Mitgemacht bei der "Soko Bello" in Hatten

Immer der Nase nach

Wenn Frauchen und Hund zusammen ermitteln: Unsere Volontärin Nastassja Nadolska ist mit ihrer Hündin Dina in den Wald gegangen, um einen Münzraub aufzuklären. Ein Krimi für Mensch und Tier.
06.07.2018, 14:43
Lesedauer: 4 Min
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Immer der Nase nach
Von Nastassja Nadolska
Immer der Nase nach

Die Nase gehört sowohl beim Hund als auch beim Menschen zum Hauptermittlungswerkzeug der "Soko Bello". Gleich beim ersten Mal erwischt meine Hündin Dina den richtigen Behälter.

Fotos: Janina Rahn

Ganz vorsichtig schnüffelt sie an dem gelben Schwamm, der in Wurstwasser, Leberwurstwasser und Fischfond getränkt ist. Der Geruch ist eingeprägt – und rasch nimmt sie die Fährte auf. Auf dem schmalen Waldweg geht sie mal nach links und nach rechts. Dann stoppt sie vor einer Anzeigetafel. Die Fährte scheint verloren und der Blick geht fragend nach oben: „Schau her, da an der Ecke“, sage ich ihr und zeige auf ein Dose mit einem gelben Deckel. Zunächst schnüffelt sie etwas zögerlich daran, aber als sie merkt, dass sich dort zwei Minifrikadellen verstecken, kann sie ihre Freude und ihren Appetit nicht zügeln.

Damit haben meine Hündin Dina und ich die erste Etappe der Krimitour „Soko Bello“, veranstaltet von der Mensch- und Hundeschule Anja Zalfen in Hatten, bestanden. Seit 2017 bietet die Hundeschule solche Ermittlungstouren an und bisher sind sie bei allen Teilnehmern gut angekommen: „Die Leute waren sehr zufrieden und kommen sogar mehrfach“, sagt die Leiterin der Hundeschule.

Angelehnt an Krimidinners entwickelt sie gemeinsam mit ihrem Mann Marcus Zalfen eigene Krimitouren. „Diese Ermittlungstouren kann man auch kaufen. Bei einer haben wir auch schon mitgemacht. Das war aber langweilig“, gesteht die Hundetrainerin, die die Routen, Aufgaben und Spiele komplett selbst ausgeklügelt hat. In den Genuss dieser selbst ausgetüftelten Ermittlungstour sind meine Hündin Dina und ich an einem Sonntag im Juni gekommen. Mit uns nahmen sechs weitere Hundebesitzer mit ihren Portugiesischen Wasserhunden daran teil, die als Privatveranstaltung von der Züchterin Silke Hollje-Schumacher organisiert wurde. Wir haben die Aufgabe bekommen, einen Münzraub aufzuklären und die verschwundene Beute wiederzufinden.

Nach einer kurzen Einführung zu Beginn und der ersten gelösten Etappe führte unsere Route weiter auf einen Feldweg inmitten eines Waldgebietes in Hatten. So richtig konzentrieren kann ich mich aber nicht, weil Dina so aufgeregt ist und unbedingt mit den anderen Hunden spielen möchte. Wir beide müssen uns zunächst an die Situation gewöhnen. „So, während ein Besitzer mit seinem Hund zu Marcus geht, müsst die Menschen herausriechen, was sich in den Behältern befindet“, lautet die nächste Aufgabe der Ermittlungstour.

Während bei einigen Gerüchen klar ist, was dahintersteckt, kommt man bei anderen tatsächlich etwas ins Grübeln. Damit ich meine Nase etwas durchlüften kann, laufen Dina und ich weiter zur Parallelaufgabe, in der ihre Nase gefragt ist. „Hier findest du drei Behälter. In einem befindet sich Katzenfutter. Wenn sie den Richtigen findet, belohnt sie sich selbst“, erklärt Marcus Zalfen.

Natürlich haben wir beide vorher schon geübt. Gespannt schaue ich ihr zu und hoffe, dass die Bemühungen in den vergangenen Wochen Früchte tragen. Gleich beim ersten Mal findet sie den richtigen Behälter: „Damit hab ich jetzt nicht gerechnet“, sage ich erstaunt.

Währenddessen haben meine Mitstreiter die nächste Aufgabe erfolgreich gelöst, sodass wir uns gleich ins nächste Rätsel stürzen dürfen. Auf mehreren laminierten Karten befinden sich Zahlen. „Das sind bestimmt Koordinaten. Hat jemand ein Handy dabei?“, fragt Anja Friedrichs aus Aurich, die mit ihrem Mann Enno und ihren beiden Hunden Inka und Zoe dabei ist. Sofort zückt die 15-jährige Sina, die mir ihrer Mutter Elke Ries und dem einjährigen Agent teilnimmt, ihr Handy und führt uns nach einem circa 15-minütigen Spaziergang auf eine kleine Wiese.

Mit vier orange-weiß gestreiften Hütchen markiert Anja Zalfen ein kleines Feld. Am Ende befinden sich jeweils zwei kleine Matten. „Wir starten jetzt ein kleines Rennen“, kündigt die Hundetrainerin an. Als Erstes treten Dina und ich gegen Sina Ries und ihren Rüden Agent an. Während ich eine Matte vor die andere schiebe, um ans Ziel zu gelangen, muss ich gleichzeitig meiner Hündin klar machen, dass sie auf den Matten zunächst sitz machen muss, damit wir auch weitergehen dürfen.

Allerdings stellt sich das als nicht so einfach heraus. Ziemlich widerwillig und auch leicht abgenervt steht mir Dina gegenüber – nicht einmal ein Leckerli kann sie von unserem Vorhaben überzeugen. „Wenn es so nicht geht, dann reicht es, wenn sie auf der Matte steht“, ruft Anja Zalfen mir zu, die wahrscheinlich gemerkt hat, dass wir etwas ins Straucheln kommen. Das Rennen haben wir natürlich glasklar verloren.

Nach einem kleinen Spaziergang durch die Wohngegenden von Hatten und einer weiteren Aufgabe, die wir natürlich wieder gelöst haben, machen wir Halt an einem Supermarktparkplatz. Dort steht ein kleines Buffet mit Käsewürfeln, Trauben und Mini-Würstchen bereit. Auch die Hunde erhalten eine kleine Belohnung und können ihre müden Beine etwas schonen. Während wir Teilnehmer uns stärken und den ersten Teil der Ermittlungstour Revue passieren lassen, baut Anja Zalfen schon die nächste Aufgabe namens „Obedience“ auf. Die Bezeichnung leitet sich vom englischen Begriff für Gehorsam ab und gilt in der Hundeerziehung als hohe Schule.

Gehorsam ist Dina, aber nach dem langen Lauf bin ich mir nicht sicher, ob sie dazu noch Lust hat – gut, dass ich mit diesem Gedanken falsch liege. Mit Bravour meistert sie alle auf dem Schild befindlichen Kommandos, und ich bin einfach nur stolz: „Wow, ich bin platt. Das hat sie wirklich richtig gut gemacht. Hätte ich so nicht erwartet“, sage ich Anja Zalfen, die mir Recht gibt: „Das war wirklich klasse.“

Nach einer kurzen Stärkung und voller Motivation, zumindest bei mir, geht es für uns weiter – natürlich in ein Waldstück. So langsam merkt man allen Hunden an, dass sie kaputt sind. Während eine sogar streikt und nicht mehr weiterlaufen möchte, setzen bei Dina langsam ihre komischen fünf Minuten ein. Zur Belustigung aller Teilnehmer wälzt sie sich auf dem Boden, springt wild hin und her und gibt spielerisch-knurrende Geräusche von sich.

Dennoch ist noch einmal Zähnezusammenbeißen angesagt. Im Leckerli-Fangen, bei dem sie drei fassen soll, ist sie leider kläglich gescheitert – obwohl wir es öfter Zuhause geübt haben. Nach einem zehnminütigen Fußmarsch erreichen wir die letzte Etappe. „So, dann lest euch noch einmal die letzte Aufgabe durch und versucht, den Hinweis zu finden“, lautet die Ansage von Anja Zalfen.

„Ich hab es gefunden!“, ruft Enno Friedrich jubelnd und zeigt uns den Beutel mit den verlorenen Münzen. Erleichterung und Freude machen sich breit. Nach viereinhalb Stunden sind wir angekommen am Parkplatz. Dort wartet noch ein leckeres Kuchen- und Kaffeebuffet auf uns.


Wer mit seinem Vierbeiner an einer Ermittlungstour teilnehmen möchte, kann sich bei Anja und Marcus Zalfen unter der Telefonnummer 0 44 81 / 9 05 98 40 oder auf der Internetseite unter menschundhundeschule.jimdo.com informieren.

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