Kommentar

Spagat auf grünen Wiesen

Wann ist eine Gemeinde attraktiv? Muss sie naturnahes Leben anbieten oder Arbeitsplätze vorhalten? Wie auch immer die Antwort ausfällt - es wird Verlierer geben, kommentiert André Fesser.
13.09.2020, 07:00
Lesedauer: 1 Min
Zur Merkliste
Spagat auf grünen Wiesen
Von André Fesser
Spagat auf grünen Wiesen

Der Bedarf an Gewerbeflächen beschäftigt zurzeit die Rathäuser der Region.

Volker Crone

Was macht eine Gemeinde eigentlich attraktiv? Sind es frische Luft und die grüne Wiese, die einen Ort zu einem lebenswerten Fleckchen machen oder ist es doch eher eine moderne Infrastruktur, mit der effizientes Leben und Arbeiten möglich werden? Derartige Fragen stellt man sich in den Rathäusern der Region auch gerade, und man kann sich bildlich vorstellen, wie sich die Bürgermeister den Kopf zerbrechen, um den Spagat zwischen den verschiedenen Interessen innerhalb ihrer Gemeinden hinzubekommen.

Denn natürlich sind sie am Ausbau der Wirtschaftsstruktur interessiert. Die Ansiedelung neuer Betriebe könnte helfen, Arbeitsplätze zu schaffen und Steuereinnahmen zu generieren – was finanziell gebeutelten Gemeinden wie Grasberg, Worpswede oder Lilienthal gelegen käme. Zugleich gilt es, den Charakter der Ortschaften zu erhalten. Denn Gewerbeansiedelung erfordert die Bereitstellung von Flächen. Und die entstehen zumeist dort, wo die Luft zuvor frisch und die Wiese grün war.

So oder so wird diese Auseinandersetzung Verlierer hervorbringen. In Grasberg könnten das die Anwohner des Wiesendamms sein, denen das geplante Gewerbegebiet an der Wörpedorfer Straße verständlicherweise ein Dorn im Auge ist. Zwar hat sie die örtliche CDU für kommenden Sonnabend zum Austausch geladen. Am Ergebnis dürfte dieses Treffen aber kaum etwas ändern, denn das Grasberger Rathaus versteht sich darauf, derartige Konflikte zu moderieren, bevor die Gremien final abstimmen.

In Lilienthal ist das anders. Dort ist die Opposition aufmüpfiger, und die Alteingesessenen im Ort sind des Ausbauens, Flächenversiegelns und Geldausgebens satt. So sieht selbst der Bürgermeister für die Schaffung eines Gewerbegebietes bis zur Kommunalwahl in einem Jahr keine Mehrheit mehr. Die Frage, was die Attraktivität einer Gemeinde ausmacht, ist damit nicht beantwortet. Aber es ist jetzt Zeit da, sich weiter den Kopf zu zerbrechen. Über Arbeitsplätze auf grünen Wiesen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+