Worpswede

Insolvente Baufirma ist am Ende

Worpswede. Das insolvente Bremerhavener Bauunternehmen Friedrich Geidel, das die Worpsweder Bergstraße zur Flaniermeile umbaut, ist nicht mehr zu retten. Die anhaltende Frostperiode hat alle Sanierungspläne zunichte gemacht.
06.04.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Michael Wilke
Insolvente Baufirma ist am Ende

Bauarbeiter der Firma Geidel pflastern die neue Flaniermeile im Worpsweder Ortskern. Gestern gingen sie in der Bergstraße an die Arbeit, Montag kommen sie wieder. Das insolvente Unternehmen wird abgewickelt, doch soll die Beschäftigung bis Ende Juni gesichert werden.

Hasselberg

Worpswede. Das insolvente Bremerhavener Bauunternehmen Friedrich Geidel, das die Worpsweder Bergstraße zur Flaniermeile umbaut, ist nicht mehr zu retten. Die anhaltende Frostperiode hat alle Sanierungspläne zunichte gemacht. Das ist bitter für die gut 60 Bauarbeiter. Sie hat der Insolvenzverwalter Malte Köster längst in einer Betriebsversammlung informiert. Gestern hatte Köster einen Termin im Worpsweder Rathaus. Die gute Nachricht für das Künstlerdorf: In der Bergstraße gehen die Bauarbeiten weiter. Die Flaniermeile wird bis zum 30. Juni fertiggestellt.

"Diese Frostperiode war so hammerhart, da war nichts mehr zu machen", sagt Malte Köster, Fachanwalt für Insolvenzrecht und ein erfahrener Insolvenzverwalter. "Ich gehe nach dem heutigen Stand davon aus, dass eine dauerhafte Sanierung des Unternehmens nicht möglich sein wird." Wieder bleibt ein Traditionsbetrieb auf der Strecke, das Straßen- und Tiefbauunternehmen Friedrich Geidel, das bei öffentlichen Auftraggebern als kompetent und solide galt. Die Worpsweder Flaniermeile Bergstraße ist einer der letzen beiden Aufträge des Familienbetriebes aus der Seestadt.

Zunächst hatte der Insolvenzverwalter noch gute Chancen gesehen, das zahlungsunfähige Bauunternehmen wieder auf die Beine zu bringen. Anfang Februar gab es keine Anzeichen für den Kollaps. Nach einem heftigen Umsatzeinbruch war die Bremerhavener Baufirma im vergangenen Jahr aus den Fugen geraten. Als dann eine lange Schlechtwetterperiode folgte, musste die Friedrich Geidel Straßen- und Tiefbau GmbH beim Amtsgericht Bremerhaven Insolvenz anmelden – wegen Zahlungsunfähigkeit.

Dann startete das vorläufige Insolvenzverfahren. Köster sondierte und prüfte die wirtschaftliche Lage des Unternehmens sowie die Sanierungschancen und schrieb ein Gutachten. Am 15. März eröffnete das Amtsgericht Bremerhaven das förmliche Insolvenzverfahren. Theoretisch hätte das schwer angeschlagene Bauunternehmen immer noch durchstarten können. Praktisch war das unmöglich. Bei eisigen Temperaturen ruhte die Arbeit auf dem Bau. In einem Insolvenzverfahren müsse sich ein Unternehmen beweisen und durch die Aufrechterhaltung seines Geschäftsbetriebes seine Daseinsberechtigung dokumentieren, erklärt der Insolvenzverwalter.

Jetzt wird das Bauunternehmen abgewickelt, Fachleute sprechen auch von Ausproduktion. "Wir haben ganz in Ruhe geguckt, was wir tun können", sagt Malte Köster. "Welche Projekte gibt es noch, die ordentlich abgewickelt werden können, um die Beschäftigung so lange wie möglich zu sichern?" Zwei gibt es, und eines davon ist die Bergstraße. Ein Rumpfunternehmen mit knapp 30 Mitarbeitern soll die beiden Bauvorhaben bis Ende Juni fertigstellen. Danach gehen im Betrieb die Lichter aus. Das Gros der Belegschaft ist bereits entlassen, Köster hat mit Betriebsrat und Gewerkschaft einen Sozialplan ausgehandelt.

In Worpswede kursierten schon Hiobsbotschaften: Die Firma sei endgültig pleite, ab Montag werde auf der Baustelle kein Handschlag mehr getan. Was bleibe, sei ein Chaos in der Bergstraße mit unvollendeten Straßenabschnitten und aufgerissenem Volksbank-Parkplatz. "Quatsch!", sagt Bürgermeister Stefan Schwenke. "Wer erzählt denn so was? Es wird planmäßig weitergearbeitet. Die Firma Geidel wird den Auftrag der Gemeinde Worpswede abarbeiten und beenden." Statt Ende Mai werde die Flaniermeile in der Bergstraße nun zwar Ende Juni fertig, und das liege aber einzig und allein an den Witterungsbedingungen.

Auch der Insolvenzverwalter Malte Köster spricht von einem "geordneten Verfahren. Das wird in strukturierter Weise zu Ende gebracht, das endet nicht wie ein Hühnerhaufen."

Der Fachanwalt für Insolvenzrecht sichert der Gemeinde "die volle Leistungsfähigkeit" des Unternehmens zu: "Die Leistung stimmt, es wird termingerecht gearbeitet." Es gebe nur eine Einschränkung: "Ich brauche Vorkasse". Die Gemeinde muss die Abschläge im Voraus zahlen, sonst könnte die insolvente Firma nicht weitermachen. Das sei in Insolvenzverfahren üblich, betont Köster. Gezahlt werde das Geld auf Treuhandkonten. So sei sichergestellt, dass es bestimmungsgemäß für die Bauarbeiten ausgegeben werde und nicht im Insolvenzverfahren untergehe.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+