Deutsche und französische Schüler stehen am BBS-Herd Kochen für den Blick über den Tellerrand

An den Berufsbildenden Schulen (BBS) in Osterholz-Scharmbeck kochen Jugendliche für die Völkerverständigung. Franzosen und Deutsche pflegen den Austausch über Töpfe hinweg. Dabei wird nicht nur über Kochkünste philosophiert.
31.03.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Kochen für den Blick über den Tellerrand
Von Jan Raudszus

An den Berufsbildenden Schulen (BBS) in Osterholz-Scharmbeck kochen Jugendliche für die Völkerverständigung. Franzosen und Deutsche pflegen den Austausch über Töpfe hinweg. Dabei wird nicht nur über Kochkünste philosophiert.

Der Essens-Duft dringt in den kleinen Flur vor der Schulküche der Berufsbildenden Schulen (BBS) Osterholz-Scharmbeck. Drinnen wuseln Jugendliche. Sie schälen Gurken, schnibbeln Würste und schneiden Teig. Drei Jugendliche diskutieren über das richtige Würzen eines Gerichtes. Dabei gehen französische und deutsche Worte in einer bunten quirligen Mischung auf. „Was heißt noch mal Glas auf Französisch“, ruft ein Schüler in den Raum.

Die BBS haben Besuch: 16 Schülerinnen und Schüler aus der französischen Stadt Bouxwiller im Elsass sind zu Gast im Landkreis Osterholz. Begleitet werden sie von der französischen Lehrerin Marie-Jeanne Nussbaum. Drei Wochen bleiben sie und absolvieren dabei Praktika in Kindergärten, Pflegeheimen und Krankenhäusern. Seit einer Woche sind sie bereits hier. „Wir wollten eine Möglichkeit schaffen, dass die Schüler Kontakt zueinander bekommen“, sagt die Französischlehrerin Ute Nörenberg, die den Besuch mitorganisiert hat.

Und das klappt am Herd prächtig: Die französischen Schüler kochen zusammen mit Schülern aus dem elften Jahrgang der BBS deutsche und französische Menüs. Anschließend wird zusammen gegessen. Das funktioniert offenbar sehr gut. In der Küche entstehen langsam erste fertige Gerichte, darunter Quiche Lorraine, kleine französische Vorspeisen und Kartoffelsuppe. Charlène Vollmer ist eine der Schülerinnen, die gerade noch über die richtige Würzung diskutiert haben. Sie findet es super in Osterholz: „Die Deutschen sind sehr nett zu uns. Sie sprechen extra langsam und fragen immer nach, ob wir alles verstehen.“ Die 18-Jährige macht ein Praktikum im Kreiskrankenhaus Osterholz-Scharmbeck. Sie hoffe, dass sie während des Aufenthalts ihr Deutsch verbessern kann, sagt sie.

Nur an den Kochkünsten der deutschen Schüler hat sie etwas auszusetzen. Das könne ihre Klasse besser, ist sie überzeugt. Allerdings hätten sie im vergangen Jahr auch einmal in der Woche in der Schule gekocht, ergänzt sie. „Ach, daran liegt das“, sagt ein deutscher Schüler und lacht. „Das haben wir natürlich nicht gemacht.“ In einem anderen Raum sind mehrere Schüler dabei, den Tisch für das gemeinsame Essen zu decken. Geschirr klappert, Messer und Gabel werden neben die Teller gelegt. Zwei französische Schülerinnen haben angefangen, den Nachtisch vorzubereiten. Ein deutscher Schüler übersetzt ihnen das Rezept.

An den BBS gibt es einen regen Austausch mit Frankreich. Die deutschen Schüler, die bei der Vorbereitung des Essens helfen, besuchen das Profil „Europe and Business“. In dem Profil wird Volkswirtschaft auf Englisch unterrichtet. Französisch zu lernen ist Pflicht. Zum Programm gehört außerdem ein Auslandspraktikum in Frankreich, das vom Deutsch-Französischen Jugendwerk finanziell unterstützt wird. Ein Grund für viele Schüler sich für das Profil zu entscheiden, glaubt Lehrerin Nörenberg. Die französischen Gäste konzentrieren sich derweil auf die Kochkunst. Marie-Jeanne Nussbaum und zwei ihrer Schülerinnen nehmen eine Quiche aus dem Backofen und betrachten diese kritisch. Vielleicht doch etwas zu knusprig geworden?

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+