Kreismuseum Syke

„Ein ziemlich bedeutender Fund“

Es wird wieder gegraben am Heiligenberg. Wer sich Fundstücke der Suche nach dem Prämonstratenserkloster anschauen möchte, kann aber auch das Syker Kreismuseum besuchen. Dort sind welche ausgestellt.
11.09.2020, 18:07
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„Ein ziemlich bedeutender Fund“
Von Micha Bustian
„Ein ziemlich bedeutender Fund“

Freuen sich über die Ausstellung der Fundstücke vom Heiligenberg: Bezirksarchäologe Friedrich-Wilhelm Wulf (von links), Archäologin Simone Arnhold, Grundbesitzerin Adelheid Brüning, Samtgemeindebürgermeister Bernd Bormann und Museumsleiter Ralf Vogeding.

Vasil Dinev

Da steht er nun, goldglänzend im Obergeschoss des Ackerbürgerhauses. Der Abendmahlskelch, ausgeliehen von der Kirchengemeinde Asendorf, ist nicht nur rein räumlich der Mittelpunkt der neuen Ausstellung im Syker Kreismuseum. Er ist schon ein wenig der Star der Präsentation. Rein optisch zumindest, denn um ihn herum liegen zahlreiche spannende Fundstücke von der Ausgrabung am Heiligenberg. Dort sind Archäologen auf der Suche nach einem Prämonstratenserkloster, das 1218 erbaut wurde.

Der Abendmahlskelch soll auch aus diesem Kloster kommen, nur ist er kein Ergebnis dieser Ausgrabungen. Ganz banal mit einem Metalldetektor gefunden wurde auch das Stück vom Fuß eines dreibeinigen Altarleuchters. Der wurde von den Wissenschaftlern digital rekonstruiert. „Das war ein liturgisches Gerät“, verrät Bezirksarchäologe Friedrich-Wilhelm Wulf, ein Heiligtum. „In einer Inventarliste, die wir gefunden haben, werden drei Leuchter erwähnt, einer davon sei entzweigebrochen.“ Interessant: Das Fundstück ist aus dem zwölften Jahrhundert. „Das müssen die Prämonstratenser zum Heiligenberg mitgebracht haben.“ Genauso wie zwei Fibeln aus dem neunten oder zehnten Jahrhundert. Die Kreuzdarstellung zur Zierde weist darauf hin: „Der Träger war ein Christ.“

Ergebnis der Ausgrabungen ist allerdings ein Siegelstempel. Auf ihm kniet ein Mensch hinter einem Schwein. Ein Zeichen von spätmittelalterlichem Antisemitismus, sagt Simone Arnhold von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Ihr zufolge ist der sogenannte Petschaft „ein besonderer Fund“. Deshalb hat er auch ein eigenes Kapitel im begleitenden Katalog erhalten. Darin beschreibt Konrad Elmshäuser, Leiter des Bremer Staatsarchivs, auf einem guten Dutzend Seiten die Optik des Fundstücks, die Verbreitung des darauf abgebildeten judenfeindlichen Motivs sowie das Leben der Juden in Bremen im Mittelalter. Das Begleitbüchlein hat einen Umfang von 146 Seiten und kostet zehn Euro.

Doch zurück zur Ausstellung. Die Fundstücke – Knöpfe, Fingerhüte, Löffel, Scherben von Keramikgefäßen, aber auch Abraum – in ihren Vitrinen werden umrahmt von DIN-A1-großen Plakaten mit erklärendem Text. Das Interesse an den Ausgrabungen, die Montag wieder begonnen haben, ist laut Simone Arnhold groß. „Wir haben im vergangenen Jahr mehr als 200 Gäste gezählt, zwischenzeitlich mussten wir immer mal wieder einen Studenten abstellen, um Führungen zu halten“, sagt die Archäologin. Für Menschen, die sich freiwillig an der Grabung beteiligen wollen, gebe es sogar eine Warteliste. „Eine solche Wertschätzung gibt es nur hier.“

Umso schöner sei es für sie, dass die Fundstücke jetzt im Kreismuseum aufgestellt würden. Das freut auch Bruchhausen-Vilsens Samtgemeindebürgermeister Bernd Bormann. „Wir sind einfach nur froh, dass das Kreismuseum sich dieser Sache annimmt.“ Gäbe es am Heiligenberg allerdings ein für die Ausgrabungsergebnisse passendes Gebäude, wäre das womöglich anders. „Dann wäre es schon schön, wenn die Fundstücke dort ausgestellt werden könnten. Aber das ist Zukunftsmusik.“

In der Gegenwart bleiben die archäologischen Schätzchen bis zum 8. November im ersten Stock des Ackerbürgerhauses. Für den 27. Oktober ist ein Vortrag zur Ausstellung geplant – der erste im dann gerade eröffneten Forum Gesseler Goldhort, wie Museumsleiter Ralf Vogeding mit einem Strahlen im Gesicht mitteilt. Er ist bereits seit 2018 an dieser Ausstellung dran, „da ist unheimlich viel Arbeit reingeflossen“. Eigentlich sollte die Präsentation kleiner werden, der Katalog nur 40 Seiten umfassen, aber „das ist ein ziemlich bedeutender Fund“. Selbst die 2019 gefundene Mauerecke hat ihren Platz im Kreismuseum gefunden. Allerdings nur auf einem Bildschirm...

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