Am 14. November 1920 wurde Cato Bontjes van Beek geboren / Gedenkfeiern für eine Widerstandskämpferin 'Ich lasse nur die Erinnerung an mich'

Achim. Am 14. November 1920 wurde Cato Bontjes van Beek in Fischerhude geboren. Am 5. August 1943 - im Alter von nur 22 Jahren - endete ihr Leben im Gefängnis Berlin-Plötzensee unter dem Fallbeil des Scharfrichters. Die Nazis hatten die Widerstandskämpferin aus Fischerhude zum Tode verurteilt. Für Altbundeskanzler Helmut Schmidt, der sie als 17-Jährige im Haus ihrer Eltern als 'überaus temperamentvoll, vielseitig interessiert und voller Unternehmungslust' kennen gelernt hat, steht sie 'zu Recht neben Sophie Scholl'.
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'Ich lasse nur die Erinnerung an mich'
Von Uwe Dammann

Achim. Am 14. November 1920 wurde Cato Bontjes van Beek in Fischerhude geboren. Am 5. August 1943 - im Alter von nur 22 Jahren - endete ihr Leben im Gefängnis Berlin-Plötzensee unter dem Fallbeil des Scharfrichters. Die Nazis hatten die Widerstandskämpferin aus Fischerhude zum Tode verurteilt. Für Altbundeskanzler Helmut Schmidt, der sie als 17-Jährige im Haus ihrer Eltern als 'überaus temperamentvoll, vielseitig interessiert und voller Unternehmungslust' kennen gelernt hat, steht sie 'zu Recht neben Sophie Scholl'.

Jetzt wird anlässlich ihres 90. Geburtstages mit Gedenkfeier, Diskussionsrunde, Film und Projekttagen am Gymnasium in Achim und in Fischerhude an Catos kurzes, aber intensives Leben erinnert.

Cato Bontjes van Beek entstammt einer Künstlerfamilie. Die Mutter Olga war eine berühmte Tänzerin und Malerin, ihr Vater Keramiker und der Großvater Heinrich Breling Maler am Hof des Bayernkönigs Ludwig II. Cato Bontjes van Beek wächst in Fischerhude auf, geprägt vom dörflichen Leben, vom Zauber der Natur und inspiriert von der Weltoffenheit ihrer Familie. Als junge Frau lockt sie die große Stadt, und sie zieht zu ihrem Vater nach Berlin, um in dessen Keramik-Werkstatt zu arbeiten. Hier nutzt Cato die kulturellen Angebote, besucht Vorträge, interessiert sich für philosophische und religionsphilosophische Fragen. Sie schließt sich der Widerstandsgruppe um Harro Schulze-Boysen und Arvid Harnack an, einer Gruppe, der die Nazis den Namen 'Rote Kapelle' gaben.

Ihr Mut wurde ihr zum Verhängnis

Die 'Rote Kapelle' war eine der bedeutendsten Widerstandszentren während der ersten Jahre des Zweiten Weltkrieges. Cato gehörte zum Kreis derer, die innerhalb des Landes wirkten. Sie und ihr Freund Heinz Strelow trennten sich jedoch nach wenigen Wochen von der Organisation. Sie befürchteten, entdeckt zu werden, weil Mitglieder der Gruppe zu unvorsichtig agierten. Beide gaben jedoch die Arbeit im Widerstand nicht auf, schrieben und verteilten weiter Flugblätter. 'Vergeblich müht sich Minister Goebbels, uns immer neuen Sand in die Augen zu streuen.... doch niemand kann mehr leugnen, dass sich die Lage von Monat zu Monat verschlechtert', heißt es beispielsweise in einem der Blätter. 'Jeder Groschen, jede Hilfeleistung an das herrschende Regime, verlängert den Krieg und führt uns alle noch weiter in das Elend', schrieb Cato.

Doch ihr Mut wurde ihr zum Verhängnis. Im Zuge einer breit angelegten Verhaftungswelle 1942, die sich gegen die Mitglieder der 'Roten Kapelle' richtete, wurde sie gemeinsam mit ihrem Vater Jan Bontjes van Beek verhaftet.

Morgens um 8 Uhr standen vier Gestapo-Beamte vor der Wohnung am Kaiserdamm 22 und brachten Vater und Tochter in die berüchtigte Prinz-Albrecht-Straße zum Verhör und von dort anschließend in Haft. Chefankläger war Manfred Roeder, der Cato zum Tode verurteilte. Die Abschiedsbriefe Catos an die Mutter Olga Bontjes van Beek und an ihre Geschwister Mietje und Tim, die sie in der Todeszelle schrieb, sind immer noch erschütternde Dokumente. 'Schade, dass ich nichts auf der Welt lasse als nur die Erinnerung an mich', schrieb Cato an ihre Mutter, ehe der Scharfrichter sie zum Fallbeil führte. In ihrem letzten Brief empfand sie es als Gnade, 'jede Nacht in meinen Träumen bei Euch in Fischerhude zu sein... ich bin sehr gefasst und habe mich völlig mit dem Schicksal ausgesöhnt'. Am 6. August 1943 - ab 19 Uhr, wurden die angeklagten Widerstandskämpfer, darunter auch Cato, im Dreiminutentakt geköpft, schildert der Autor Hermann Vinke die schreckliche Prozedur. Der Tod Cato Bontjes van Beek wurde um

19.42 Uhr registriert.

Hitler verweigerte die Begnadigung

In den Wochen und Monaten zuvor hatte es noch verzweifelte Versuche der Familie gegeben, für Cato eine Begnadigung zu erwirken. Und die Bemühungen hätten fast Erfolg gehabt. Reichsmarschall Hermann Göring hatte sich schon für die Begnadigung der jungen Frau ausgesprochen und statt der Todesstrafe eine Freiheitsstrafe befürwortet. Doch Hitler, der sich im Zusammenhang mit den Prozessen gegen die Mitglieder der 'Roten Kapelle' die letzte Entscheidung vorbehalten hatte, verweigerte die Unterschrift unter dem Dokument. Damit war Catos Schicksal endgültig besiegelt.

Heute erinnert nicht nur die Namensgebung für das Achimer Gymnasium an das Leben und Wirken Cato Bontjes van Beeks. Auch die kleine Straße entlang der Grabsteinmauer an der Fischerhuder Kirche wurde nach ihr benannt. In der Kirche findet sich ein Gedenkbuch für alle Opfer des Zweiten Weltkrieges, das Fischerhuder Totenbuch. Cato ist als einzige Frau hier aufgenommen worden. 'Die evangelische Kirche in Deutschland zählt Cato Bontjes van Beek zu den ?Evangelischen Märtyrern des 20. Jahrhunderts? und den ?Heiligen?, deren es in der christlichen Gemeinde zu gedenken gilt', sagt der Fischerhuder Pastor Manfred Ringmann.

Und auf dem Friedhof, der Grabstelle der Familien Breling und Bontjes van Beek, erinnert ein Gedenkstein an sie. 'Catos Name ist auch noch Leipzig, Moldorf, an mehreren Stellen in Bremen und in Berlin zu finden', sagt Tim Bontjes van Beek, der Bruder Catos, der immer noch in dem gemeinsamen Elternhaus in Fischerhude wohnt. Er würde sich freuen, wenn die Schüler oder auch andere Interessierte aus dem Landkreis einmal nach Berlin fahren würden, um dort Catos Leben nachzuspüren. Drei Orte eignen sich seiner Ansicht nach besonders dafür: die Gedenkstätte Berlin-Plötzensee, wo Cato hingerichtet wurde, das Cato-Bontjes-van-Beek-Haus, eine Veranstaltungsstätte in Berlin-Lichtenberg und der Kaiserdamm 22 in Charlottenburg, wo Cato gewohnt hat und jetzt ein Stolperstein auf dem Pflaster an die Fischerhuderin erinnert. 'Wer die Toten vergisst, bringt sie noch einmal um. Man muss den Toten auf der Spur bleiben', zitiert Tim Bontjes van Beek einen Satz der Schriftstellerin Ilse Aichinger.

Für Sonntag, 14. November, ihrem Geburtstag, lädt das Nordwest-Radio von 11 bis 12 Uhr zur Live-Diskussion in Buthmanns Hof in Fischerhude. Teilnehmer sind Dagmar Brendecke, Autorin und Regisseurin des Films 'Cato', der hier ab 18 Uhr gezeigt wird. Außerdem Hermann Vinke, Autor einer Biographie über Cato, Dr. Stefan Krolle, Schulleiter des Achimer Cato-Bontjes-van-Beek-Gymnasiums, Ann-Kathrin Wagner und Jutta Schneider, Schülerinnen der 11. Klasse, sowie Wolf-Dietmar Stock, Fischerhuder Verleger. Im Dachgeschoss des Buthmannschen Hofes gibt es außerdem eine Kunstausstellung mit Werken von Mietje Bontjes van Beek, der Schwester Catos, zu sehen, die in ihren Arbeiten an die dunkle NS-Zeit erinnern.

Das Achimer Gymnasium plant in der Woche vom 15. November bis 19. November verschiedene Aktionen, die unter dem Motto 'Catos Zeit - Catos Welt' laufen. Den Schülern soll die Zeit, in der Cato jung war, näher gebracht werden, sagt Ulrike Kompch. Einen Festakt anlässlich des 90. Geburtstages gibt es am Montag, 15. November, um 18 Uhr, im Gymnasium. Das Kulturhaus Kasch zeigt am 16. November, dem eigentlichen Projekttag vormittags ebenfalls den Film 'Cato' und am Mittwoch, 17. November, führt die 'Wilde Bühne' ab 10 Uhr das Theaterstück '17,5 Minuten kalte Wut' in der Schulaula auf.

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