Schüler der Verdener Realschule besichtigen die Justiz-Behörden in der Allerstadt Information und Abschreckung im Gericht

Die Gelegenheit, ein Gericht von innen zu sehen – ohne vorher einer Straftat angeklagt worden zu sein – erhielten gestern Schüler der Stufe neun der Verdener Realschule. Während sie sich auf diese Weise über ein mögliches Betriebspraktikum im kommenden Jahr informieren konnten, hoffen das Land- und das Amtsgericht auf Nachwuchs.
04.12.2013, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Stephen Kraut

Die Gelegenheit, ein Gericht von innen zu sehen – ohne vorher einer Straftat angeklagt worden zu sein – erhielten gestern Schüler der Stufe neun der Verdener Realschule. Während sie sich auf diese Weise über ein mögliches Betriebspraktikum im kommenden Jahr informieren konnten, hoffen das Land- und das Amtsgericht auf Nachwuchs.

Zwei Schülerinnen gehen in eine der Vorführzellen des Verdener Landgerichts, in denen als gefährlich geltende Angeklagte auf ihren Verhandlungsbeginn warten. Der Wachtmeister schließt das Gitter hinter ihnen, anschließend verriegelt er die schwere Stahltür. Was wie die dramatische Handlung einer Nachmittagssendung im Fernsehen klingt, ereignete sich gestern im Verdener Landgericht – allerdings durften die Schülerinnen direkt wieder in die Freiheit, denn gemeinsam mit ihren interessierten Kameraden der Stufe neun der Verdener Realschule besichtigten sie lediglich das Verdener Land- sowie das Amtsgericht.

Justizberufe vorstellen

„Wir möchten den Schülern aufzeigen, welche Berufe es in der Justiz überhaupt gibt“, erklärte Martina Rater, Rechtspflegerin der Landesgerichts, den Grund, die Jugendlichen zu einer Führung einzuladen. Außerdem sei dies eine gute Gelegenheit, sich bereits jetzt für die im kommenden Jahr in der Schule anstehenden Betriebspraktika zu informieren. „Vielen Menschen sind Berufe wie der des Rechtspflegers eher unbekannt. Durch die Führung lernen nicht nur die Schüler sie genauer kennen, sondern unter Umständen auch Verwandte und Freunde“, sagte Rater. Doch die Verwaltung war nicht das einzige Thema des Nachmittags. Auch Verhandlungssäle wurden besichtigt, ebenso wie die Vorführzellen.

„Dieser Trakt wurde erst vor anderthalb Jahren eröffnet“, informierte die Landgerichts-Mitarbeiterin nach Betreten des gefliesten Ganges, an dessen Seiten sich Stahltüren entlangzogen. Die Schüler schauten sich erstaunt um. Der erste Eindruck: „Hier will ich auf keinen Fall leben!“ Auch die Ausrüstung des Wachtmeisters, wie etwa Handschellen, durften sich die Schüler aus der Nähe ansehen – und teilweise einmal ausprobieren. „Vielleicht“, hoffte Rater, „hat diese Erfahrung ja direkt eine abschreckende Wirkung.“ Dass sich diese Hoffnung zumindest bei einigen Besuchern erfüllt haben dürfte, wurde deutlich, als die Jugendlichen einen näheren Blick in die Zellen warfen: „Bekommen die Inhaftierten keine Decke?“, fragten sie etwa bei dem Anblick der schlichten Liegefläche in der Zelle.

Die Überwachungskamera ließ sogleich die nächste Frage folgen: „Werden sie immer gefilmt? Auch, wenn sie auf der Toilette sitzen?“ Bewusst entschieden sich die Schüler für eine Führung durch das Gericht. Denn aus diversen Bereichen konnten sie im Vorfeld aussuchen, welchen möglichen Arbeitsplatz sie besuchen wollten. „Drei Betriebe mussten es sein, über 20 standen zur Auswahl“, sagte Lehrer Christoph Rother. Andere Jugendliche hätten sich für Stellen wie die Agentur für Arbeit, das Finanzamt oder die DAK entschieden.

Nachdem alle Schüler wieder aus den Vorführzellen und von Handschellen befreit worden waren, trennte sich die Gruppe: Die eine Hälfte besichtigte mit Heidemarie Meyer und Martina Möhle-Höltje vom Amtsgericht die entsprechende Einrichtung, die zweite Gruppe schaute sich weiter im Landgericht um. Anschließend wechselten sie.

Bereits seit einigen Jahren bietet das Landgericht Verden, auch im Hinblick auf Nachwuchsmangel in einigen Berufen, solche Führungen an. „Die Resonanz ist gut. Es gibt immer Schüler oder Bekannte dieser Jugendlichen, die sich für ein Praktikum bei uns melden“, sagte Rater. Und auch weitere interessante berufliche Möglichkeiten seien im Bereich der Justiz mit Ausbildungen oder einem dualen Studium für Realschüler und Gymnasiasten ebenfalls gegeben.

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