Sonderausstellung 'Jugendstil in Silber' Kostbarkeiten des gehobenen Bürgertums

Worpswede. In der neuen Sonderausstellung 'Jugendstil in Silber' können sich Besucher ein Bild davon machen, mit welchen edlen Dingen sich das gehobene Bürgertum vor gut 100 Jahren in seinen Speisezimmern umgab. Zu sehen gibt es jede Menge Kostbarkeiten.
16.09.2010, 06:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Cornelia Hagenah

Worpswede. Glitzernd und glänzend präsentieren sich die Exponate. Es sind Kaffeekannen, Zuckerstreuer, Schalen, Brotkörbe, Bestecke und auch Suppenlöffel. Reichhaltige Verzierungen oder auch schlichtere Formen lassen das Auge über die Kostbarkeiten schweifen und den Betrachter erahnen, mit welchen edlen Dingen sich das gehobene Bürgertum vor gut 100 Jahren in seinen Speisezimmern umgab.

Die glänzenden Silberstücke stammen aus der Silberwarenmanufaktur Wilkens und Söhne. Die floralen und dekorativen Elemente gehen im großen Teil auf Entwürfe Heinrich Vogelers zurück. Wie die Zusammenarbeit des Jugendstilkünstlers Heinrich Vogelers und dem Bremer Fabrikanten aussah, kann der Besucher in der neuen Sonderausstellung 'Jugendstil in Silber - Heinrich Vogeler und die Bremer Silberwarenmanufaktur Martin Heinrich Wilkens und Söhne' nachvollziehen.

Bei der Jagd kennen gelernt

'Kennen gelernt hatten sich Heinrich Vogeler und Jakob Blankenburg, der damalige Betriebsleiter der Silberwarenmanufaktur, auf gemeinsamen Jagdausflügen', weiß die Laudatorin Manja Wilkens zu berichten, die zusammen mit Beate Arnold die Ausstellung im Barkenhoff kuratiert hat und die am Wochenende eröffnet wurde.

Emsig hat Wilkens die Auftragsbücher der Firma studiert. Im Jahr 1899 ist sie auf den ersten Entwurf Vogelers gestoßen, der zugleich sein erfolgreichster sein sollte: 'Das Motiv der Herbstzeitlosenblüte erwies sich für die Produktion als ein sehr dankbares Muster', erläutert die Kunsthistorikerin.

Die Blüte, die eine gewisse formale Ähnlichkeit mit Krokussen aufweist, allerdings giftig ist, findet sich auch in der Ausstellung wieder, nicht nur als Besteck, sondern auch auf Pokalen, Karaffen und Bechern. Unter den fünf weiteren Besteckmustern, die Vogeler für Wilkens und Söhne entwarf, befand sich auch das Tulpenbesteck, das der Künstler für den Verleger des Inselverlages Walter Heymel entworfen hatte. In der leicht asymmetrischen Form des Griffes und dem stilisierten Tulpenmotiv entspricht das Besteck besonders der für seine geschwungenen aber gleichwohl schlichten Formen bekannten Ästhetik des Jugendstils. Je nach Auftraggeber zeigt sich in den Entwürfen Vogelers aber auch eine Nähe zum ausklingenden Historismus, wie die prachtvolle Jardinière, mit der sich Heinrich Vogeler Anfang des 20. Jahrhunderts um den Auftrag zur Ausgestaltung der Güldenkammer im Bremer Rathaus beworben hatte, beweist.

Das gesamte Stilrepertoire wird abgedeckt

Während die Silberwaren im Obergeschoss auf Entwürfe Heinrich Vogelers zurückgehen, lässt sich im Untergeschoss die 200jährige Geschichte der Firma Martin Heinrich Wilkens und Söhne von ihrer frühen Produktion bis zur Zusammenarbeit mit Vogeler verfolgen. Prunkvolle Tafelaufsätze, Kannen und Schalen, die das ganze Stilrepertoire des Historismus abdecken.

Die Sonderausstellung im Heinrich-Vogeler-Museum ist bis 5. Dezember täglich von 10 bis 18 Uhr zu besichtigen. Der zur Ausstellung erschienene Katalog 'Jugendstil in Silber' kostet 18,90 Euro.

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