Aufwertung für Pendler und Fernreisende IC hält ab Sonntag in Hude

Hude. Künftig halten Intercitys in Hude. Auf der Strecke von Bremen bis Norddeich können sie mit Fahrkarten des VBN benutzt werden.
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Von Ute Winsemann

Ab dem Fahrplanwechsel am bevorstehenden Wochenende halten Intercitys auch in Hude. Zugleich können sie auf der Strecke von Bremen bis Norddeich dann auch mit Fahrkarten des Verkehrsverbundes Bremen-Niedersachsen benutzt werden. Für Hude verbessern sich damit die Bedingungen im Nah- und Fernverkehr erheblich.

Hude wird zur Stadt. Jedenfalls aus Sicht der Deutschen Bahn (DB). Die lässt ab diesem Sonntag Intercitys (ICs) auf der Strecke von Hannover Richtung Küste und zurück auch in Hude halten. Und das sind sogar noch mehr Züge, als bisher ohne Stopp durchgerauscht sind.

Mit dem Fahrplanwechsel an diesem Wochenende krempelt die Bahn ihr Konzept für den Nordwesten um. Für Hude bedeutet das nicht nur die direkte Anbindung an den Fernverkehr, sondern auch Verbesserungen mit Blick auf die Region: Einmalig in Deutschland, können die Passagiere zwischen Bremen und Norddeich auch den IC mit Nahverkehrs-Fahrkarten des Verkehrsverbundes Bremen-Niedersachsen (VBN) benutzen, ohne einen Aufpreis bezahlen zu müssen.

Dass der eigentlich doch ländliche Klosterort zum IC-Bahnhof wird, haben die Huder sozusagen sich selbst und ihren Gästen zu verdanken: Während die DB-Pressestelle auf Nachfrage gar nicht recht wusste, warum der Intercity künftig zwischen Bremen und Oldenburg den zusätzlichen Stopp einlegt, sagte der Sprecher der Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG), Rainer Peters, dass Hude ein „IC-Halt-würdiges Fahrgastaufkommen“ aufweise. Da das durch das verbesserte Angebot eher steigen denn sinken dürfte, scheint die weitere Perspektive schon jetzt gesichert.

Dass zugleich auch die Möglichkeit geboten wird, den IC innerhalb des VBN – von Einzel- über Monatsfahrkarten bis zum Semesterticket – zu nutzen, dürfte zusätzlich zur Attraktivität und damit auch zur langfristigen Etablierung des Huder City-Status beitragen. Ursächlich miteinander zu tun hat es nach Peters’ Angaben allerdings nicht: Der IC-Halt sei eine Entscheidung der Bahn. Dem VBN-Angebot liege dagegen ein Vertrag zwischen DB und LNVG zugrunde. Berufspendler ebenso wie Gelegenheitsreisende in der Region dürften sich freuen, dass es nicht etwa nur ein Versuchsballon bis zum nächsten Fahrplanwechsel ist, sondern laut Peters von vornherein auf neun Jahre festgeschrieben wurde. „Danach muss man weitersehen.“

Künftig fahren von Hude Richtung Osten ab 7.45 Uhr täglich neun ICs, werktags kommt sogar noch eine Verbindung zwei Stunden früher hinzu. Bis auf zwei ICs, die nach wie vor Umsteigen in Bremen erfordern, gehen alle anderen durch bis Hannover. In der Gegenrichtung halten täglich acht ICs in Hude, und zwar ab 8.12 Uhr ebenfalls im Zweistundentakt. Auch nach Westen gibt es werktags zusätzlich einen Zug, der noch zwei Stunden eher losfährt. Diese Richtung hält allerdings auch noch einen kleinen Wermutstropfen für die Huder bereit: Abends lassen zwei ICs außerhalb des regelmäßigen Takts, einer nur am Sonntag, den Ort dann doch links liegen.

Insgesamt aber verdoppelt sich mit dem IC-Halt die Zahl der Direktverbindungen nach Hannover. Zugleich wird der Anschluss schneller, jedenfalls teilweise. Bislang mussten sich die Reisenden zwischen Bequemlichkeit und Geschwindigkeit entscheiden: Der Regionalexpress fuhr und fährt auch weiterhin direkt, braucht aber bis in die Landeshauptstadt knapp zwei Stunden. Der IC kommt mit eineinhalb Stunden aus. Diese Zeit war bisher nur zu schaffen, wenn man in Bremen in den noch schnelleren Intercity Express (ICE) umstieg. Auch diese Möglichkeit gibt es weiterhin, und zwar immer genau zwischen den ICs.

Die erhebliche Aufwertung kommt in Hude natürlich gut an. Bürgermeister Axel Jahnz, der gerade gestern Morgen nach eigenen Angaben Post von der DB erhalten hat, „dass ich anständig Werbung machen soll“, bewertete den IC-Halt als „hervorragend für den Standort“. Martina Weisensee von der Touristik-Palette zeigte sich ebenfalls begeistert. „Hude liegt an einer wichtigen Strecke zur Nordsee.“ Die Lage sei schon jetzt interessant für Menschen, die die Nähe zur Küste, gleichzeitig aber etwas günstigere Quartiere suchen oder die nicht nur Strand und Wellen, sondern auch andere Natur sehen oder auch die kulturellen Angebote in Bremen und Oldenburg wahrnehmen wollten. Für sie könne Hude jetzt noch attraktiver werden. Zugleich steige der Bekanntheitsgrad des Orts durch das Auftauchen in Fahrplänen und Zugansagen. Die verbesserten Anreisemöglichkeiten würden natürlich auch aufgenommen, wenn Broschüren neu aufgelegt werden. Darüber hinaus ist der IC-Halt aus Weisensees Sicht aber kein unmittelbarer Anlass für gezielte Werbeaktivitäten.

Was noch fehlt, sind Verbesserungen am Bahnhof. Die DB bestätigte gestern noch einmal, dass im Frühjahr der rund vier Millionen Euro teure Umbau für barrierefreien Zugang zu den Gleisen beginnen soll. „Dass muss dann auch wirklich sein“, meinte Bürgermeister Jahnz. Nachdem der Bahnhofsvorplatz in diesem Jahr barrierefrei gestaltet wurde, habe die Gemeinde außerdem Planungen für einen barrierefreien Zugang auch von Süden aus in Auftrag gegeben. Zeitliche Perspektiven dafür mochte Jahnz allerdings noch nicht angeben, zumal die Finanzierung noch ein großes Problem ist. Die LNVG gewähre immer nur für eine Seite Zuschüsse. Aktuell habe die Gemeinde die Landtagsabgeordneten aufgefordert zu prüfen, inwieweit für Orte wie Hude, die von der Bahn quasi zerschnitten würden, Ausnahmen möglich seien.

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