Orgel in St. Andreaskirche wird gereinigt und teilrestauriert Klimawandel schädigt Kirchenorgel

Verden. Schimmelpilze, Staub und Feuchtigkeit haben der Kirchenorgel in der St. Andreaskirche in den vergangenen 25 Jahren zugesetzt. Jetzt wird sie gründlich gereinigt und restauriert.
08.09.2014, 18:00
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Klimawandel schädigt Kirchenorgel
Von Andreas D. Becker

Schimmelpilze, Staub und Feuchtigkeit haben der Kirchenorgel in der St. Andreaskirche in den vergangenen 25 Jahren zugesetzt. Jetzt wird sie gründlich gereinigt und restauriert.

Es klingt paradox, aber die Folgen des Klimawandels waren noch vor wenigen Wochen in der Orgel der St. Andreaskirche in Verden zu besichtigen. „Das Instrument war mit Schimmelpilzen befallen“, sagt Orgelbauer Martin Hillebrand aus Isernhagen. Seit rund sechs Wochen ist er mit seinem Team in der Kirche im Einsatz, um die Orgel penibel zu reinigen sowie die Pfeifen am Ende zu justieren und zu stimmen.

Der Schimmelpilzbefall in dem Instrument ist kein Einzelfall – ganz im Gegenteil. Laut Hillebrand sind rund 70 Prozent der Orgeln in sogenannten Dorfkirchen befallen. „Das betrifft vor allem Kirchen, in denen nur noch alle zwei Wochen oder noch seltener Gottesdienste stattfinden. Diese Kirchen werden entsprechend selten geheizt, und entsprechend kommt es im Winter schnell zu einem Niederschlag von Feuchtigkeit“, sagt der Experte. Begünstigt werde der Schimmelpilzbefall auch durch das feuchtwarme Klima im Sommer. „Das haben Forschungsinstitute nachgewiesen, und die relative Luftfeuchtigkeit wird in Zukunft noch zunehmen“, so Hillebrand.

Organist Hansjürgen Wiehe bestätigt, dass es im Winter immer wieder zu einer Verstimmung des Instruments gekommen sei. Dies liege auch an der Anordnung des Orgelgebläses auf dem Dachboden. Dadurch werde im Winter eiskalte Luft und im Sommer sehr heiße Luft in die Orgel geblasen. „Das hat man sofort gemerkt“, sagt Wiehe. Im Zuge der aktuellen Arbeiten sei das Orgelgebläse ins Instrument integriert worden. „Dadurch wird nur noch Luft mit Raumtemperatur angesaugt“, so Orgelbauer Hillebrand.

Bei den Routinearbeiten etwa alle 25 Jahre gehe es vor allem um den Schutz der Orgel, die von dem damaligen Firmenchef im Jahr 1974 für die St. Andreaskirche „maßgeschneidert“ wurde. „Der Klang und die Lautstärke müssen zur Größe der Kirche und zu den akustischen Gegebenheiten passen“, erklärt Martin Hillebrand. Kein Wunder, dass eine neue Kirchenorgel mit rund 250 000 Euro zu Buche schlägt. Die aktuelle Reinigung des Instruments kostet immerhin 33 000 Euro, die nur zu einem geringen Teil für Material anfallen.

„Immense Lohnkosten“

„Das ist ein wahnsinniger Arbeitsaufwand mit immensen Lohnkosten“, begründet Hillebrand die Höhe der Rechnung. Selbst kleine Schilder würden als Einzelstück gefertigt und per Hand bemalt. „Das dauert einfach sehr lange“, so der Orgelbauer. Finanziert wird die Sanierung laut Pastor Michael Spehr zu 30 Prozent von der Landeskirche, 5000 Euro steuert die Stiftung der Kreissparkasse Verden bei. 9000 Euro stammen aus Spenden, und die restlichen rund 10 000 Euro werden aus den Rücklagen der Gemeinde bezahlt.

Für die Reinigung wurden alle 785 Pfeifen ausgebaut, davon sind 104 aus Holz, die teilweise mit Schimmelpilz befallen waren. Alle Pfeifen wurde gründlich gereinigt und per Kompressor getrocknet, die befallenen Holzpfeifen wurden mit einem Fungizid behandelt. Wie Hillebrand betont, habe eine gesundheitliche Gefährdung für die Kirchenbesucher nicht bestanden. „Die Konzentration der Pilzsporen ist im Instrument wesentlich größer als im Innenraum der Kirche, dort ist sie nicht höher als sonst in der Luft“, sagt er. Vorgestellt wird die „neue“ Orgel am kommenden Sonntag, 14. September, ab 10 Uhr im Gottesdienst.

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