Wesermarsch-Gemeinden dagegen

Kritik an Salzeinleitung

Am Jahresende läuft die Genehmigung für K+S aus, Salz in die Werra und Weser einzuleiten. die Gemeinden müssen bis zum 3. August Stellung beziehen, wie es weitergehen soll.
03.07.2020, 07:09
Lesedauer: 3 Min
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Von Georg Jauken
Kritik an Salzeinleitung

Ein Archivbild zeigt die Abraumhalde von K+S am Standort Hattorf. Die Gemeinden in der Wesermarsch stehen einer weiteren Abwassereinleitung durch die Salzwerke kritisch gegenüber.

Uwe Zucchi

Berne/Wesermarsch. Seit mehr als 100 Jahren wird in Hessen Kali-Bergbau betrieben. Ebenso lange werden die anfallenden salzhaltigen Abwässer in die Werra eingeleitet, von wo sie über die Weser in die Nordsee gelangen. Ende dieses Jahres endet die Einleitungsgenehmigung. Da die Produktions- und Haldenwässer auch darüber hinaus anfallen, hat die Betreiberfirma K+S eine neue Einleitungserlaubnis gestellt. Die Gemeinden entlang der Werra und Weser haben jetzt die Gelegenheit, Bedenken gegen weitere Einleitungen geltend zu machen. Das Problem: Dafür oder dagegen zu sein, reicht nicht aus. Doch wie gut oder schlecht die Unterweser die zusätzliche Fracht an Chlorid-, Kalium- und Magnesiumsalzen verkraftet, wurde nicht untersucht.

Alle Betrachtungen der Salzgehalte und ihrer Auswirkungen enden am Weserwehr in Hemelingen, bemängelt Fachbereichleiter Michael Heibült von der Berner Gemeindeverwaltung. Als Grund werde angegeben, dass die Auswirkungen der K+S-Salze und des Salzwassers, das aus der Nordsee in die tidenabhängigen Bereiche der Weser gelangt, nicht voneinander abgegrenzt werden könne.

Konkrete Daten fehlen

Die geplante Berner Stellungnahme setzt genau dort an und kritisiert den „verkürzten Untersuchungsrahmen“. Zu einer vertieften Stellungnahme zu den Auswirkungen der Salzeinleitung (Wasserqualität, Schäden an Bauwerken) sieht sich die Gemeinde in Ermangelung konkreter Daten nicht in der Lage. Auf jeden Fall soll auf die Bedeutung des salzfreien Wassers für die Zuwässerung der Marschen hingewiesen werden.

Aus diesem Grund hegen auch Lemwerder und die übrigen Gemeinden der Wesermarsch Bedenken gegen die weitere Salzeinleitung. Gemeinsam mit dem Landkreis haben sie sich abgesprochen, wie sie zu dem Antrag von K+S Stellung beziehen wollen. Bis zum 3. August ist noch Zeit. Die Gemeinde Stadland hat ihr Schreiben an den für die Genehmigung zuständigen Regierungspräsidenten in Kassel inzwischen fertig und veröffentlicht. Darin wird die weitere Einleitung der salzhaltigen K+S-Abwässer strikt abgelehnt.

Die Grenzwerte für den Salzeintrag in die Weser würden aufgrund der Weseranpassungen schon jetzt nicht mehr eingehalten, argumentiert die Gemeinde Stadland in der Stellungnahme. Die wegen der topografischen Gegebenheiten in den Sommermonaten elementar wichtige Bewässerung der Gemeindeflächen könne nicht mehr oder nur eingeschränkt vorgenommen werden. Insbesondere die Landwirtschaft mit ihrer Weidehaltung ist dort wie in der gesamten nördlichen Wesermarsch auf Süßwasser aus der Weser angewiesen, um es über das Bewässerungssystem bis zu den Viehtränken zu verteilen.

Bei der Entscheidung über den K+S-Antrag müsse daher der Salzeintrag aus der Werra und aus der Nordsee insgesamt betrachtet werden. Eine Ausdehnung der Einleitung von salzhaltigen Wässern dürfe nicht zu Problemen in anderen Regionen führen.

Vor zehn Jahren, als K+S schon einmal eine neue Genehmigung brauchte, hatten der Kreis und die Gemeinden der Wesermarsch bereits vergleichbare Stellungnahmen eingereicht – ohne Erfolg. Diesmal verspricht K+S im Vorfeld, die Wassereinleitung aus seinen Standorten in Hessen und Thüringen zu verringern – von 6,7 auf 6,0 Millionen Kubikmeter jährlich ab 2022. Hinzu kommen jährlich bis zu 64 000 Kubikmeter Wässer aus Sicherungs- und Kompensationsmaßnahmen. Die Werra wird damit laut K+S ab 2022 schrittweise entlastet, was zu einer Verbesserung der Lebensbedingungen im Wasser führen werde, heißt es in einer Zusammenfassung der Pläne.

Dazu soll ein Teil der Salzabwässer zu Gruben und Salzkavernen geleitet werden, um sie dort zur Flutung einzusetzen. „Der Ferntransport ist allerdings wegen unzureichender Verlade-Infrastruktur, Beschränkungen der Annahmekapazität der Zieldestinationen sowie beschränkter Kapazitäten von Schiene und Straße mengenmäßig begrenzt. Er ist auch sehr teuer und mit ökologischen Nachteilen verbunden.“ Aus diesem Grund käme des Verfahren nur als Auffanglösung und in begrenztem Umfang in Betracht.

Aufbereitung zu teuer

Eine andere Möglichkeit zur Reduzierung der Salzeinleitung wäre die Aufbereitung der flüssigen Rückstände zu einem verkaufsfähigen Produkt. Der Aufwand sei jedoch unvertretbar hoch und mit erheblichen nachteiligen Auswirkungen auf die Umwelt verbunden, schreibt K+S. Die Idee, alle Prozessabwässer und Haldenwässer aufzubereiten, werde deshalb nicht weiter verfolgt. Eine andere Nullvariante sei der Verzicht auf die Einleitung der Salzabwässer. Dieser würde jedoch die Schließung der Werke nach sich ziehen – mit entsprechend negativen Auswirkungen auf die Regionen Bad Hersfeld und Fulda.

Gemeint sind die fast 5150 Mitarbeiter, die in sechs Bergwerken kalium-, magnesium-, natrium- und chloridhaltige Rohsalze gewinnen und daraus Düngemittel sowie Vorprodukte für industrielle und pharmazeutische Anwendungen herstellen. Die mit den Bestandshalden verbundenen Auswirkungen blieben auch bei einer Schließung bestehen, heißt es weiter.

Aus Sicht von K+S ist die Schließung der Werke ohnehin nicht nötig. Das Unternehmen sieht sich bei seinen Bemühungen um eine Verringerung der Salzfracht bereits auf einem guten Weg. „Die Abwassermengen sind heute viel geringer als in der Vergangenheit“, heißt es. „Auch für die kommenden Jahre sind erhebliche Investitionen vorgesehen, um weitere Reduzierungen zu erreichen.“

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