Kosmetikbranche

„Wir erfahren sehr viel Akzeptanz“

Viel Unterstützung innerhalb der Branche hat Jessica Ryberg von der Beauty Company Weyhe während der coronabedingten Schließung erlebt. Nun geht die Kosmetikerin wieder an den Start.
13.05.2020, 17:57
Lesedauer: 4 Min
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Von Maike Plaggenborg
„Wir erfahren sehr viel Akzeptanz“

Nicht mehr nur noch Mundschutz, sondern eine komplette Schutzmaske muss Geschäftsführerin Jessica Ryberg nun bei der Arbeit tragen.

Vasil Dinev
Frau Ryberg, seit Montag dürfen Sie Ihre Beauty Company rund um Gesichtsbehandlung, Make-up, Wimpern und Massagen wieder öffnen. Wie lief der Neustart für Sie?

Jessica Ryberg: Die Informationen zur Eröffnung flossen über die Medien via Instagram, Facebook und darüber hinaus über unsere persönliche Kontaktaufnahme. Unsere Kundinnen und Kunden haben das insbesondere auch über die Medien verfolgt. Der Neustart wurde von mir an offiziellen Stellen bekanntgegeben und am Montag das Geschäft zur Freude aller wieder eröffnet. Der Terminkalender füllte sich aufgrund der Nachfrage zusehends. Viele Kunden sind sehr erfreut, weil eine kontinuierliche Behandlung der Problemhaut in bestimmten Abständen notwendig ist, um ein positives Ziel sichtbar werden zu lassen und zu erhalten. Das wurde jedoch bei vielen durch die abrupte Schließung unterbrochen.

Masken und Handschuhe gehörten für Sie schon vor der Corona-Krise zu Ihrem alltäglichen Arbeitsmaterial. Was hat sich nun noch weiter verschärft?

Für diese Branche waren hygienische Maßnahmen immer schon ein hoher Standard. Der Gesichtsschutz ist nun eine zusätzlich notwendige Auflage seitens der Behörden. Lange war unter den Kolleginnen und Kollegen nicht ganz klar, unter welchen Voraussetzungen wir wieder öffnen durften. Wir haben von der Industrie- und Handelskammer (IHK; Anm. d. Red.), die für unsere Branche zuständig ist, auf Anfrage die erforderlichen Informationen bekommen. Die Betreuung seitens der IHK war für alle sehr wichtig, dadurch hatten wir eine verlässliche Rückmeldung. Aufgrund der Auflagen für Friseure habe ich diesen Gesichtsschutz geordert – eine vorsorgliche Maßnahme, um zeitnah das passende Arbeitsmaterial zur Verfügung zu haben. Es war abzusehen, dass unsere Branche dies ebenfalls benötigt. Zusätzlich stehen Desinfektionsmittel für die Kundinnen und Kunden am Eingang bereit. Auf Anfrage können wir Einwegmasken ausgeben. Die Eigenverantwortung des Gesundheitszustandes obliegt jedem selbst.

Gewöhnungsbedürftig oder absolut machbar: Was bedeuten die strengen Hygieneauflagen für Ihren Arbeitsalltag?

Selbstverständlich ist die Gesamtsituation für uns alle gewöhnungsbedürftig. Der damit verbundenende Mehraufwand bedarf einer guten Terminierung. Der Arbeitsalltag wird dadurch entzerrt, das bedeutet, dass die Kundenfrequenz sinkt.

Wie gehen die Kunden mit den Regeln um? Gibt es Akzeptanz?

Meine Kundinnen und Kunden freuen sich über den Neustart. Wir erfahren persönlich sehr viel Akzeptanz. Während dieser Krise standen wir mit vielen Kundinnen und Kunden im Kontakt, sei es über Instagram, Facebook oder in eine persönliches Gespräch am Telefon. Uns lag am Herzen, die Kundinnen und Kunden über die aktuellen Entwicklungen laufend zu informieren.

Die Ansage, dass nun auch Ihr Bereich der sogenannten körpernahen Dienstleistungen – noch nach den Frisören – wieder an den Start gehen durfte, kam recht plötzlich für Sie. War es machbar, die Vorbereitungen zeitnah treffen zu können?

Aufgrund unserer Professionalität haben wir alle Vorbereitungen zeitnah treffen können. Gerne hätten auch wir uns einen längeren Vorlauf gewünscht.

Abgesehen von den als notwendig eingestuften Geschäften mussten auch Sie, wie fast alle, im März schließen. Wie sind Sie damit seit Ihrem letzten Öffnungstag am 19. März umgegangen?

Mit starker Betroffenheit haben wir diese Information zur Kenntnis genommen. Auch wir waren sehr traurig darüber, aus unserer Arbeitsroutine herausgerissen worden zu sein. Alles wirkte surreal. Es war schon ein beängstigendes Gefühl, das wir verarbeiten mussten.

Wo haben Sie in dieser Zeit besondere Unterstützung erlebt?

Durch die Kontakte zu unseren Kundinnen und Kunden haben wir viel Verständnis und positiven Zuspruch erfahren. Auf diesem Wege möchte ich mich herzlich bei all jenen bedanken, die in dieser Krise Zusammenhalt und Treue gezeigt haben. Das hat uns viel Kraft gegeben. Diese Zeit hat viele Branchen zusammenrücken lassen und es war ein deutlicher Zusammenhalt spürbar. Dieser äußerte sich durch kontinuierlichen Austausch von Informationen, zum Beispiel über die Wege und Mittel der Beantragung der Fördergelder bei der Niedersachsen-Bank. Da bedurfte es Ausdauer, weil stetig neue Anforderungen nötig waren, um den Antrag entsprechend anzupassen. In dieser Situation befanden sich alle Unternehmen – auch innerhalb der Branche – in der gleichen Lage, sprich: Wir saßen alle im gleichen Boot. Jeder war betroffen über das Schicksal des anderen und alle rückten damit nah zusammen. Ein Konkurrenzdenken fand nicht mehr statt. Wir unterstützen einander in der Gemeinschaft.

Wie konnten Sie die existentielle Bedrohung abwenden?

Der erste Schritt wurde von unserem Vermieter auf den Weg gebracht, indem er der Beauty Company Weyhe sofort einen Zahlungsaufschub gewährte. Öffentliche Institutionen unterstützen uns durch Stundung zu zahlender Gelder. Die Regierung stellte ein Hilfspaket zur Verfügung, das wir dankbar in Anspruch genommen haben. Aufgrund der Corona-Krise war es notwendig, meine Mitarbeiterin in Kurzarbeit zu schicken. Mit einer minimierten Stundenzahl beginnt auch für sie der Neustart.

Das Interview führte Maike Plaggenborg.

Info

Zur Person

Jessica Ryberg

ist Geschäftsführerin der Beauty Company Weyhe in Kirchweyhe, wo sie seit etwa fünf Jahren medizinische Intensivkosmetik anbietet. Das Studio selbst gibt es dort seit etwa zehn Jahren. Die Kosmetikerin aus Stuhr hatte ihre Selbstständigkeit zunächst mit einem Home-Studio angefangen.

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