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Kaffee Worpswede macht dicht

Mit der bevorstehenden Schließung des Kaffee Worpswede verliert das Künstlerdorf seinen kulinarischen Leuchtturm. Auch an anderen Stellen ist der örtliche Gastronomie-Sektor in Bewegung.
24.09.2018, 16:33
Lesedauer: 4 Min
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Von Lars Fischer
Kaffee Worpswede macht dicht

Viele Jahre lang ein Anlaufpunkt für Feinschmecker: das Kaffee Worpswede (links) in direkter Nachbarschaft zur Großen Kunstschau.

von Lachner

Es kommt Bewegung in die Worpsweder Gastronomie, allerdings gibt es neben kulinarischem Zugewinn auch Verluste zu beklagen, die sicher schmerzliche Lücken hinterlassen. Mit dem Kaffee Worpswede schließt zum 15. Februar 2019 eine Institution, die weit über den Ort hinaus für ihre hochklassige Küche bekannt ist.

Die Traditionsgaststätte Zum Hemberg ist bereits dicht, das Café Central macht Ende des Jahres Schluss; die Zukunft aller drei Häuser steht noch in den Sternen. Dem gegenüber steht die geplante Neueröffnung des ehemaligen Loyo in der Bergstraße. Dort es soll ab Oktober ein neues Bistro mit ambitioniertem Konzept geben. Und auch das Restaurant im Hotel Worpsweder Tor, das nun als Paulas firmiert, hat sich neu aufgestellt.

Die erste Adresse in Worpswede für Feinschmecker war in den vergangenen zwölf Jahren ohne Frage das Kaffee Worpswede, im Volksmund auch als „Kaffee Verrückt“ bekannt. Küchenchef Jens Kommerau und seine Frau Suzana haben das Lokal zu einem vielfach ausgezeichneten Restaurant auf Sterneniveau entwickelt. Die Kombination aus eigenwilligem Hoetger-Bau und innovativer Stil des Chef de Cuisine ergänzten sich gut.

Zuletzt 2003 umfassend saniert

Warum es damit bald vorbei sein soll, mag Jens Kommerau noch nicht in Gänze beantworten. „Dafür ist es noch zu früh“, sagt er, verrät allerdings, dass er mit einem lachenden und einem weinenden Auge gehe. Er wird weiterhin in seinem Heimatort Worpswede wohnen bleiben, will aber zukünftig als Küchenchef in einem Bremer Restaurant, „das es noch gar nicht gibt“, tätig sein.

Dies allerdings ohne wie in Worpswede die komplette Verantwortung tragen zu müssen. Dass möglicherweise auch die baulichen Besonderheiten des Standorts ein Grund gewesen sein mögen, lässt sich aus der Stellungnahme des Verpächters, der Kulturstiftung Landkreis Osterholz, herauslesen. Eine umfassende Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes fand zuletzt 2003 statt.

Danach habe es immer wieder Reparaturbedarf gegeben. „Mit Beginn des Jahres 2018 veranlasste die Stiftung mit ihrem neuen Vorstand erste umfassendere Baumaßnahmen. Zudem wurden Planungen für grundlegende Bautätigkeiten im Jahr 2019 aufgenommen“, berichtet Geschäftsführer Arne Segelken.

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Man habe versucht, Kommerau zum Weitermachen zu überreden, sagt Segelken, letztendlich müsse man nun „aus der Not eine Tugend machen“ und das Gebäude und sein Nutzungskonzept zukunftssicher gestalten. So wird es im Frühjahr zunächst umfangreiche Sanierungsarbeiten geben, die bei laufendem Betrieb nicht möglich wären.

Gleichzeitig wolle man bei der Frage der Nachfolge nichts übers Knie brechen, so Segelken. Es wird also keinen fließenden Übergang geben, sondern die Gäste müssen sich auf eine temporäre Schließung einstellen. Ob dann ein Nachfolger das bisherige Niveau überhaupt anstreben wird und kann, ist völlig offen. Ebenso unklar ist, wie es mit dem Lokal Zum Hemberg weitergeht.

Die Gaststätte am Fuße der Bergstraße hatte erst vor zwei Jahren den Wirt gewechselt. Michael Fritz belebte das geschichtsträchtige Haus mit gutbürgerlicher Küche, hatte aber immer wieder mit Personalproblemen zu kämpfen – ein Thema, mit dem zahlreiche Gastronomen zu tun haben. Nachdem sich im Sommer die Situation erneut zugespitzt hatte, legte Fritz zermürbt und gesundheitlich angeschlagen, wie er selber berichtet, den Betrieb still.

Neues Leben in einem anderen Laden

Seit dem 1. August ist der Hemberg dicht. Der Verpächter, der Grasberger Unternehmer Thomas Zeisner, sucht unterdessen nach einem Nachfolger. „Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass wir ein solches Haus wieder zum Laufen bekommen müssen“, sagt er. Eine andere Nutzung denn als Gasthof könne er sich für seine Immobilien nicht vorstellen.

Neues Leben kommt hingegen in einen anderen Laden, wenige Schritte entfernt. Bis vor einigen Monaten residierte an der Bergstraße 5b das Restaurant Loja, das mit Burgern, Pizza und Baguette eher auf schnelle, einfache Küche setzte. Jetzt übernimmt Tatjana Rettig das Geschäft und gestaltet es zum Bistro Berg und Tal um. Rettig war zuvor in der Bobby Lane Bar und im Outer Roads in Bremen als Bartenderin tätig.

Auch in Worpswede setzt sie den Schwerpunkt auf Getränke und Cocktails, möchte aber begleitende Speisen dazu anbieten. Neben der Abendkarte soll es Frühstück und einen Mittagstisch in der Preisklasse bis zehn Euro geben. Die Küche soll regional und größtenteils biologisch ausgerichtet sein, außerdem sind Events wie Tastings oder Themenabende geplant. Die gebürtige Worpswederin Rettig plant ihre Eröffnung für den 13. Oktober, danach soll das Berg und Tal mittwochs bis sonntags zwischen 10 und 22 Uhr offen haben.

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Bereits geöffnet hat das umgestaltete Restaurant Paulas im Hotel Worpsweder Tor an der Findorffstraße. Die Hotelküche unter der Leitung von Mathias Braun hat sich zwar nicht neu erfunden, das Restaurant aber ist mit seiner Gestaltung neue Wege gegangen. Dunkle Brauntöne erinnern an das Moor, und auch die Küche sucht die Verbindung von Moderne und Regionalität, die sich mit internationalen Einflüssen vermischen sollen. Auch Braun war zuvor im Outer Roads beschäftigt und kochte in der Bremer Meierei. Frisch, kreativ und leicht soll seine Küche sein, er will jugendliche Lockerheit mit Qualität verbinden, das soll auch die neue Optik abbilden.

Vor allem für Lockerheit stand auch für viele Jahre das Café Central an der Bergstraße. Das Lokal, das eher eine Kneipe war, galt als der Treffpunkt der Künstler und Worpsweder vor allem in den 1980er- und 90er-Jahren. In den vergangenen sechs Jahren führte es Alica Feldmann als klassisches Café. Das sei nun nicht mehr mit ihrer frisch gegründeten Familie vereinbar, sagt die Geschäftsführerin, die den Betrieb weitgehend alleine bewerkstelligte.

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Bis zu den Herbstferien hat das Central noch an den Wochenenden offen, während der schulfreien Zeit macht es auch Pause. Ab Mitte Oktober gibt es bis zum 31. Dezember nur noch sonntags von 12 bis 18 Uhr Kaffee und Kuchen. Was dann aus dem Lokal wird, steht noch nicht fest. Feldmann wünscht sich einen Nachfolger, der es weiter unter dem bestens eingeführten Namen betreibt.

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