Galerie Altes Rathaus zeigt Ausstellung „Land.schafft.Fotografie“ mit Arbeiten von zwölf Künstlern

Innen- und Außenperspektiven

Fotografie ist nicht die erste Kunstform, die man gemeinhin mit Worpswede verbindet, auch wenn sie seit Anbeginn der Künstlerkolonie immer schon eine Rolle spielte. Im Rahmen der Ausstellungsreihe „Worpswede nonstop“, die sich im Jubiläumsjahr den Zeitgenossen widmet, zeigen zwölf Fotografen aus der Region ihre Bilder in der Galerie Altes Rathaus.
07.06.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Lars Fischer

Fotografie ist nicht die erste Kunstform, die man gemeinhin mit Worpswede verbindet, auch wenn sie seit Anbeginn der Künstlerkolonie immer schon eine Rolle spielte. Im Rahmen der Ausstellungsreihe „Worpswede nonstop“, die sich im Jubiläumsjahr den Zeitgenossen widmet, zeigen zwölf Fotografen aus der Region ihre Bilder in der Galerie Altes Rathaus.

Die Innen- und die Außenperspektive stellt die Ausstellung „Land.schafft.Fotografie“, die die kommunale Galerie Altes Rathaus bis zum 6. Juli zeigt, gegenüber. Zwölf Fotografen aus der Region sind vertreten, und ihr Blick richtet sich nicht auf das Künstlerdorf, sondern auch in die Welt. Bei Breddorf oder Florenz, von Cornwall bis nach Nepal, im Teufelsmoor oder in Tschernobyl sind die Bilder entstanden, die beileibe nicht nur Landschaft zeigen.

Die zwölf Künstler stehen auch für zwölf unterschiedliche Blicke und Abbildungen von Realität. Fritz Dressler zeigt auf drei Aufnahmen von Lanzarote Architektur, Gabi Anna Müller porträtiert Menschen in Nepal. Klaus Benhofs importiert Kommentare in bekannte Motive aus der Region, Jürgen Kampa zeigt sie im klassischen Schwarz-Weiß mit einem Kontrastreichtum, dessen Dramatik kaum zu überbieten ist. Sein „Highway to hell“ ist eine Landstraße bei Breddorf, die man so mit dem bloßen Auge sicher noch nicht wahrgenommen hat. Der flache Horizont und der hohe Himmel mit der unglaublichen Wolkenbildung erinnern dabei wiederum an manches düstere Moorgemälde aus den vergangenen beiden Jahrhunderten.

Vom Baum bis zur abstrakten Fläche

Die Worpsweder Fotografen gehen aber auch auf weitere Reisen für ihre Motive: Jost Wischnewski hat in Florenz die Dokumente und Souvenirs einer solchen Unternehmung zu Stillleben arrangiert und abgelichtet. Auch Helmut Stelljes hat es unter anderem nach Italien verschlagen: Er zeigt einen „Wolkenturm über Rom“, der inhaltlich natürlich erneut an die klassischen Himmelsabbildungen aus der Hammeniederung anknüpft. Genau dort war auch Hans-Jürgen Fuchs unterwegs und hat flache Panoramen in leuchtenden Farben aufgenommen, genauso wie Rüdiger Lubricht, der wiederum in Schwarz-Weiß arbeitet. Der Hüttenbuscher ist vor allem für seine zahlreichen Ausstellungen zum Thema Tschernobyl berühmt, das mit einem Bild aus dem konterminierten Ödland auch vertreten ist. Mit demselben Blick fürs Detail zeigt er in der Serie „Moorland“ heimische, nicht verseuchte Landschaften, die ganz andere Geschichten erzählen.

Denselben Titel wählte auch Jürgen Strasser für seine Bilderreihe, die im Ganzen aber „Moorland:Farbcode“ heißt, und die im Gegensatz zu den meisten seiner Kollegen auf vollständige Abstraktion setzt. Seine Bilder sind auf farbige, unterschiedlich breite Parallelstreifen heruntergebrochen. Die Motive erinnern in ihrer Struktur an Webarbeiten. Nicht ganz so weit geht Klaus Oberer, den es als Schweizer offensichtlich immer wieder aufs Meer hinauszieht. Er zeigt Wasser, Horizonte und Himmel vor La Palma oder England, die ebenfalls vor allem als Uni-Farbflächen wahrgenommen werden.

Jörg Rakowski ist mit typischen Impressionen des Landlebens vertreten. Der zwölfte Fotograf im Bunde ist Paul Mahrt. Seine Serie „Pavillons“ aus diesem Jahr ist der aktuellste Beitrag der Ausstellung, die Bürgermeister Stefan Schwenke eröffnete. Birgit Nachtwey führte in die Werke ein. Sie schlug den Bogen von den Gründervätern der Künstlerkolonie und den Fotografen der frühen Jahre wie Georg Tappert oder Hans Saebens zu den Zeitgenossen. Das Spektrum dessen, was Fotografie zeigen kann, ist so weit wie die hiesigen Himmel, und die Fotografen beherrschen Licht und Schatten nicht minder eindrucksvoll wie die berühmten Maler vor Ort.

„Land.schafft.Fotografie“ ist in der Galerie Altes Rathaus, Bergstraße 1 in Worpswede, noch bis zum 6. Juli zu sehen. Geöffnet ist dienstags bis freitags von 14 bis 18 Uhr sowie am Wochenende zwischen 11 und 17 Uhr. Der Eintritt ist frei, sämtliche Fotografien stehen zum Verkauf.

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