Die PARTEI neu in Stuhr

Jurassic-Park statt Outlet-Park

Stuhr hat jetzt einen Ortsverband von Die PARTEI. Und der hat gewagte Ideen, um es mal vorsichtig auszudrücken.
24.01.2019, 18:23
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Jurassic-Park statt Outlet-Park
Von Sebastian Kelm
Jurassic-Park statt Outlet-Park

Wollen Stuhr "verzaubern" und richtig schön grau machen: Liam Esau, Ben Rademacher, Lukas Streithorst und Antje Radtke vom Vorstand des neuen Ortsverbandes von Die PARTEI.

Sebastian Kelm

Stuhr. Vor nicht allzu langer Zeit hätten es wohl die meisten für einen Witz gehalten, wenn einer droht, sich mit einer Mauer von einem geografischen Nachbarn und den Menschen dort abzuschotten. Seit derlei Vorstöße vom vermeintlich mächtigsten Mann der Welt kommen, lacht darüber kaum noch einer. Schelmisch schmunzelnd kündigt Lukas Streithorst aber die Idee einer Mauer zu Delmenhorst an. Das müsste dafür natürlich ganz im trumpschen Sinne selbst zahlen.

Der 18-jährige Freiwilligendienstler aus Varrel ist Generalsekretär des erst vor knapp zwei Wochen gegründeten Ortsverbandes der Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative, kurz: Die PARTEI. Und es ist nicht der einzige, sagen wir mal schräge Einfall von ihm und seinen Mitstreitern vom Vorstand. Die da wären: der 19-jährige Vorsitzende Ben Rademacher aus Moordeich, der ebenfalls einen Freiwilligendienst ableistet, der 18-jährige Schüler und Schatzmeister Liam Esau, der auch aus Moordeich kommt, sowie die 40-jährige Krankenschwester Antje Radtke aus Brinkum, ihres Zeichens zweite Vorsitzende. Dann gibt es noch Jan Laue. Sein überhaupt nicht sperriger Titel: stellvertretender Vizepräsident ohne besonderen Geschäftsbereich.

Doch nicht nur hart abgrenzen möchte die Gruppe die Heimatgemeinde von dem „bewohnten Autobahndreieck“ Delmenhorst, so Antje Radtke, Stuhr soll nach und nach vergrößert werden, indem durch ein „Sonderkommando Bremen annektieren“ die Ortseingangsschilder der Hansestadt Nacht für Nacht um 50 Meter Richtung Roland verlegt werden. Angedacht ist zudem eine Vertiefung der Ochtum – für einen internationalen U-Boot-Hafen. „Für die Pendler, die können dann am Osterdeich aussteigen“, erklärt Esau.

Apropos Ochtum: Der danach benannte Outlet-Park in Brinkum-Nord sollte enteignet werden, findet der PARTEI-Ortsvorstand, Ikea gleich mit dazu. „Das nervt einfach nur, diese Horden von Menschen“, sagt Rademacher. An gleicher Stelle sollte lieber ein Jurassic-Park inklusive Dino-Labor entstehen. „Das Klima wird ja immer wärmer, die würden sich hier pudelwohl fühlen“, meint Antje Radtke.

So bizarr, so durchgeknallt diese Vorschläge klingen mögen, es soll mehr mehr sein als bloßer Jux. „Hinter fast allem steckt eine ernste Aussage“, stellt Rademacher klar. Streithorst ergänzt, man wolle beweisen: „Politik kann Spaß machen.“ Und für Antje Radtke geht es bei Die PARTEI um „die Art und Weise, auf Missstände hinzuweisen“.

Was für ein ernstes Geschäft Politik ist, musste das junge Männer-Trio beim ersten Anlauf feststellen, einen Ortsverband zu gründen. Im September 2017 war das, zwei Tage vor der Bundestagswahl. „Ich ging in Brinkum in den Politik-LK und wollte wählen gehen, war aber unschlüssig. Da bin ich auf Die PARTEI gestoßen“, erinnert sich Rademacher. Mit seinen beiden Schulfreunden wollte er spontan etwas Offizielles ins Leben rufen, wusste aber nicht, dass dafür alle Parteimitglieder – 18 sollen es derzeit in der Gemeinde Stuhr sein – dabei sein müssen. Und so wurde jüngst beim PARTEI-Stammtisch im Bremer Tor – geleitet von Antje Radtke, die einst über ihren Sohn dazu gekommen war – ein diesmal erfolgreicher Gründungsversuch unternommen.

Damit haben die Stuhrer ihren Weyher Kollegen – von dort kommen immerhin mit Sarah Ellen Herfort die Landesvorsitzende und mit Torsten Kobelt ein Ratsherr – in Sachen Ortsverband der Satirepartei etwas voraus. Nicht Spaßpartei, wohlgemerkt. Das sei für sie die FDP. „Unsere Konkurrenz um die Fünf-Prozent-Hürde“, sagt Esau. Bei der AfD wiederum habe man die Hoffnung, Komiker Jan Böhmermann offenbare endlich, dass es sich dabei um seine Erfindung handelt. „Andererseits ist die AfD eine große Inspirationsquelle für uns“, sagt Rademacher. Analog zu deren Wahlspruch „Mut zur Wahrheit“ erwäge man das eigene Motto „Mut zur Klarheit“ – mit Schnapsflasche dazu. Vermutlich werde es aber eher: „Zusammen für ein graues Stuhr“. Passend zur eigenen Einheitskleidung eben.

Provokant wolle man die anderen Parteien „aus der Deckung holen“, heißt es. Auf den FDP-Ortsverband würde der Vorstand aber sogar aktiv zugehen. Auch anderweitig zeigt man sich gesprächsbereit. Etwa, wenn sich die Delmenhorster als doch nicht so schlimm erweisen sollten. „Es wäre denkbar, dass die Mauer rollbar gebaut und irgendwann nach Huchting verlegt wird“, sinniert Ben Rademacher über den nächsten Coup.


Wer sich für Die PARTEI interessiert, kann sich unter 0 15 20 / 5 60 87 40 oder per E-Mail an b.rademacher@parteimail.de beim Vorsitzenden in Stuhr melden oder die Facebook-Seite des Ortsverbandes besuchen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+