Städtepartnerkonferenz zu Nachhaltigkeit

Internationale Gäste staunen

Internationale Gäste der Städtepartnerkonferenz haben am Montag drei Stationen in Bremen-Nord besucht. Auf der Agenda standen das Geschichtenhaus, der Denkort Bunker Valentin und die Stiftung Friedehorst.
04.03.2019, 17:49
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Imke Molkewehrum
Internationale Gäste staunen

Nachhaltigkeit beinhaltet auch eine sinnvolle Arbeit. Andrea Wolf mimt im Geschichtenhaus eine Netzstrickerin.

Maximilian von Lachner

Sturmböen waren angekündigt und fegten prompt um die Ecken, als die internationale Delegation am Vegesacker Hafen den Bus verließ. So wurden die zehn Männer und Frauen aus Südafrika, Namibia, Russland, Israel, der Türkei und Lettland am Montagmorgen gewissermaßen ins Geschichtenhaus geweht. Noch vor der offiziellen Eröffnung der zweiten "Städtepartnerkonferenz zu Nachhaltigkeit“ mit 50 Tagungsteilnehmern aus zwölf Ländern und der Auftaktrede von Außenminister Heiko Maas im Bremer Rathaus.

Zentrales Thema der Tagung ist die Nachhaltigkeit, also die Idee, dass Menschen weltweit gut leben, sofern alle Nationen gemeinsam an einem Strang ziehen. Dem Plan haben sich im Jahr 2015 insgesamt 193 Staaten verschrieben. Gemeinsam wollen sie Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft so verändern, dass die Ressourcen für alle reichen. Festgeschrieben haben die Vereinten Nationen 17 Ziele in einer Prioritäten-Liste, darunter Frieden, Ernährungssicherheit und nachhaltige Landwirtschaft, Wasser und Verbesserung der Hygiene, Energie, Bildung, Armutsbekämpfung, Gesundheit, Klimawandel und Beschäftigung.

Auf dem Programm der zeitlich eng getakteten Exkursion nach Bremen-Nord standen am Montag daher exemplarische Abstecher ins Geschichtenhaus zum Bunker Valentin und nach Friedehorst. Das Vegesacker Geschichtenhaus ist ein plastisches Beispiel für Bildung und Beschäftigung. Langzeitarbeitslose bekommen hier die Möglichkeit, sich als Darsteller zu qualifizieren und Besuchern die Vegesacker Geschichte szenisch vor Augen zu führen.

Seit August ist auch die ehemalige Bäckereifachangestellte Andrea Wolf dabei. Die Vegesackerin hat drei Kinder, musste ihren Beruf jedoch wegen einer schweren Erkrankung ihres inzwischen verstorbenen Mannes aufgeben. Heute mimt sie die Netzstrickerin Stine Blendermann. Mit Netzstricknadel und Schlegel präsentiert sie als „Frau eines Walfängers“ ihre Fertigkeiten.

Das Team im Geschichtenhaus sei wie eine Familie, findet Andrea Wolf. „Meine achtjährige Tochter Marie spielt hier auch manchmal mit. Sie ist voll stolz, dass Mama im Geschichtenhaus arbeitet. Und zum Fasching geht sie dieses Jahr als Netzstrickerin“; erzählt die Akteurin nach dem Auftritt hinter den Kulissen.

An weiteren Stationen agieren Ute Huber als Schwiegertochter der Lange-Werftbesitzer und Nicole Harmsen-Harms als Frau des Hafenmeisters sowie Wilfried Meierdierks, als Piet, der vor den Augen der Gäste Seile dreht. Das Schauspiel sei eine Win-win-Situation, erzählt Silvia Claus, Betriebsleiterin beim Beschäftigungsträger „Bras – Arbeit für Bremen“. Es diene dazu, die Persönlichkeit und das Selbstbewusstsein der Akteure zu stärken.

Nkosenhle Innocent Madlalan, Gemeinderat in der südafrikanischen Großstadt Durban, ist begeistert. Mit dem Handy filmt er die Szenen im Geschichtenhaus, darunter auch die Präsentation von Birgit Reifenstein, die in der Rolle der Werft-Eignerin Anna Lange ihren Lebensweg wegen der knapp bemessenen Zeit der Gäste in Kurzform schildert. André van Waegeningh, Leiter des Geschichtenhauses, übersetzt ins Englische. Für die russische Teilnehmerin Pethukova Tatiana Mikhailnova, Vorsitzende des Bildungskomitees aus Kaliningrad, agiert eine Flüsterübersetzerin.

„Das Geschichtenhaus steht für lokale Entwicklung, Reintegration und Methoden gegen die Arbeitslosigkeit “, konstatiert der Südafrikaner nach der Veranstaltung. „Wir haben am, Alten Hafen in Durban das „Bat-Center“, es ist eine gute Idee, auch dort Theater zu spielen.“ Die Einrichtung unterstütze junge Kreative aus Durban und ermuntere sie, sich als Entrepreneure, also als innovative Unternehmer für nachhaltige Jobs zu qualifizieren.

Im Gästebuch von Vegesack hat sich inzwischen der Bürgermeister der namibischen Hauptstadt Windhoek verewigt. Er schreibt, dass ihm der Besuch im Geschichtenhaus die „Augen geöffnet hat für nachhaltige Gesellschaften auf globalem Niveau im 21. Jahrhundert“.

Nun stehen zwei weitere Stationen auf der Agenda. Ausgewählt wurden der Denkort Bunker Valentin und die Stiftung Friedehorst. „Die Ortsamtsleiter in Bremen-Nord waren auf der Suche nach geeigneten Zielen besonders engagiert“, erzählt Timm Kroeger. Er ist der Bevollmächtigte der Freien Hansestadt Bremen beim Bund, für Europa und Entwicklungszusammenarbeit und kümmert sich in Bremen um die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele.

Am Bunker Valentin pfeift der Wind besonders kräftig. Deshalb werden die Gäste zunächst im beheizten Besucherzentrum empfangen. Die Junior Guides haben ihre Texte auf Englisch einstudiert. Der Denkort berührt besonders die Teilnehmer aus Kaliningrad und Lettland. Der Besuch endete mit einem Blick in den Ruinenteil, bevor der Bus Richtung Stiftung Friedehorst startet. Im Fokus stehen hier die Integration für Menschen mit und ohne Behinderung. Die Delegierten erkundigten sich zudem nach den Finanzen, der technischen Ausstattung und der Arbeit mit den Patienten.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+