Hambergen denkt über Kataster nach

Jeder Baum trägt eine Nummer

Zu den Pflichten einer Kommune gehört es, sicherzustellen, dass von ihren Bäumen keine Gefahr ausgeht. Aufgrund eines aktuellen Schadenfalls müssen die Mitgliedsgemeinden von Hambergen nun darüber nachdenken, wie sie dies künftig gewährleisten wollen.
28.10.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Jeder Baum trägt eine Nummer
Von Brigitte Lange

Zu den Pflichten einer Kommune gehört es, sicherzustellen, dass von ihren Bäumen keine Gefahr ausgeht. Das ist nicht neu. Aufgrund eines aktuellen Schadenfalls müssen die Mitgliedsgemeinden von Hambergen nun darüber nachdenken, wie sie dies künftig gewährleisten wollen. Stichwort: Baumkataster.

Die Mitteilung von Lübberstedts Bürgermeister Dieter Langmaack schmeckt seinen Ratsherren gar nicht: Der Kommunale Schadenausgleich – die gemeinschaftliche Risikoabsicherung der Gemeinden – dränge darauf, dass die Kommunen ihre Bäume regelmäßig auf Standsicherheit überprüfen. Eine Birke, die zu Ostern in Axstedt auf ein Auto gefallen ist, sei das auslösende Moment gewesen. Langmaack spricht davon, dass nun ein Baumkataster gefordert werde und wirft mögliche Kosten in Höhe von insgesamt 7000 Euro für Lübberstedts 1000 Bäume in den Raum. Sonst werde der Kommunale Schadenausgleich nicht mehr zahlen. „Ich finde, wir müssen uns dagegen zur Wehr setzen; das ist zu viel Bürokratismus“, kritisiert unter anderen Ratsherr Uwe Tellmann.

Was ein Baumkataster für Kosten verursachen kann, das sehen die Lübberstedter aktuell bei ihren Nachbarn. „Im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht müssen wir eine Art Kataster haben“, sagt Frank Wiesner, Leiter des Fachbereichs Stadtplanung und Bauen bei der Kreisstadt, auf Nachfrage der Redaktion. Früher sei Pi mal Daumen kontrolliert worden. Seit Anfang 2013 würden sie planmäßig vorgehen; es werde ein Baumkataster erstellt. Dabei werde die komplette Beurteilung vor Ort in ein mobiles, digitales Gerät eingegeben und jeder Baum in etwa drei Metern Höhe mit einer Nummer versehen. „Eine Firma wurde mit dieser Bestandsaufnahme und Dokumentation beauftragt“, so Wiesner.

Anfangs seien sie davon ausgegangen, dass es um 15 000 bis 20 000 Bäume gehe. Im Verlauf von drei Jahren (2013 bis 2015) sollten sie erfasst werden. Dafür seien jährlich 30 000 Euro eingeplant worden. Inzwischen gehen Wiesner und seine Kollegen davon aus, dass weder Zeit noch Geld ausreichen. „Es werden wohl eher 25 000 Bäume sein.“ Deshalb müssten bis ins Jahr 2016 Bäume erfasst werden, müsse weiteres Geld eingeplant werden.

Und: „Mit der Ersterfassung ist es nicht getan“, so Wiesner. Als Teil der Dokumentation werde festgelegt, wann ein Baum das nächste Mal in Augenschein genommen werden muss. Je nach Zustand könne das nach einem oder aber auch nach mehreren Jahren sein. „Dazu stellen wir einen Baumkontrolleur ein“, berichtet der Fachbereichsleiter. Zu fast 100 Prozent werde dessen Arbeitszeit allein der Kontrolle der Bäume zugute kommen.

„Ein Baumkataster wäre mit riesigem Aufwand verbunden“, bestätigt Hambergens Erster Samtgemeinderat Friedhelm Lütjen der Redaktion. Sowohl personell als auch finanziell. Deshalb sehe er die Erstellung eines solchen – von Dieter Langmaack angeführten – Katasters für die Mitgliedsgemeinden noch nicht. Trotzdem: „Bäume auf öffentlichen Flächen müssen regelmäßig kontrolliert werden“, sagt Lütjen.

Korrekt sei, dass die Samtgemeinde die Mitgliedsgemeinden für das Thema sensibilisieren wolle. Die Gemeinden müssten sich dem Problem „konzentrierter widmen“, entscheiden, wie sie künftig vorgehen wollen. Der Kommunale Schadenausgleich habe gesagt, so wie es derzeit laufe, gehe es nicht weiter. Zumindest seien die Bäume – im belaubten und im unbelaubten Zustand – zu begutachten. „Und das muss dokumentiert werden“, sagt Lütjen.

Landkreis hat kein Baukataster

Ein Kataster – das er persönlich für die beste Lösung hält, wie er einräumt – werde aber nicht verlangt. Vielleicht würden die Baum-Kontrollen irgendwann in einem solchen Kataster münden. Oder aus der Rechtsprechung ergebe sich die Pflicht dazu für die Kommunen, so Lütjen. Noch reiche aber die regelmäßige, dokumentierte Beurteilung durch Baumspezialisten.

Die Mitgliedsgemeinden von Hambergen müssen daher darüber nachdenken, wie sie ihrer „Verkehrssicherheitspflicht“ nachkommen wollen. Sie müssten entscheiden, ob jede Kommune allein oder alle zusammen aktiv werden, ob jemand von ihnen schon einen Experten an der Hand hat oder eine Fachfirma beauftragt werden soll, bemerkt Friedhelm Lütjen: „Jeder ist gefordert, eine intelligente Lösung zu finden; wir stehen ganz am Anfang.“

„Fakt ist, dass wir etwas unternehmen müssen“, bestätigt Udo Mester, Bürgermeister der Gemeinde, deren Birken-Fall die Kommunale Schadenaufsicht alarmiert hat. „Wir müssen die Bäume durch Fachleute in Augenschein nehmen lassen.“ Das sei nichts anderes als ein TÜV. Die eigentliche Herausforderung sieht Mester darin, die Bäume regelmäßig zu kontrollieren. „Das muss man hinbekommen.“ Wie – das müsse nun besprochen werden. Er werde das erstmal auf sich zukommen lassen.

Der Landkreis Osterholz hat übrigens kein Baumkataster. Für die rund 30 000 Bäume, die entlang der Kreisstraßen stehen, gibt es keins, teilt Landkreissprecher Marco Prietz der Redaktion mit. „Verwaltungs- und Kostenaufwand stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen“. Jeden Baum entlang der Kreisstraßen zu dokumentieren, sei zudem keine gesetzliche Vorschrift, sondern eine Sache der Auslegung. Für die Kreisstraßen – die es auf eine Gesamtlänge von 196 Kilometer brächten – brauche der Landkreis jeden Euro für die Unterhaltung. Nach Abwägung aller Aspekte habe der Landkreis daher entschieden, es bleibe beim bisherigen System. Heißt: Die Mitarbeiter der Kreisstraßenmeisterei schauen bei ihren täglichen Touren nach den Bäumen.

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