Kommentar über Einkaufshilfen

Nur zu!

In vielen Orten bieten Freiwillige ihren Mitmenschen Unterstützung beim Einkaufen an. Doch das Angebot wird gar nicht ausgeschöpft. Das ist bedauerlich, kommentiert Patricia Friedek.
19.04.2020, 07:43
Lesedauer: 2 Min
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Von Patricia Friedek

Die Supermärkte sind dieser Tage voll. Das ist hochgefährlich – vor allem für die, die zur Risikogruppe des neuartigen Coronavirus zählen. Auch, wenn die Geschäfte ihre Hygienemaßnahmen vorbildlich hochgefahren haben und versuchen, den Kontaktbeschränkungen durch Markierungen auf dem Boden und Schutzwände gerecht zu werden: Den vorgegebenen Abstand von mindestens 1,5 Metern immer einzuhalten ist in den engen Supermarkt-Gängen schier unmöglich. Zumal es immer noch einige Menschen gibt, die die Regeln missachten.

Forscher aus Finnland haben in einer Simulation gezeigt, wie sich das Coronavirus in einem belebten Supermarkt verbreitet: Nachdem eine Person ungeschützt gehustet hat, sind die Viren noch minutenlang in der Luft nachweisbar – selbst, wenn der oder die Infizierte sich bereits entfernt hat. Zudem führen die engen Gänge, die Regale und die Klimaanlage dazu, dass sich die Viren innerhalb von Sekunden bis in den Nachbargang verbreiten können. Zwar ist nicht erwiesen, ob das Virus dann noch infektiös ist, für möglich halten die Wissenschaftler das aber allemal.

Trotzdem tummeln sich noch immer etliche Senioren mit oder ohne Gehhilfe zwischen den mittlerweile wieder vollen Regalen. Und das, obwohl es in der Umgebung Netzwerke wie Einkaufs- oder Nachbarschaftshilfen gibt, die mehr Helfer als Hilfsbedürftige verzeichnen. Die Einkaufshilfe Lilienthal musste die Aufnahme von Ehrenamtlichen stoppen, weil sie nicht genug Aufträge hat. Ähnliches gilt für den Borgfelder Einkaufsservice, der mit 27 Helfern auf gerade einmal 22 Kunden kommt. Auch von jungen Risikopatienten haben die Lieferdienste bislang kaum Aufträge erhalten.

An der Information scheitert es nicht: Die Ehrenamtlichen werfen Flugblätter in Briefkästen, hängen sie in Supermärkten auf oder gehen auf potenzielle Risikogruppen zu. Und doch wird ihre Mühe nur begrenzt entlohnt. Denn der einzige Lohn für die Helfer wäre, dass ihr Angebot komplett ausgeschöpft wird. Und das wird es derzeit nicht, was angesichts der hohen Hilfsbereitschaft sehr bedauerlich ist.

Verständlich sind die Bedenken, die bei den betroffenen Personen aufkommen. Bekomme ich auch wirklich das Produkt, das ich haben möchte? Wie kann ich sicher sein, dass mich niemand betrügt? Und bekomme ich mein Wechselgeld auch wieder? Hinzu kommt der Aspekt, dass Einkaufen sicherlich auch Spaß macht und gar zum Höhepunkt im derzeit eintönigen Alltag ohne Veranstaltungen oder Stammtische werden kann.

Aber besonders die eben genannten Organisationen sind stark bemüht, transparent zu sein und werden von den Gemeinden unterstützt. So hat Bürgermeister Kristian Tangermann der Einkaufshilfe Lilienthal Tüten bereitgestellt. Die Sorge, einem Betrüger zu verfallen, ist also unbegründet. Die Einkaufshilfen haben einfache Prinzipien, die Geldübergabe zu regeln und strecken das Geld sogar vor. Der Service ist außerdem kostenlos. Ein Anruf oder eine E-Mail genügt, um seine Lebensmittelwünsche zu äußern und kontaktlos nach Hause geliefert zu bekommen. Und in Anbetracht der aktuellen Lage gibt es nun wirklich Schlimmeres, als den Kaffee von der falschen Marke zu bekommen.

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