden, teilt Elsfleths Bürgermeisterin Brigitte Fuchs mit.

Vor 68 Jahren hatte die Hunte-Stadt mit der damaligen Bundesbahndirektion einen Gestattungsvertrag abgeschlossen. Dieser gestattete Passanten, die Eisenbahnbrücke zu Fuß zu überqueren. „Dafür musste die Stadt den Weg auf Elsflether wie auf Berner Gebiet bis zu den Gleisen unterhalten“, berichtet Brigitte Fuchs, die ebenso wie ihr Berner Amtskollege sehr daran interessiert ist, westlich des Bahndammes eine neue Zuwegung anzulegen. An den Kosten würde sich die Stadt beteiligen, kündigte die Rathauschefin an. Der Grund: Die Brücke beschert Elsfleth Touristen. Derzeit würden diese an der Stadt vorbeiradeln, denn der offizielle Weser-Radweg führt über den Elsflether Sand und das Hunte-Sperrwerk oder über die Huntebrücke im Zuge der Bundesstraße 212.

Für Rad fahrenden Berufspendler zu den Industriebetrieben in Elsfleth, Berne und Lemwerder gibt es keine echte Alternative zur Eisenbahnbrücke. Das Hunte-Sperrwerk kann nur zwischen 7 und 20 Uhr einmal stündlich für wenige Minuten überquert werden. Für die Pendler zu spät.

Brigitte Fuchs warnte vor zu hohen Erwartungen. „So schnell geht das Ganze nicht.“ Wenn die Brücke im Laufe des Jahres 2021 wieder geöffnet würde, „wäre das schon eine tolle Sache“, sagt die Bürgermeisterin.

Info

Zur Sache

Brücken-Neubau ab 2028

Die Deutsche Bahn möchte eine neue Eisenbahnbrücke über die Hunte bauen. „Die DB plant, die alte Brücke nicht weiter zu sanieren, sondern vollständig zu erneuern“, teilt eine Sprecherin des Unternehmens auf Anfrage mit. Der Baubeginn sei für 2028 geplant. Fertig soll das Bauwerk 2030 sein. Wie die neue Brücke aussehen wird, sei derzeit noch nicht bekannt, da mehrere Lösungsvarianten untersucht werden müssten. Am Ende des Planungsprozesses könne sowohl eine Klappbrücke als auch eine Drehbrücke herauskommen. Fest stehe bislang nur, dass eine bewegliche Lösung gesucht wird.

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