Junya Oikawa aus Japan zeigt seine Installation „Transcription of the voice“ im Rahmen der Offenen Ateliers an diesem Wochenende

Klangkunst zwischen Geräusch und abstrakter Musik

Worpswede. "Was verstehen Sie denn unter Musik?" entgegnet Junya Oikawa auf die Frage, ob seine Klanginstallationen dieser Kunstform zuzuordnen seien. Es sind Geräusche, natürliche und künstliche, die der Japaner aufnimmt, verfremdet, in Abläufe gliedert und so modifiziert wiederum in Klangräume stellt. Sein Werk "Transcription of the voice" ist im Zuge der Offenen Ateliers an diesem Wochenende in den Martin-Kausche-Ateliers zu erleben. Dort hat der Japaner für zwei Monate als Stipendiat des Landes Niedersachsens gelebt und gearbeitet.
12.07.2013, 05:00
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Von Lars Fischer
Klangkunst zwischen Geräusch und abstrakter Musik

Junya Oikawa nimmt Klänge in der Natur auf und bearbeitet sie dann später am Computer weiter. Das Ergebnis sind Klanginstallationen, die Außen- und Innenwelt verbinden und imaginäre Bilder entstehen lassen.

Lars Fischer

Worpswede. "Was verstehen Sie denn unter Musik?" entgegnet Junya Oikawa auf die Frage, ob seine Klanginstallationen dieser Kunstform zuzuordnen seien. Es sind Geräusche, natürliche und künstliche, die der Japaner aufnimmt, verfremdet, in Abläufe gliedert und so modifiziert wiederum in Klangräume stellt. Sein Werk "Transcription of the voice" ist im Zuge der Offenen Ateliers an diesem Wochenende in den Martin-Kausche-Ateliers zu erleben. Dort hat der Japaner für zwei Monate als Stipendiat des Landes Niedersachsens gelebt und gearbeitet.

Oikawa versucht Innen- und Außenwelt zusammenzuführen, sowohl was seine Person als auch was Räume angeht. Die Arbeit, die er zeigt, nimmt seine eigene Stimme ebenso zum Ausgangspunkt wie Geräusche aus der Natur, die über Mikrofone im Außenbereich des Ateliers aufgenommen werden. Alle Klänge laufen zunächst in seinen Laptop, wo sie bearbeitet und dann wieder an viele kleine, im Raum angeordnete Lautsprecher ausgegeben werden. Die nötige Software dazu hat der Künstler selbst entwickelt.

Er präsentiert seine Klangkunst in zwei Formen: entweder, wie jetzt in Worpswede als Installation, oder auch in Konzerten. Immer sind sie aber nur denkbar in einem Raum, mit dem sie interagieren. Einige Stücke gibt es auf CD oder als Hörbeispiele im Internet, aber sie zeigen dann nur einen Teil eines Kunstwerks. Auch ein Film kann nie die Wirkung in Gänze nachvollziehbar machen. Man muss durch die Klanglandschaften gehen, die verschiedenen Orte, die unterschiedlich klingen, erleben.

Verblüffend ist das Spiel mit natürlichen und künstlichen Klängen. Oikawa hat auch Lautsprecher im Baum vor seinem Arbeitszimmer platziert. Nach einer Weile verschwimmen die Klänge daraus mit der Geräuschkulisse der Hammewiese vor seiner derzeitigen Haustür. Diesen Bezug zur Natur hat der 30-Jährige in Worpswede gesucht und gefunden.

Seit 2011 ist er in Europa tätig, die meiste Zeit verbrachte er am Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) in Karlsruhe. Mehrfach wurden seine Arbeiten in Japan und Frankreich prämiert. Junya Oikawa stammt aus Sendai, der Hauptstadt der Präfektur Miyag, nördlich von Fukushima. Nach einer klassischen Klavierausbildung studierte er Komposition und Kunst in Tokio.

Obwohl er die Technik dazu beherrscht, fertigt er von seinen Kompositionen keine Partituren an, aber ihm ist wichtig, dass es sich um strukturierte Stücke handelt, keine Improvisationen. Die Frage, ob es sich dabei um Musik handelt, muss jeder Hörende für sich alleine klären. Oikawa selbst sieht vor allem Berührungspunkte zur Tradition der Musique Concrète, den deutschen Avantgarde-Komponisten Karlheinz Stockhausen nennt er als Beispiel. Aber eigentlich höre er gar keine Musik, lässt er übersetzen. Mit Namen wie Einstürzende Neubauten oder Elektronik-Vorreitern wie Klaus Schulze oder Tangerine Dream, allesamt auch in Japan sehr populär, kann er nichts anfangen.

Aber Rainer Maria Rilke ist ihm bekannt. Dessen Gedicht "Mittag" beschreibe eine Stimmung, die die Installation "Transcription of the voice" wiedergeben solle, sagt er. Er möchte mit seinen Klängen Bilder im Kopf entstehen lassen. Seine grundsätzliche Idee ist, dass alle Dinge einen Klang haben. Dieser Klang hat sich in den zwei Monaten in Worpswede auch in technischer Hinsicht verändert. Junya Oikawa suchte nach neuen Möglichkeiten seine Lautsprecher zu positionieren. Der ortsansässige Glasbläser Jürgen Kirbach hat dafür jetzt gläserne Halterungen geschaffen.

"Transcription of the voice" von Junya Oikawa ist von heute bis Sonntag, 14. Juli, im Rahmen der Offenen Ateliers jeweils zwischen 11 und 18 Uhr in den Martin-Kausche-Ateliers, Vor den Pferdeweiden 16 - 18, in Worpswede zu sehen. Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen zum Künstler und Hörbeispiele gibt es im Internet unter der Adresse www.junya-oikawa.com.

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