13 Bands locken Zuhörer bei Jazz- und Blues-Tagen in die Lokale / Sonntag Abschlusskonzert von Jugend jazzt

Jazz-Rhythmus in schummrigem Licht

Zum 15. Mal hatte sich die Stadt ein Wochenende lang dem Jazz und Blues verschrieben. Ein ausverkauftes Konzert von Till Brönner am Freitagabend, 13 gut gefüllte Kneipen am Sonnabend in der Innenstadt, ein Gymnasium im Ausnahmezustand und begeisterte ,Jugend jazzt‘-Zuhörer am Sonntag: Die Verdener Jazz- und Blues-Tage vom 27. bis 29. September waren ein Erfolg.
30.09.2013, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Jazz-Rhythmus in schummrigem Licht
Von Michael Kerzel

Zum 15. Mal hatte sich die Stadt ein Wochenende lang dem Jazz und Blues verschrieben. Ein ausverkauftes Konzert von Till Brönner am Freitagabend, 13 gut gefüllte Kneipen am Sonnabend in der Innenstadt, ein Gymnasium im Ausnahmezustand und begeisterte ,Jugend jazzt‘-Zuhörer am Sonntag: Die Verdener Jazz- und Blues-Tage vom 27. bis 29. September waren ein Erfolg.

Verden.

Eine Stadt im Musikfieber und mit ihr die Einwohner – auch wenn beispielsweise Margot Riesinger am Sonnabend zunächst nicht wusste, dass „in Verden heute etwas los ist“, als sie mit dem Ziel, „noch irgendwo ein Bier trinken zu gehen“ das Haus verließ. Nun sei sie „völlig begeistert“ von der Groove and Snoop Bluesband in der Bodega, die bei schummrigem roten Licht die Füße der Zuhörerzu heftigem Mitwippen animierte. Die Jazz und Blues Tage in Verden lockten viele Gäste in die Lokale der Allerstadt.

Wer sich am Sonnabend kurz entschlossen auf den Weg in die Innenstadt gemacht hatte, durfte den Abend zunächst mit der Parkplatzsuche beginnen. Wie auch in den 13 an der Verdener Jazz- und Blues-Nacht teilnehmenden Lokalen, waren die besten Plätze bereits früh belegt. „Bislang kann man mit dem Ablauf in diesem Jahr sehr zufrieden sein“, freute sich Volkmar Koy, Vorsitzender des Vereins der Verdener Jazz und Blues Tage, bereits am Sonnabend. „1500 Karten müssten in etwa verkauft worden sein“, schätzte er. Doch allein durch den Eintrittspreis – „zwölf Euro im Vorverkauf heißt weniger als einen Euro pro Band“, wie der zweite Vorsitzende, Günther Glander betont – wäre eine so große Veranstaltung nicht zu stemmen. Koy: „Da sind auch Sponsorengelder erforderlich.“

Jugend jazzt auf dem Lugenstein

Zunächst warteten die beiden Vorsitzenden in der zum Hotel Höltje gehörenden Bar „Glander‘s“, auf die ersten Töne von Mariella Tirotto, die dort zusammen mit der Blues-Federation an diesem Abend auftrat. „Und danach werden wir es wie die meisten anderen Besucher machen – wir gehen von Kneipe zu Kneipe und hören überall mal rein.“

Die Liste der teilnehmenden Kneipen war lang: Im Sotti‘s und in der Bodega, in der Nagelschmiede und der Kornbrennerei sowie im Max, im Mais 12, der Domschänke und bei Pade wurde gejazzt und sich dem Blues hingegeben. Auch in der Domlounge 25 sowie bei Helmich spielten Musiker. Klaus und Angelika Wenke entschieden sich spontan, den Abend mit Musik zu füllen. Zunächst wollten sie zu Andrew Martin ins Pade, danach „je nach Laune weiterziehen und dort bleiben, wo es uns gefällt“, so der Etelser.

Auch die Edwin Denninger Group begeisterte mit einem Mix aus Blues, Funk und Soul im Sotti‘s. Wie so oft besuchten Dieter Sander und Matthias Ludwig die Bar. „Schließlich sind wir Stammkunden“, meinte Sander. Die Inhaberin der Kneipe, Annette Sottorff, hatte alle Hände voll zu tun, um die zahlreichen Gäste mit Getränken zu versorgen. „Ab 22 Uhr, wenn die Küche geschlossen wird, darf geraucht werden“, erklärte Sottorff die von Qualm geschwängerte Luft.

Ein paar Hundert Meter entfernt, in der Aula des Domgymnasiums, standen die Leute ebenfalls dicht gedrängt. Später Gekommene mussten sich mit einem Platz vor den Türen zufrieden geben. Die Nighthawks, zu Gast aus den USA, spielten dort auf, wo sonst Schüler und Lehrer den Ton angeben. „Nicht umsonst ist diese Band als Highlight der Jazz- und Blues-Tage gepriesen worden. Ich jedenfalls bin der neueste Fan“, meinte der Verdener Konrad Schuster, der „im nächsten Jahr in jedem Fall wieder“ am Wochenende der Musik teilnehmen wolle.

Der Sonnabend stand zunächst im Zeichen von „Jugend jazzt“. Mehr als 80 Teilnehmer hatten sich für die Workshops im Domgymnasium angemeldet. „Jedes Jahr werden es mehr“, stellte Michael Spöring, Lehrer und Leiter der Bigband am Domgynmasium und einer der Organisatoren von ,Jugend jazzt‘, zufrieden fest. Er sehe Veranstaltungen wie diese als eine große Bereicherung für den Schulalltag. „Keine andere Musikrichtung vermag es in solchem Ausmaß, Musiker aus den unterschiedlichsten Bereichen nachhaltig zu beeinflussen. Jazz erweitert den Horizont“, erklärte er. Als „Wiederholungstäter“ bezeichneten sich die Zehntklässler Peer Bothmer, Fabian Walter und Jesko Winkelmann, die zum sechsten Mal teilnahmen. Zunächst stand ein „Instrumental Coaching“ auf dem Programm, bei dem sich jeweils das gleiche Instrument spielende Schüler zusammen gefunden und unter der Anleitung von Dozenten für die im Anschluss gebildeten sogenannten Combos übten. „In diesen Combos haben wir Musikstücke für das Abschlusskonzert am Sonntag eingeübt. Wie es beim Jazz so üblich ist, gibt es natürlich innerhalb der Stücke Spielraum für Improvisationen“, erklärte der 16-jährige Schlagzeuger Bothmer, der mit seinen beiden Mitschülern privat auch in einer Band spielt.

Am Sonntag traten die Big Band des Domgymnasiums und die Combos auf einer Bühne auf dem Lugenstein auf. Der strahlend blaue Himmel zog viele Zuschauer an, die in der Sonne sitzend den Klängen der Jung-Musiker lauschten, die klassische Stücke aber auch Popsongs spielten – natürlich jazzig interpretiert.

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