Straßenbahnverlängerung in Lilienthal Infopoint zur Linie 4 wird rege genutzt

Lilienthal. Wer den Infopoint zur Linie 4 an der Falkenberger Landstraße 12 persönlich aufsucht, spricht mit Helmut Pflugradt. Er muss sich oft den Ärger mancher Lilienthalter anhören und ihre Fragen zur Straßenbahnverlängerung beantworten.
21.05.2011, 05:00
Lesedauer: 5 Min
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Von Siegfried Deismann

Lilienthal. "Guten Tag, mein Name ist Helmut Pflugradt." Wer den Lilienthaler Infopoint zur Linie 4 an der Falkenberger Landstraße 12 persönlich aufsucht, der wird freundlich begrüßt. Was eigentlich als Selbstverständlichkeit erscheint, ist auf jeden Fall schon mal ein guter Einstieg, damit das nun folgende Gespräch in ruhigen Bahnen verläuft. Denn so mancher Lilienthaler, der Pflugradts Ein-Mann-Büro aufsucht, kommt wegen eines Ärgernisses und will hier Dampf ablassen. Da ist er bei Helmut Pflugradt genau richtig. Der sieht sich und seinen Job als "Kummerkasten". Und nicht von ungefähr liegen Kummer und sich kümmern dicht beieinander. Denn sich zu kümmern, das ist für die nächsten zwei Jahre Pflugradts vorrangige Aufgabe.

Als er am 17. Februar sein Büro an der Falkenberger Landstraße bezog, da war für den Nordbremer ehemaligen CDU-Bürgerschaftsabgeordneten, der von 1975 bis 2009 in der Baudeputation und bis vor zwei Jahren im Aufsichtsrat der BSAG saß, das Thema Linie 4 nicht neu. Nun aber erlebt er es von einer ganz anderen Seite. Ging es jahrelang bei der Straßenbahnverlängerung um das Ob, so zählt jetzt ganz pragmatisch nur noch das Wie.

Wieso? Weshalb? Warum? Fragen, auf die Pflugradt nicht immer sofort eine Antwort parat hat. Dafür aber hat er eine Telefonliste, auf der Namen von Leuten stehen, die Antwort geben können. Seit Mitte Februar verbuchte Pflugradt bereits 436 Bürgerkontakte - Tendenz vermutlich weiter steigend. Allein seit vor zwei Wochen die neue Verkehrsführung und die ersten Baustellen auf der Hauptstraße eingerichtet wurden, hatte er in nur einer Woche über 100 Anfragen, hat Beschwerden weiter geleitet, Fragen beantwortet. Probleme lösen kann er in der Regel nicht, dafür sind andere da: die Gemeinde, die CTB oder die Versorgungsunternehmen. Er ist Vermittler, kann ersten Ärger auffangen, kann versuchen zu erklären, was sich nicht immer auf den ersten Blick erschließt. Und, so seine eigene Einschätzung, er muss versuchen, auf die Menschen mit ihren unterschiedlichen Charakteren einzugehen.

So auch an diesem Vormittag, als der ehemalige Ratsherr und CDU-Kommunalpolitiker Eugen Pusch sich bei seiner kurzen Stippvisite im Infopoint wundert, warum trotz Baubeginns in den letzten Tagen so wenig auf der Hauptstraße passiert ist - und damit nach eigenem Bekunden Fragen weiter gibt, mit denen Bürger ihn selbst konfrontiert haben. Der Eindruck täuscht, versucht Pflugradt zu erklären, es seien sogar schon erste Mastengründungen erfolgt, die allerdings kaum auffielen, und es müssten ja die vier Bauabschnitte auch erst einmal eingerichtet und mit Material versorgt werden.

Ganz zufrieden scheint Pusch noch nicht zu sein, will sich weiter informieren. Und er macht sich Sorgen um seinen Ortsteil Trupermoor, dessen Durchgangsstraße jetzt wieder mehr Verkehr aufnehmen muss. Das will Pusch nicht hinnehmen, der meint, man müsse über eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf der Trupermoorer Landstraße nachdenken. Er schaltet aber einen Gang zurück, als Pflugradt andeutet, dass CTB, Gemeinde und Landkreis bereits über ein Verkehrskonzept für die zusätzlich belasteten Bereiche nachdenken.

Während sich zwischendurch Bürger Busfahrpläne aus dem Infopoint holen oder andere sich einfach mal die Bahnpläne genauer ansehen wollen, aktualisiert Pflugradt die Linie 4-Homepage, stellt das neue Lili-Leitsystem online - und begrüßt seinen nächsten Gast. Der ärgert sich darüber, dass sich Bauarbeiter an der Pillauer Straße an seinem Lattenzaun zu schaffen gemacht, zehn Zentimeter lange Nägel ein- und dann krumm geschlagen hätten. Dass der Zaun offenbar auf öffentlichem Grund steht und deshalb demnächst vielleicht ganz weg muss, kommt am Rande des Gesprächs raus. Er wolle nun mal nachmessen, sagt der Mann. Und im Übrigen sei er überhaupt nicht informiert worden.

Das kann Pflugradt sich nicht vorstellen, und deshalb wird er bei der Gemeinde anfragen, ob tatsächlich keine Information an den Bürger rausgegangen ist. Er macht sich eine Aktennotiz, zu der dann in den nächsten Minuten drei, vier andere kommen. Abwechselnd klingeln der Festnetzanschluss und sein Diensthandy. Hier holt er Informationen zu der einen Anfrage ein, dort verspricht er einen Rückruf in den nächsten Minuten.

Notiz reiht sich an Notiz

So geht das die nächste Viertelstunde weiter. Eine Anfrage folgt der nächsten, Notiz reiht sich an Notiz. Alle will er möglichst noch am selben Tag bearbeiten. Dazwischen ruft Pflugradt einen Lilienthaler Hausbesitzer an, für den er eine gute Nachricht hat. Diesmal geht es um die Versetzung eines Mastes, die voraussichtlich möglich ist, gibt er dem Gesprächspartner am anderen Ende einen positiven Zwischenbescheid. Der ist gerade auf Mallorca im Urlaub und nimmt die Nachricht vermutlich nicht nur deshalb ebenso erfreut wie entspannt entgegen.

Gerade die Masten sind ein Problem, ebenso die Grundstückszufahrten. "Ich kann aber nicht immer positive Nachrichten geben", räumt Pflugradt ein und verweist auf einen komplizierteren Fall, der wegen der schwierigen Rahmenbedingungen schon seit einigen Wochen auf Erledigung wartet. Alle Beteiligten seien aber bemüht, wo sich Probleme technisch lösen ließen, auch Lösungen im Sinne der Bürger zu finden, unterstreicht Pflugradt.

Da betritt ein junger Mann das Büro, nimmt nach der Begrüßung auf dem angebotenen Stuhl Platz - und will unerwartet erst mal nur ein Lob loswerden. Er finde die Einbahnstraßenregelung im Zusammenhang mit der Entlastungsstraße richtig Klasse, bekommt Pflugradt von Florian Franz, Anlieger der Königsberger Straße, unverhofft eine positive Rückmeldung. Das sei eine homogene Sache. Was allerdings nicht klappe, sei die Ampelschaltung im Bereich Trupe/Feldhausen, will der Falkenberger dann doch noch ein Problem loswerden - und verlässt gleich darauf offenbar zufrieden das Büro, als Pflugradt seinen Eindruck bestätigt und mitteilt, dass bereits an einer neuen Software für die Ampelschaltung gearbeitet werde.

In Pflugradts Kummerkasten kommt gleich anschließend ein Problem, das zwar mit der Linie 4, aber eigentlich nichts mit deren Ausbau nach Lilienthal zu tun hat. Eine Lilienthalerin hat nämlich zum wiederholten Mal festgestellt, dass in Borgfeld die Straßenbahn zwar "Falkenberg" anzeigt, genau dann aber - wie es zu erwarten wäre - kein Anschlussbus bereit steht, sondern im Gegenteil gerade dann, wenn "Borgfeld" ausgezeichnet sei. Auch dieser Hinweis wird den richtigen Adressaten, in diesem Fall die BSAG, erreichen, verspricht Pflugradt.

Die Anfragen einer blinden Lilienthalerin, beispielsweise, ob die neu aufgestellten Bedarfsampeln mit Blindentastatur ausgerüstet sind, wird Pflugradt ebenfalls zu klären versuchen. Zwei Stunden später erfährt er, dass es diese Ausstattung wohl nicht gibt. Für die Betroffene ein eher unbefriedigender erster Bescheid. "Ich bin ja quasi nur Briefträger", beschreibt Helmut Pflugradt seinen Job im Infopoint. "Ich kann selber in der Sache nichts entscheiden. Ich setze mich ein, aber ich verspreche nichts - da käme ich in Teufels Küche."

Die Öffnungszeiten des Infopoints: montags und mittwochs von 10 bis 14 Uhr, donnerstags von 14 bis 18 Uhr sowie jeden ersten Sonnabend im Monat von 10 bis 14 Uhr; Telefon (auch außerhalb der Öffnungszeiten) 04298/9068844.

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