Urlaub in Krisenzeiten Kreuzfahrten statt Nordafrika

Landkreis Diepholz. Unruhen und Krieg in Nordafrika, Chaos in Griechenland - gar nicht so leicht, noch das passende Urlaubsland zu finden. Anstatt Reisen nach Nordafrika sind Kreuzfahrten bei den Nordkreisbewohnern besonders angesagt.
06.07.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Hauke Gruhn

Landkreis Diepholz. Unruhen und Krieg in Nordafrika, Chaos in Griechenland - gar nicht so leicht, noch das passende Urlaubsland zu finden. Wir haben in verschiedenen Reisebüros nachgefragt, wohin es die Nordkreisbewohner in der bevorstehenden Haupturlaubszeit zieht. Eine kleine Überraschung: Die Hellenen sind als Gastgeber weiterhin sehr beliebt. Nach Tunesien reist derzeit kaum noch jemand.

Und, dieses Jahr schon eine Reise nach Djerba gebucht? Diese Frage löst aktuell kollektives Kopfschütteln in den Reisebüros der Region aus. "Der letzte Tunesienurlaub war bei uns etwa im Oktober oder November letzten Jahres", erzählt Heiko Blank vom Reisecenter im Kirchweyher Bahnhof. Wie ihm geht es vielen Reiseverkehrskaufleuten: Das nordafrikanische Land ist einfach schwer vermittelbar - trotz gelungener Revolution. "Das liegt wohl auch an der Nähe zu Libyen", vermutet Yvonne Behrens vom Holiday Land Reisebüro Gerlach in Kirchweyhe.

"Für Tunesien gibt es nur noch lockere Anfragen von Kunden - aber es wird nicht mehr gebucht", bestätigt Waltraud Janke vom Reiseland Syke. Für sie nicht verwunderlich: "Viele denken, man bekommt den Urlaub dort jetzt geschenkt, das ist aber nicht so." Außerdem kämen logistische Probleme hinzu: "Die Flüge nach Tunesien wurden drastisch zusammengestrichen, da gibt es nur noch wenige Möglichkeiten."

"Fast keine" Neubuchungen hat auch Corinna Behrens, Büroleiterin beim Reisebüro Meier in Brinkum in Sachen Tunesien registriert, seitdem dort im Januar die Unruhen ausbrachen. "Nur wer bereits gebucht hatte, ist auch dabei geblieben, weil das Stornieren doch sehr teuer ist", erzählt Corinna Behrens.

Keine Ramschpreise

Auch Ägypten hat viel von seiner Popularität eingebüßt diese Saison. "Ich habe erst wieder Buchungen für den Winter bekommen", erzählt Waltraud Janke vom Reiseland Syke. Dabei sei das Land der Pharaonen gerade aufgrund des etwas hinkenden Touristenaufkommens derzeit attraktiv. "Es ist einfach nicht so voll wie sonst."

"Ägypten läuft zumindest besser als Tunesien", sagt Yvonne Behrens vom Reisebüro Gerlach. "Einige trauen sich wieder dorthin", bestätigt auch Heiko Blank vom Reisecenter Kirchweyhe. "Es hat sich herumgesprochen, dass die Touristenorte gar nicht betroffen waren von den Unruhen." Wer allerdings bei Ägypten "Ramschpreise" erwarte, werde wohl enttäuscht, prophezeit Corinna Behrens vom Reisebüro Meier. "Damit täten sich die Länder auch keinen Gefallen."

Doch wohin reisen die Nordkreisbewohner dann, wenn nicht nach Nordafrika? "Für Tunesien- und Ägyptenurlauber ist zumeist die Türkei die erste Ausweichadresse", erzählt Waltraud Janke. Ähnliche Erfahrungen hat Yvonne Behrens gemacht: "Das teilt sich auf die Türkei und Spanien auf." Überhaupt: Spanien bleibt unangefochten die Nummer eins unter den Urlaubszielen im Ausland. Auch Italien steht recht hoch im Kurs. "Und Kroatien ist im Kommen, weil da das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt", hat Heiko Blank beobachtet.

Weniger als Touristenmagnet, denn als Pleiteland ist zurzeit Griechenland verschrien. Doch die Urlauber halten dem südeuropäischen Land die Treue. "Die Leute wollen da weiter hin, das wird gut gebucht", berichtet Yvonne Behrens. "Vor allem aber im September und Oktober, wenn es nicht mehr ganz so heiß ist."

"Es gibt viele Fragen von Kunden, einige sind skeptisch bei Griechenland, aber die echten Liebhaber bleiben bei ihrem Urlaubsziel", sagt Waltraud Janke. "Viele sagen, dass sie das nicht unterstützen wollen, wenn ihnen Griechenland als mögliches Reiseziel genannt wird", erzählt Corinna Behrens. Insgesamt bleibe es aber dabei: "Griechenland läuft." Wobei Olaf Blank einschränkt: "Das ist schon ortsabhängig. Auf den Inseln läuft's, aber Richtung Festland wird es schwieriger." Hier zeigten sich die Urlauber von Unruhen und Streiks schon beeindruckt - die Hauptstadt Athen sei derzeit folglich nicht sehr beliebt.

Kreuzfahrten sind in

Bei den Geheimtipps sind sich die Reiseexperten aus dem Nordkreis relativ einig: Kreuzfahrten sind in. "Die Kreuzfahrten laufen sehr gut, auch weil bei einigen Reedern Kinder bis 18 Jahre umsonst in der Kabine mitreisen dürfen", verrät Waltraud Janke. "Das spricht sich langsam rum, daher sind die Kreuzfahrten auch nicht mehr so überaltert." Auch innerdeutsche Reisen seien gefragt - und daher kaum noch zu bekommen. "Die Nord- und die Ostseeküste sind so gut wie ausgebucht, da gibt es fast nur noch sehr teure Hotels", sagt Janke. Die USA seien zwar wegen des günstigen Dollarkurses beliebt zurzeit. "Viele lassen sich aber von den scharfen Einreisekontrollen abschrecken", hat sie beobachtet. "Eine Kundin von uns wurde sogar von Hawaii aus zurückgeschickt - weil sie bei der Einreise etwas Falsches gesagt hat."

Insgesamt sei die Stimmung im Tourismusgewerbe besser als in den Vorjahren, so die hiesigen Experten. "Es läuft definitiv besser als 2009 und 2010", sagt etwa Yvonne Behrens vom Reisebüro Gerlach in Kirchweyhe. "Die Kunden haben auch deutlich früher gebucht", verkündet Corinna Behrens vom Reisebüro Meier in Brinkum. "Die Tendenz zeigt nach oben."

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