Ganztagsbetreuung des Tintenklecks vernetzt sich mit Verdener Vereinen Kooperation bringt Vielfalt

Ganztagsangebote an Grundschulen und Trainingszeiten in Vereinen überschneiden sich oftmals zeitlich. Dass beide Freizeitsegmente dennoch nicht zwangsläufig miteinander konkurrieren müssen, zeigt das Angebot des Vereins Tintenklecks, der mittlerweile die Nachmittagsbetreuung an vielen Verdener Schulen übernommen hat. Das Geheimnis liegt in der Vernetzung der Vereine. Ein Beispiel für die gelungene Kooperation ist das Angebot von Ulrike Maaß, Trainerin des Verdener Karate-Vereins "Bushido".
03.03.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von MAREN BRANDSTÄTTER

Ganztagsangebote an Grundschulen und Trainingszeiten in Vereinen überschneiden sich oftmals zeitlich. Dass beide Freizeitsegmente dennoch nicht zwangsläufig miteinander konkurrieren müssen, zeigt das Angebot des Vereins Tintenklecks, der mittlerweile die Nachmittagsbetreuung an vielen Verdener Schulen übernommen hat. Das Geheimnis liegt in der Vernetzung der Vereine. Ein Beispiel für die gelungene Kooperation ist das Angebot von Ulrike Maaß, Trainerin des Verdener Karate-Vereins "Bushido".

Verden. "Heute habe ich an meine Sportsachen gedacht, Ulrike." Ein rothaariger Junge zeigt stolz seinen Turnbeutel hoch. Ulrike Maaß lobt den Erstklässler, der dem Karatetraining vorige Woche um ein Haar nur mit den Augen von der Bank aus hätte folgen dürfen. "Ohne Disziplin geht es in unserem Sport nicht, letzte Woche gab's noch Schonfrist", erklärt die Trainerin. Heute, beim dritten Treffen, stehen zwei Mädchen und zwei Jungen ohne Sportsachen am Sammelpunkt in der Jahnschul-Pausenhalle. Alle haben eine ausführliche Begründung parat. Maaß kürzt die Geschichte freundlich, aber bestimmt ab: "Ab heute gilt: Wer kein Sportzeug hat, muss zugucken - das ist unsere Vereinbarung." Vergesslichkeit sei am Anfang keine Seltenheit, lege sich aber erfahrungsgemäß schnell.

Zwölf Kinder unterrichtet Ulrike Maaß vom Verdener Karate-Verein "Bushido" montags in der Jahnsporthalle. Es ist ihr zweiter Kurs in Kooperation mit dem Verein Tintenklecks, der unter anderem für die Ganztagsbetreuung der Friedrich-Ludwig-Jahn-Grundschule verantwortlich zeichnet. Gleiches wiederholt sich dienstags in der Nicolai-Schule. "Die Zusammenarbeit mit dem Tintenklecks klappt wunderbar, und nach dem letzten Kurs haben sich vier Teilnehmer in unserem Verein angemeldet - so haben beide Seiten etwas davon."

In der Halle haben sich die Kinder nebeneinander in einer Reihe aufgestellt. Ihnen gegenüber steht Ulrike Maaß. "Füße zusammen." Augenblicklich kehrt Ruhe ein. "Verbeugen." Acht Köpfe verneigen sich auf der einen, der von Ulrike Maaß auf der anderen Seite. Die nächste Ansage lautet "hinknien", dann folgt das erste japanische Kommando. "Muksu." Das bedeutet: Augen schließen, ruhig werden. Tatsächlich ist es mucksmäuschenstill in der großen Halle. Etwa eine Minute lang bleiben die Augen zu. Das Ritual endet, wie es begann - mit einer Verbeugung.

Neben dem Bushido-Verein kooperiert der Tintenklecks mit dem Verdener TSV, dem Fußballverein, dem Schach-Club, der Bücherei, dem Schleppjagdreitverein, der Arbeitsgemeinschaft Verdener Sportvereine und der Handball-Spielgemeinschaft (HSG). "Wir wünschen uns, dass die Schultüren nachmittags möglichst weit geöffnet sind, damit die Kinder viel kennenlernen können", erklärt Tintenklecks-Koordinatorin Margarete Meyer das Konzept hinter der Vernetzung. "Wir können auf diesem Weg eine große Angebots-Vielfalt gewährleisten, und die Kinder entdecken so häufig den Sport in den Vereinen für sich." Eine Mitgliedschaft über das Tintenklecks-Angebot zu umgehen, funktioniert nicht. Die Teilnahme an einem Angebot ist auf ein Halbjahr begrenzt, dann wird gewechselt.

Nach dem fernöstlichen Begrüßungsritual ist in der Halle Aufwärmen angesagt. Kriegenspielen, grätschen, dehnen - erstes Schnaufen ist zu hören. Die Trainerin lobt, ermutigt, spornt an. Dann kehrt wieder Ruhe ein. Aufstellung in einer Reihe, Füße zusammen, verbeugen. "Yoi! - Wisst ihr noch, was das heißt?" Ein Finger schnellt hoch. "Alle sind still, bis auf Ulrike", ruft ein Mädchen. Richtige Antwort - Yoi heißt "Achtung". Ulrike Maaß erklärt die erste Übung. Eine Faust ist am Körper, eine schnellt nach vorn. "Kennt noch jemand den japanischen Ausdruck?" Einer der Jungs scheint nur auf diese Frage gewartet zu haben: "Oi-Zuki!" Die Trainerin ist sichtlich beeindruckt. "Beim fünften Mal mit Kiai", ruft Maaß. Die Kinder strahlen. Auf fünf stoßen sie einen ohrenbetäubenden Schrei aus - das ist Kiai.

Vor 15 Jahren hat sich der Verein Bushido (Weg des Kämpfers) gegründet, seit 27 trainiert Ulrike Maaß selbst Karate. Die Disziplin fasziniert sie ebenso wie der Respekt für den Gegner, das Verblassen von Alter, Geschlecht und Herkunft - "all das ist beim Karate völlig unwichtig". Besonders was die Disziplin angehe, erlebe sie bei den meisten Kindern eine gewaltige Entwicklung im Laufe eines Angebots: "Die Ehemaligen, die mich heute am freudigsten begrüßen, waren anfangs meist die Wildesten in der Gruppe."

Mehr als eine Stunde Karate-Training liegt hinter den Grundschülern. Eine letzte Verbeugung vor Ulrike Maaß, dann verlässt einer nach dem anderen die Turnhalle - nicht ohne sich in der Tür nochmals zu verbeugen. "Abgrüßen" nennen das die Karate-Kämpfer - auch der Halle gebührt Höflichkeit. Für Ulrike Maaß geht es zum nächsten Training. "Bis heute Abend um zehn geht das jetzt so weiter", sagt sie lachend und steigt in ihren Bushido-Bus.

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