Beratung für angehende Selbstständige

Im Weyher Rathaus geht es um die Existenz

Weyhe. Normalerweise nimmt sich Frank Rönz etwa eine Stunde Zeit für jeden Existenzgründer. Diesmal geht es etwas schneller, denn Gerhard Jahns nimmt nicht zum ersten Mal das kostenlose Angebot des Vereins Bremer Senior Service (BSS) in Anspruch.
27.03.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Im Weyher Rathaus geht es um die Existenz
Von Sebastian Kelm
Im Weyher Rathaus geht es um die Existenz

Offenes Gespräch, ehrliche Ratschläge: Diplomkaufmann und Wirtschaftssenior Frank Rönz (links) gab gestern im Weyher Rathaus seine Erfahrung mit Existenzgründungen an Gerhard Jahns weiter, der eine eigene Werkstatt aufbauen möchte.

Janina Rahn

Normalerweise nimmt sich Frank Rönz etwa eine Stunde Zeit für jeden Existenzgründer. Diesmal geht es etwas schneller, denn Gerhard Jahns nimmt nicht zum ersten Mal das kostenlose Angebot des Vereins Bremer Senior Service (BSS) in Anspruch. Denn der erste Versuch, sein eigener Chef zu werden, scheiterte – trotz intensiver Vorbereitung und guter Voraussetzungen, da sind sich beide einig.

Frank Rönz ist ein Freund deutlicher Worte. „Da sind Sie ausgebootet worden, wobei Sie daran nicht ganz unschuldig sind. Sie waren zu gutgläubig“, spricht er Gerhard Jahns’ Fehler schonungslos an. Der 46-Jährige nickt einsichtig. Später wird er Rönz für seine aufrichtige Einschätzung ausdrücklich loben. „Er sagt einem klar, was man machen, wo es hingehen muss“, so der zunächst glücklose Existenzgründer aus Leeste, der einen zweiten Anlauf wagen will.

Das war passiert: Im Juni des vergangenen Jahres hatte sich der gelernte Kfz-Mechaniker und zertifizierte Diagnosetechniker für BMW und Mercedes zum ersten Mal vom Bremer Senior Service beraten lassen, weil er eine freie Werkstatt übernehmen wollte. Das habe anfangs auch ganz gut geklappt, die Resonanz der Kunden auf seine Arbeitsqualität sei positiv gewesen, erzählt Jahns. Da er alles aber ohne Kredit habe finanzieren wollen, sagte er dem Verpächter der Werkstatt zunächst die Hälfte der vereinbarten Summe zu, denn Rest wollte er dann in diesem Jahr zahlen. Bevor Geld fließen konnte, sei er im November „vor die Tür gesetzt“ worden, weil es – wie sich herausstellen sollte – plötzlich andere Interessenten gab.

Das Problem: Jahns hatte keinen schriftlichen Pachtvertrag unterzeichnet, alle Absprachen waren mündlich. „Für mich zählte: ein Mann, ein Wort“, sagt er. Frank Rönz dazu: „Daraus müssen Sie lernen.“

Und die Chance, diesen Fehler nicht erneut zu begehen, bietet sich Jahns gleich wieder, wie er dem ehrenamtlichen BSS-Berater stolz berichtet. Momentan habe er ein mobiles Automobilgewerbe angemeldet, bei dem er die Fahrzeuge abholt, in einer Selbsthilfewerkstatt repariert und dann wieder zum Auftraggeber zurück bringt. „Eine Notlösung“, wie der Familienvater betont, er sei dafür auch schon belächelt worden. „Aber ich wollte meine Kunden nicht verlieren“, erklärt er.

In Barrien habe er nach langer, schwieriger Suche endlich eine Werkstatt gefunden, bei der er eine momentan leer stehende Halle nutzen kann – neben einem dort bereits bestehenden Betrieb. „Seit vier Wochen bin ich da schon auf Probe“, erzählt Gerhard Jahns. „Und es entsteht keine Konkurrenzsituation?“, fragt Rönz kritisch nach. Der Leester versichert: „Wir haben beide unseren eigenen Kundenstamm und ergänzen uns. So muss keiner von uns jemanden wegschicken, der bei ihm nicht gleich drankommen könnte.“ Der 65-jährige Betreiber habe ihm auch schon in Aussicht gestellt, die gesamte Werkstatt später übernehmen zu können. Der Berater mahnt: „Denken Sie diesmal an den Vertrag – und handeln Sie ein Vorkaufsrecht aus.“ Spätestens dann muss natürlich auch einiges investiert werden. „Wegen der Zahlen sollten wir uns noch mal zusammensetzen“, sagt Rönz erneut seine Hilfe zu. Und er begleite ihn auch gern zur Bank, wenn es darum geht, das nötige Startkapital zu bekommen.

Nicht mehr hoffen darf Jahns auf Gründungsunterstützung. Schließlich hatte Rönz dessen erste Werkstatt schon „testiert“, sein Vorhaben also positiv bewertet, sodass er vom Jobcenter sechs Monate lang eine Beihilfe erhielt. Das Arbeitslosengeld bekomme man dann weiter, erläutert Rönz, 300 Euro gebe es zum Beispiel für die soziale Absicherung, und man dürfe unbegrenzt dazuverdienen. „Das ist jetzt leider ausgeschöpft“, sagt der Wirtschaftssenior.

Zuversichtlich ist Frank Rönz, dass es für Jahns diesmal klappen kann mit der Existenzgründung. „Er ist hoch qualifiziert“, meint er. Das treffe allerdings nicht auf alle zu, die seine Beratung in Weyhe aufsuchen: „Einigen muss ich sagen, dass ihre Geschäftsidee nur dazu taugt, Geld zu vernichten.“ Mit deutlichen Worten eben.

Der Bremer Senior Service (BSS) bietet seine Beratung im Weyher Rathaus wieder am Donnerstag, 15. Mai, an. Telefonische Anmeldungen sind möglich unter Telefon 04203/71276 oder 04203 /71218.

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