Entwurf des Niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums sieht Verkürzung der Jagdzeiten vor

Kreisjägermeister warnt vor Schweinepest

Die Jagdzeiten für Schalenwild – dazu gehören beispielsweise Rehe, Hirsche und Wildschweine – sollen um zwei Wochen verkürzt werden. Das sieht ein Entwurf des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz unter anderem vor. Verdens Kreisjägermeister kritisiert die Verkürzung, dem Tierschutzbund geht sie nicht weit genug. Zur Zeit werden im Ministerium Stellungnahmen verschiedener Verbände bewertet.
05.09.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Kreisjägermeister warnt vor Schweinepest
Von Michael Kerzel

Die Jagdzeiten für Schalenwild – dazu gehören beispielsweise Rehe, Hirsche und Wildschweine – sollen um zwei Wochen verkürzt werden. Das sieht ein Entwurf des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz unter anderem vor. Verdens Kreisjägermeister kritisiert die Verkürzung, dem Tierschutzbund geht sie nicht weit genug. Zur Zeit werden im Ministerium Stellungnahmen verschiedener Verbände bewertet.

Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) plant, die Jagdzeiten für Schalenwild – dazu gehören unter anderem Rehe, Hirsche und Wildschweine – zu verkürzen. In einem Entwurf heißt es, dass diese Arten nur noch bis zum 15. und nicht mehr bis zum 31. Januar geschossen werden dürfen. Diesen Entwurf kritisiert der Verdener Kreisjägermeister Hilmer Kruse. Auch der Landvolk-Vorsitzende Jörn Ehlers ist skeptisch. Dem Tierschutzbund geht das Vorhaben indes nicht weit genug. Er fordert, die Jagdzeiten stärker zu begrenzen.

Der Sprecher des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Klaus Jongebloed, relativiert: „Es handelt sich um einen Entwurf, die Verbände geben ihre Stellungnahmen ab, die in den kommenden Woche bewertet werden“, sagt er. Dass verschiedene Verbände öffentlichkeitswirksam auf ihre Interessen aufmerksam machten, sei ihr gutes Recht und gehöre dazu.

Um zwei Säulen geht es in dem Entwurf: um Schalenwild und um Wasserfederwild, beispielsweise Nilgänse. Die Diskussion dreht sich hauptsächlich um Schalenwild und dort vor allem um die Jagd auf Wildschweine. „Der Entwurf zum Jagdzeitengesetz ist kontraproduktiv“, sagt Hilmar Kruse. Gerade in den letzten beiden Januarwochen seien die äußeren Bedingungen für die Jagd am besten. Wenn Schnee liege und der Mond scheine, könnten Jäger am besten auf Wildschweinjagd gehen, erklärt er. „Momentan blüht alles, und die Blätter hängen an den Bäumen. Das erschwert die Sicht und damit die Jagd“, sagt er. Er kritisiert, dass der hohe Wildbestand beklagt werde, die besten Jagdzeiten aber parallel wegfallen sollen. Von Wildschweinen gehe ein große Gefahr aus: Sie übertragen die afrikanische Schweinepest über Umwege auf Hausschweine.

„Wenn die afrikanische Schweinepest hier ausbricht, hätte das katastrophale wirtschaftliche Auswirkungen“, sagt Kruse. Jörn Ehlers stimmt zu: „Den Landwirten ist sehr daran gelegen, den Wildbestand gering zu halten“. Die Jäger hätten den Wildschwein-, aber auch den Rehbestand zuletzt konstant gehalten und das müsse auch so bleiben. „Die Jagdzeitenverkürzung würde die Arbeit der Jäger erschweren, daher sehen wir dieses Vorhaben skeptisch“, sagt Ehlers.

Wildschweine sollten nicht ausgerottet werden, betont Ehlers. „Aber wenn es zu viele gibt, entfernen sie sich weit aus dem Wald, wodurch die Übertragungsgefahr der Schweinepest auf Hausschweine steigt“, sagt Ehlers. Wildschweine fressen, laut Kruse, fast alles. Daher fühlen sie sich nicht nur im Wald wohl.

Tierschutzbund fordert Ruhezeiten

Kranke Wildschweine seien hochinfektiös. „In Ostpolen ist die afrikanische Schweinepest bereits nachgewiesen. Da reicht es, wenn beispielsweise ein Fernfahrer ein Wurstbrot aus Polen mitbringt und den Rest davon an einer Raststätte in Deutschland wegwirft. Das frisst dann ein Wildschein und infiziert sich“, erklärt Kruse. Hausschweine in der Auslaufhaltung könnten dann in Kontakt mit den infektiösen Wildschweinen kommen, beispielsweise, weil diese sich Zugang zu Futtermitteln verschafft hätten. Auch reiche es, wenn etwa eine Krähe ein Stück Fleisch eines verendeten Wildschweins im Auslaufgehege eines Hausschweins fallen lasse.

„Das ist natürlich hypothetisch. Aber der Faktor Mensch in Kombination mit Unwägbarkeiten führt zur Infektion“, warnt Kruse. Ein Kreisveterinär habe ihm gesagt, berichtet Ehlers, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis die afrikanische Schweinepest nach Deutschland komme. Daher müsse der Bestand an Wildschweinen gering gehalten werden.

„Auch nach dem neuen Entwurf dürften Frischlinge und sogenannte Überläufer das ganze Jahr gejagt werden“, entgegnet Ministeriumssprecher Jongebloed. Die verkürzte Jagdzeit betreffe lediglich Keiler und Bachen, die nur fünf bis acht Prozent der Wildschweine ausmachten.

Dem Tierschutzbund geht die geplante Verkürzung nicht weit genug. Beim Schwarzwild stiegen die Bestände trotz Schwankungen seit Jahren an. Die flächendeckende und fast ganzjährige Bejagung habe diese Entwicklung weder aufhalten noch beeinflussen können. Aus Tierschutzsicht fordert der Verband, dass bis zur Klärung offener Fragen – beispielsweise wie ein effektiver regionaler Lösungsweg für die Schwarzwild-Problematik aussieht – für Wildschweine die Jagdzeit auf die Monate Oktober bis Dezember beschränkt wird. Dadurch würden die Tiere nicht mehr als nötig beunruhigt und könnten die nahrungsarme Zeit besser überstehen.

Die verschiedenen Stellungnahmen werden in den kommenden Wochen ausgewertet, sagt Klaus Jongebloed. „Der Entwurf kann noch überarbeitet werden“, erklärt er.

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