Kinderfeuerwehr Martfeld-Schwarme Die Motivation stimmt

20 Kinder kamen zum Schnupperdienst, zwölf meldeten sich an - die Kinderfeuerwehr Martfeld-Schwarme besteht jetzt seit einem Jahr. Das Coronavirus machte einen normalen Ablauf unmöglich.
18.01.2021, 16:40
Lesedauer: 3 Min
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Die Motivation stimmt
Von Micha Bustian

Martfeld/Schwarme. Grisu weiß genau, was er will. „Ich werde Feuerwehrmann“, wiederholt der kleine Drache aus der italienischen Zeichentrickserie immer und immer wieder. Feuerwehrmann – ein Kleine-Jungen-Traum. „Immer noch“, hat Kiara Böhsl registriert. Sie muss es wissen, denn sie ist Kinderfeuerwehrwartin in Martfeld. Dort wurde vor einem Jahr die erste und bisher einzige Kinderfeuerwehr der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen gegründet – einen Monat vor Ausbruch der Corona-Pandemie.

20 Kinder waren zum ersten Schnupperdienst der Lösch-Füchse am 26. Januar erschienen. Ein Dutzend davon kam am 16. Februar zum ersten richtigen Dienst, „alle haben sich dann auch angemeldet“, freut sich Kiara Böhsl. Dann überrollte das Coronavirus den Erdball und verhinderte weitere Treffen. So auch Dienst Nummer zwei der Martfelder Kinderfeuerwehr am 15. März. Seitdem ruht der normale Übungsbetrieb bei den Nachwuchs-Brandbekämpfern.

Die Überraschung dabei: Es ist nicht nur niemand ausgetreten, es sind über dieses eine Jahr sogar noch Lösch-Füchse hinzugekommen. Inzwischen sind es 14 Kinder, die auf der Liste von Kiara Böhsl und ihrem Team stehen. Dazu kommen drei Interessierte, deren Eltern die Kinderfeuerwehrwartin einen Brief geschickt hat. Der Inhalt: T-Shirts und Mund-Nase-Masken mit dem Füchse-Logo, dazu das Anmeldeformular.

Generell hat Kiara Böhsl versucht, zu ihren Schützlingen den Kontakt zu halten. Via Whatsapp; so hält sie Kontakt zu den Eltern. Aber auch mit Briefen, wie eben beschrieben. So im Mai. Da bekamen die Sechs- bis Neunjährigen Post von Böhsl. Im Briefumschlag warteten ein Sticker mit dem Logo der Lösch-Füchse, Schokolade und die Nachricht: „Es gibt uns noch.“ Diese Briefe brachte Böhsl selbst bei ihren Schützlingen vorbei und bekam einige von ihnen dadurch auch persönlich zu Gesicht. Immer wieder suchte die gelernte Erzieherin Kontakt, versorgte die Knirpse mit Bastel- und Spielideen. Auch eine Hydrantenrallye organisierte sie.

Spiele, Bastelarbeiten, Ausflüge – das ist das täglich Brot bei den Kinderfeuerwehren. Beim jüngsten Nachwuchs stehen noch keine Löschübungen auf dem Programm, keine C-Schläuche, keine Atemschutzmasken. Die Kurzen werden auf spielerischem Wege an die Brandbekämpfer herangeführt. Das zieht. Noch immer. „Die Begeisterung der Kinder für die Feuerwehr ist nicht das Problem“, hat Martfelds Ortsbrandmeister Heiner Rahlmann beobachtet. „Das Betreuer-Team ist das A und O.“

Die fehlen andernorts. Aber nicht in Martfeld. Hier gewährt das Team fast eine Eins-zu-Eins-Betreuung. Kiara Böhsl kann zurückgreifen auf Denise Schwarz, Birte Lemke, Torben Schröder, Florian Meyer, Marcel Mühlleiter sowie Charlotte und Frank Schröder. Wenn nötig, springen auch Kameraden von der Jugend-Feuerwehr ein. Jannis und Luca Hördt beispielsweise. „Sie profitieren ja auch von unserer Arbeit“, so Böhsl. Denn wenn die Jüngsten in der blauen Uniform zehn Jahre alt werden, wechseln sie in die Jugendfeuerwehr.

Doch bis dahin werden die Lösch-Füchse noch die eine oder andere Zusammenkunft erleben, wenn das Coronavirus denn vertrieben ist. Treffpunkt ist dann das Feuerwehrhaus in Martfeld, Hauptstraße 3. Dort beginnt dann wieder alles bei Null: Kennlernspiele für die Kinder, Rallye durch das Feuerwehrhaus. Dann wird's auch wieder einen Dienstplan geben, der über die Internetseite https://ff-bruchhausen-vilsen.de/martfeld/kinderfeuerwehr-martfeld-schwarme herunterzuladen ist.

Bis dahin, das vermutet Kiara Böhsl, wird es „echt ruhig“ bleiben. Kein Kindergeschrei, kein Lachen. Im Sommer, als die Beschränkungen gelockert wurden, hat sie versucht, ein Betreuertreffen auf die Beine zu stellen, „aber das hätte ja eh nichts gebracht“. Ein bisschen verzweifelt war die Kinderfeuerwehrwartin in dieser Phase schon, stellte sich die Frage: „Bleiben auch alle dabei?“ Die Rückmeldungen der Eltern machten ihr Mut. Und schließlich blieben auch alle dabei. Ein ganz klares Zeichen dafür, dass die Motivation vorhanden ist.

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