Austausch mit Gymnasium seit 15 Jahren Italienische Schüler zu Besuch in Lilienthal

Lilienthal. Das Gymnasium Lilienthal beranstaltet seit 15 Jahren einen Austausch mit süditalienischen Schulen. Nach dem Besuch der Lilienthaler Schüler im Mai sind nun die italienischen Schüler vom Liceo Statale Tricase in der Gemeinde gewesen.
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Von SABINE VON DER DECKEN

Lilienthal. Den Austausch zwischen dem Gymnasium Lilienthal und süditalienischen Schulen gibt es bereits seit 15 Jahren. Nach dem Besuch der Lilienthaler Schüler im Mai waren nun die italienischen Schüler vom Liceo Statale Tricase in der Gemeinde. Zwölf Tage waren sie in Lilienthal und erlebten den Alltag in der Schule und in den Gastfamilien. Sprachliche Hürden wurden sowohl auf deutsch, englisch oder ab und zu mit Händen und Füßen gemeistert.

Nein, Heimweh habe von den italienischen Mädchen und Jungen aus Tricase meimand gehabt, versicherte deren Lehrerin Francesca Lillo. Sie sind seit der vergangenen Woche zu Gast in Lilienthal. Für die meisten der 16- und 17-jährigen Schüler sei es das erste Mal gewesen, dass sie solange von ihren Familien getrennt waren. Sie fühlten sich offenbar sehr wohl in Lilienthal.

Seit mehr als 15 Jahren findet ein regelmäßiger Schüleraustausch zwischen dem Lateinkurs der elften Jahrgangsstufe des Gymnasium Lilienthal und süditalienischen Schulen statt, den Bruno Höhmann und Dorothea Schuler organisieren. Vergangene Woche erwiderten nun 16 Schüler des Liceo Statale Tricase den im Mai stattgefundenen Besuch der Lilienthaler Schüler.

Insgesamt zwölf Tage verbrachten sie gemeinsam mit ihren Deutschlehrerinnen Francesca Lillo und Santina Nicolari in den Gastfamilien und nahmen am ganz normalen Alltag der Lilienthaler Mädchen und Jungen teil. Ein abwechslungsreiches Programm mit vielen Ausflügen in die nähere und weitere Umgebung vermittelte den italienischen Schülern ein guten Einblick in den Schul- und Familienalltag.

Nun naht nach einer erfüllten Woche und einem in der Gastfamilie verbrachten Wochenende in der Gastfamilie das Ende des Aufenthalts. Sprachliche Hürden wurden in dieser Zeit gemeistert, meistens auf deutsch, manchmal auf englisch oder ab und zu mit Händen und Füßen. Auch das "Zusammenraufen" gehört zum Lerneffekt eines Schüleraustauschs, so der für den Austausch verantwortliche Lateinlehrer Bruno Höhmann.

Gute schulische Organisation

Nach landläufiger Meinung bildet Reisen und macht aufmerksam für Unterschiede, aber auch für Gemeinsamkeiten anderer Länder und Kulturen. Melania (17) und Mattia (16), die seit zwei Jahren den Deutschkursus besuchen, unterstrichen im Gespräch, dass es hier zwar anders, aber nicht fremd ist. "Anders ist, dass in der Schule alles so schön aufgeräumt ist und die Schüler die Uhrzeit respektieren", so Melania, der das Einhalten der Anfangszeiten der Schulstunden besonderen Eindruck machte. Auch Mattia, der wie die meisten seiner Klassenkameraden zum ersten Mal Deutschland besuchte, lobte die gute schulische Organisation und das Bildungssystem. Beide können sich ein Studium in Deutschland gut vorstellen. Auch ein Urlaub ist für die beiden nicht ausgeschlossen, denn sie genossen die Zeit in Lilienthal sehr.

Bei Studium und Ausbildung sehen Christian (16) und Fabio (17), Schüler des Gymnasium Lilienthal, ganz klare Vorteile in Deutschland. Während ihres Aufenthalts in Apulien wurden sie vom Wetter sehr verwöhnt und konnten jeden Tag baden gehen. Noch nicht mal die Zehenspitze tauchte Mattia in die Nordsee, die er bei dem Wochenendausflug mit seiner Gastfamilie kennenlernte, denn die Temperaturen erschienen den italienischen Schüler eher frostig. Sie reisten mit Wintergarderobe in Lilienthal an. "Die Straßen sind morgens und abends so dunkel, aber trotzdem sind viele Menschen zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs", äußerten sich erstaunt Melania und Mattia. Im Unterschied zu Deutschland werden in Italien die Kinder sehr viel mehr mit dem Auto gefahren, der Schulweg mit dem Rad ist eher untypisch, erzählten sie. Ganz besonders ungewohnt sind für Melania die Vorhang freien Fenster, erzählte sie lachend, das würde sie bei einem längeren Aufenthalt anders handhaben.

Italienische Eltern seien streng, aber lange nicht mehr so wie es noch vor einigen Jahren der Fall gewesen sei, erklärte Satina Nicolari. Auch in diesem Bereich sind die Unterschiede zwischen dem italienischen und deutschen Alltag der Jugendlichen nur noch gering.

Ein großes Thema in der deutsch-italienischen Begegnung ist das Essen. Wird in Deutschland ein ausgiebiges Frühstück eingenommen, kommen, so Meinung der italienischen Schüler, Mittag- und Abendessen eher zu kurz. Zurück in Italien werden sie erstmal "richtige" Spaghetti essen, verrieten die beiden jungen Italiener. Ganz besonders gut schmeckt hier die Schokolade, darum wird die dann auch als Mitbringsel mit im Gepäck sein. Trotz aller Unterschiede fühlten sich die Jungen und Mädchen aus Tricase in den Lilienthaler Familien sehr wohl und nahmen interessiert alle Angebote wahr.

Während ihres Italienaufenthalts erfuhren Christian und Fabio, dass Latein beim Verständnis der italienischen Sprache etwas behilflich sein konnte. "Der eigentliche Lateingewinn ist allerdings relativ gering, aber man übt während des Schüleraustauschs Fairness, Rücksichtnahme und die Lösung von Missstimmungen im zwischenmenschlichen Bereich", umschrieb Bruno Höhmann die anderen Aspekte eines Austauschs.

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