Angeklagte zu Geldstrafe verurteilt In Therapie wegen Pornografiesucht

Zu 6300 Euro Geldstrafe verurteile das Amtsgericht Osterholz-Scharmbeck einen 52-jährigen Ritterhuder wegen des Besitzes und der Weitergabe kinderpornografischer Dateien.
25.09.2018, 14:15
Lesedauer: 2 Min
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Von Friedrich-Wilhelm Armbrust

Osterholz-Scharmbeck/Ritterhude. „Das war ein Hallo-Wach-Ruf“, sagte der 52-jährige Ritterhuder über die Durchsuchung seiner Wohnung durch die Polizei. Die Beamten hatten bei dem Ritterhuder kinderpornografische Dateien auf zwei Festplatten beschlagnahmt. Wegen des Besitzes und ihrer Weitergabe hatte er sich jetzt vor dem Strafrichter am Amtsgericht Osterholz-Scharmbeck zu verantworten.

„Nach der ersten Durchsuchung ist nichts mehr gefunden worden. Er möchte reinen Tisch machen“, sagte Verteidiger Jan van Lengerich über seinen Mandanten. Er verwies darauf, dass sich der Ritterhuder einer Therapie unterzogen habe. Die ging nach dessen Angaben von November 2015 bis Februar 2018. „Das war zunächst wöchentlich, dann 14-tägig. Das war das Beste, was ich hätte tun können“, so der Angeklagte.

Die Therapie hat ihm nach seinen Worten geholfen, seinen Pornografie-Konsum zu kontrollieren. „Davor habe ich alles geguckt, was ich kriegen konnte. Das war ein Reiz, dem ich nicht widerstehen konnte“, gab er Einblick in sein Seelenleben. Die Therapie umfasste nach seinen Worten 78 Sitzungen mit 107 Stunden. Sie habe ihn 8500 Euro gekostet. „Aber die hat auch generell mein Leben verändert.“

Dass er sich in eine Tauschbörse begeben habe, räumte er ein. „Ich habe da aber nicht bewusst geteilt, sondern das nur billigend in Kauf genommen“, sagte der Angeklagte zum Tatvorwurf der Weitergabe kinderpornografischer Dateien.

Der Angestellte verdient nach seiner Aussage 3000 Euro netto im Monat. Eintragungen im Bundeszentralregister gab es zu seiner Person zuvor nicht. Die Staatsanwältin beantragte eine Geldstrafe von 110 Tagessätzen zu 100 Euro, also 11 000 Euro. „Die Therapie zu machen, war das Beste, was Sie tun konnten“, hielt sie ihm zugute.

Verteidiger van Lengerich wollte es bei 90 Tagessätzen belassen. „Ich habe nie jemand gesehen, der sich so intensiv damit auseinandergesetzt hat“, sagte der Verteidiger, der auf Sexualdelikte spezialisiert ist. Er habe sich seit drei Jahren nicht weiter um Kinderpornografie bemüht, sagte der Angeklagte in seinem letzten Wort nach den Plädoyers und vor der Urteilsverkündung. „Ich hätte den Mut haben müssen, mich früher darum zu kümmern“, bedauerte er.

Strafrichter Marcus Lemke verurteilte den Ritterhuder zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 70 Euro, 6300 Euro. „Das ist eine harte Strafe, aber sie soll auch nicht erdrosselnd wirken“, befand der Richter. Er hielt dem Angeklagten zugute, eine Therapie gemacht und dafür auch die Kosten übernommen zu haben.

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