Olaf Rosenhagen betreibt Bootsverleih an der Hamme Kapitän mit Kanuflotte

Olaf Rosenhagen hat eine Leidenschaft: Der Kapitän besitzt einen Campingplatz samt Kanuverleih vor Worpswede. Wenn er von den Weltmeeren zurückkehrt, sammelt er dort Kraft für den Kampf mit der tosenden See.
13.09.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Christian Valek

Olaf Rosenhagen hat eine Leidenschaft: Der Kapitän besitzt einen Campingplatz samt Kanuverleih vor Worpswede. Wenn er von den Weltmeeren zurückkehrt, sammelt er dort Kraft für den Kampf mit der tosenden See.

Das Treiben auf dem Campingplatz in Waakhausen vor Worpswede entspannt Olaf Rosenhagen. Dort schaut der Kapitän nur zu, wenn Boote an- und ablegen. An manchen Tagen sei selbst an der Hamme viel los, sagt er. Dann würden sich die Ausflügler im fliegenden Wechsel die Paddel einander weiterreichen. Anderntags sei wieder Ruhe. Dann habe man Muße Booten und Besatzungen hinterher zu schauen, wenn sie über den Kanal in die Hamme gleiten.

Rosenhagen ist seit kurzem wieder auf seinem Eiland an der Hamme. Er war in China. Der Schiffssachverständiger hat eine 40 Meter lange Luxus-Jacht in der ostchinesischen Hafenstadt Fuzhou getestet. Rosenhagen prüfte Verarbeitung, Technik und Teakdeck. Auch die Manövrierfähigkeit bei hohem Tempo habe er getestet. „Der Eigner will doch wissen, was so geht.“ Ferne Länder faszinieren ihn auch nach 40 Jahren im Beruf. In China waren es die gesellschaftlichen Gegensätze, die ihn bewegt haben. Als Seemann sei man viel allein mit sich und der See, sagt er. So suchten sich seine Gedanken dieses Mal ein Ventil: Rosenhagen hat seinen Freunden geschrieben. „Das habe ich seit 40 Jahren nicht mehr getan“, ist er überrascht.

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In Waakhausen kommt Rosenhagen zur Ruhe. Bei gutem Wetter sitzt er mit einem Kaffeepott vor seiner grüngetünchten Holzhütte. Dann lehnt er sich im Klappstuhl zurück, um sich in der Spätsommer-Sonne eine Zigarette zu drehen. Später zieht er genüsslich daran. „Das ist Freiheit“, schwärmt er. Mancher würde ihn beneiden, hat er gehört. Weil er weltweit unterwegs sei. „Ich bin aber vom Reisen müde“, gesteht Rosenhagen. „Schon das Reisen an sich ist für mich Arbeit“, gibt er zu bedenken. „Aber hier auf dem Platz, da liegt meine Freiheit.“

Vor einigen Tagen habe er in China noch nachdenklich am Ufer gesessen. Vor ihm spiegelte sich die Sonne in der blank polierten Außenhaut der Jacht, hinter ihm kauerte eine Fischerfamilie in einer Baracke. Die offensichtlichen Gegensätze in China haben ihn bewegt, stellt er fest. In einer langen Telefonnachricht an seine Freunde hat er seine Eindrücke beschrieben. „Mich aber hat diese liebenswerte Kultur verändert und ein Teil von mir bleibt hier zurück“, hatte er vor der Heimreise geschrieben. Rosenhagen ist rumgekommen. Seine Routen führten ihn auf Getreide- und Erzfrachtern nach Südamerika und Afrika und von Kanada nach Australien. Auch auf dem Amazonas und dem Orinoko war er unterwegs. „Das ganze Programm“, erinnert er sich. „Ich war nicht überall, aber es gibt wenig Orte, wo ich nicht war.“ Ende der 1990er-Jahre beendet er die aktive Fahrenszeit. Trotzdem ist der 58-Jährige weiter in der Welt unterwegs – als Schiffssachverständiger. Kunden ordern sein Fachwissen dann, wenn sie sich eine Segel- oder Motorjacht kaufen wollen. Nach Art eines TÜV-Prüfers inspiziert Rosenhagen für sie das Schiff vor dem Kauf. Er arbeitet für Wohlhabende ebenso wie für Versicherungsgesellschaften und Freizeitkapitäne.

Der Campingplatz ist Rosenhagens Ruhepol. Seit 2007 besitzt er das Gelände mit den hohen Eichen. Viele Gäste spüren das Besondere. Und viele kommen immer wieder in die Zelt-Oase am Moorrand. Unter ihnen eine Gruppe Auszubildende und Studenten aus Bremen. Sie verbringen ein verlängertes Wochenende in Zelten unweit des Feuerplatzes. Einige waren schon mit der Familie vor Jahren dort. So wie Muriel Krieger. „Ich kenne den Campingplatz aus meiner Kindheit“, sagt die 20-Jährige. Sie schätzt das lockere Ambiente.

Rosenhagen freut es. „Ich könnte auch ein Schickimicki-Ding draus machen“, räumt er ein. „Will ich aber nicht.“ Sein Konzept sei einfach und gut. „Ich biete hier Camping ohne Platznummer“, sagt er. Das gefalle nicht jedem, räumt er ein. „Aber die, denen es gefällt, werden immer mehr.“

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