Kriminalstatistik für 2020

Polizei verzeichnet beste Aufklärungsquote bei Straftaten in Weyhe und Stuhr innerhalb von zehn Jahren

Die Zahl der Straftaten in Weyhe und Stuhr war 2020 vergleichbar zu 2019. Einen Rückgang gibt es bei Körperverletzungsdelikten und Diebstählen, Betrugsfälle verlagerten sich jedoch vielfach ins Internet.
09.04.2021, 17:45
Lesedauer: 5 Min
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Polizei verzeichnet beste Aufklärungsquote bei Straftaten in Weyhe und Stuhr innerhalb von zehn Jahren
Von Alexandra Penth

Weyhe/Stuhr. Im Jahr 2020 sind im Zuständigkeitsbereich des Polizeikommissariats (PK) Weyhe in den Gemeinden Stuhr und Weyhe insgesamt 3195 Straftaten erfasst worden. Die Zahl bewegt sich etwa auf dem Niveau des Vorjahreszeitraumes. Im Vergleich zum Jahr 2012 ist das Straftatenaufkommen jedoch um 21,42 Prozent gesunken, wie Kommissariatsleiter Thorsten Strier mitteilt.

„Das Kriminalitätsgeschehen im Jahr 2020 stand erkennbar unter dem Einfluss der Corona-Pandemie und hat sich auch auf die Formen der Kriminalität ausgewirkt“, sagt Strier. Unter anderem sei eine weitere Verschiebung von Diebstählen hin zu Betrugsdelikten festgestellt worden. Ein Rückgang der Straftaten ist in den Kriminalitätsfeldern der Rohheitsdelikte, Körperverletzung und Raub etwa, sowie Straftaten gegen die persönliche Freiheit (-105 Taten), einfacher und schwerer Diebstahl (-120 Taten) und sonstiger Straftatbestände (-102 Taten) zu verzeichnen. Zu einem Anstieg kam es dagegen etwa bei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung (+19) oder auch bei Vermögens- und Fälschungsdelikten (+177 Fälle).

Aufklärungshöchststand binnen zehn Jahren

Die Aufklärungsquote des Weyher Kommissariats stieg gegenüber dem Vorjahr um 5,24 auf 67,17 Prozent. Hierbei handelt es sich um den höchsten Stand binnen zehn Jahren. 2010 lag die Quote der aufgeklärten Straftaten lediglich bei 57,36 Prozent. Weyhe befindet sich laut Strier zudem deutlich über dem Landesdurchschnitt von 64,28 Prozent. „Für dieses tolle Ergebnis möchte ich mich bei allen an der Aufklärung der Straftaten beteiligten Kolleginnen und Kollegen für ihren engagierten, professionellen und nicht zuletzt akribischen Einsatz sowie bei unseren Bürgerinnen und Bürgern für ihre Zivilcourage bei der Aufhellung von Sachverhalten bedanken“, sagt Strier.

Die Zahl der registrierten Straftaten pro 100.000 Einwohner beträgt im Zuständigkeitsbereich 4959 und liegt damit weit unter dem Landesdurchschnitt von 6219. „Die Menschen in den Gemeinden Weyhe und Stuhr können sich somit weiterhin sicher in ihrer Region fühlen“, sagt Strier. Im Jahr 2020 waren insgesamt 2146 Taten aufgeklärt worden. Hierbei hat die Polizei 1544 Tatverdächtige ermittelt. Von den ermittelten Verdächtigen waren 25,45 Prozent unter 21 Jahren, 69,3 Prozent zwischen 21 und 59 Jahren und 5,25 Prozent waren älter als 60 Jahre. Der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen liegt bei 26,17 Prozent und ist 2020 im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen.

2020 sind im Zuständigkeitsbereich des Polizeikommissariats insgesamt 429 Menschen Opfer einer Straftat geworden, im Vorjahr waren es 568. Den größten Opferanteil bildet mit 66,43 Prozent die Gruppe der 21- bis 59-Jährigen. Die Gefahr Opfer einer Straftat zu werden, ist demnach im Bereich der Rohheitsdelikte und Straftaten gegen die persönliche Freiheit am größten (363 Opfer). Jedoch lässt sich dort ein deutlicher Rückgang der Fallzahlen im Bereich der Körperverletzungsdelikte verzeichnen, so Strier. Im Jahr 2020 wurden 199 Delikte und somit 83 weniger als im Jahr davor verzeichnet. Die Anzahl der schweren und gefährlichen Körperverletzungen sank von 76 Taten auf 45 Taten.

Weniger häusliche Gewalt, aber hohe Dunkelziffer

„Der Rückgang der Körperverletzungsdelikte dürfte in erster Linie durch die Kontaktbeschränkungen sowie fehlende Großveranstaltungen im öffentlichen Raum während der Corona-Pandemie zu erklären sein“, sagt Strier. In insgesamt 30 Fällen waren die Täter alkoholisiert. Hierbei handelt es sich im Zehnjahresvergleich sogar um den niedrigsten Wert. Im Jahr 2020 hat die Polizei im Zuständigkeitsbereich des PK Weyhe insgesamt 89 Straftaten im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt registriert. Im Gegensatz zu den Entwicklungen auf Landesebene ist gegenüber dem Vorjahr (103 Fälle) somit ein leichter Rückgang von 14 Fällen zu verzeichnen. Im Fünfjahresvergleich lässt sich aber tendenziell ein steigender Trend beobachten (2015: 71 Taten). „In diesem Deliktsfeld ist gefühlt eher von einer hohen Dunkelziffer auszugehen“, so Strier. Überdies sind sieben Fälle von Körperverletzungen an Schulen in 2020 angezeigt worden.

Die Diebstahlsdelikte bilden zwar mit etwa 34 Prozent weiterhin den größten Anteil am Gesamtstraftatenaufkommen, allerdings ist 2020 mit 1085 Taten ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen (-120 Taten). Im Zehnjahresvergleich handelt es sich hierbei um den niedrigsten Stand sowohl bei den einfachen als auch bei den schweren Diebstahlsdelikten. Im Bereich der Wohnungseinbruchdiebstähle hält der Rückwärtstrend der vergangenen Jahre analog zu den Entwicklungen auf Landesebene weiterhin an. Mit 84 Taten konnte der niedrigste Stand seit 2013 erzielt werden (Höchstwert 2015: 256 Taten). Von den 84 Taten handelte es sich in 30 Fällen um sogenannte Versuchstaten. 32,14 Prozent der Wohnungseinbruchdiebstähle konnten aufgeklärt werden. Der Landeswert liegt dort bei 25 Prozent.

Eine leichte Zunahme ist hingegen bei den Diebstahlsdelikten aus Kraftfahrzeugen zu verzeichnen. 2020 waren 192 Taten registriert worden, 17 Taten mehr als im Vorjahr. Die hohe Aufklärungsquote von 49,48 Prozent basiert unter anderem auf der erfolgreichen Aufklärung von sogenannten Tatserien, erläutert Strier. Ein deutlicher Rückgang sei bei den schweren Diebstählen aus Firmen zu verzeichnen. Wurden in 2019 noch 68 Delikte registriert, waren es 2020 nur noch 36 Delikte.

Zu den Taten, die sich auf das subjektive Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung auswirken können, zählen laut Strier auch Sachbeschädigungen. Erfreulicherweise sei in diesem aufklärungsungünstigen Deliktsfeld nicht nur ein Rückgang der Taten, sondern auch eine signifikante Erhöhung der Aufklärungsquote auf 39,45 Prozent (+ 9,58 Prozent) festzustellen. „Auch in diesem Bereich konnten Tatserien durch intensive strafprozessuale Maßnahmen und Kontrollen aufgeklärt werden“, erläutert der Weyher PK-Leiter. Die Anzahl der Sachbeschädigungen auf Straßen, öffentlichen Plätzen oder Wegen ist ebenfalls deutlich rückläufig (2019: 82 Fälle, 2020: 47 Fälle).

Eine Steigerung verzeichnet das PK Weyhe jedoch bei der Erfassung der Rauschgiftkriminalität - was auch mit verstärkten Kontrollen im Zuge der Corona-Pandemie zusammenhängt. 314 Drogendelikte hat die Polizei 2020 registriert, 2019 waren es noch 163, was einer Erhöhung von 92,64 Prozent entspricht. „Im vergangenen Jahr führten unter anderem die Erhöhung von Kontrollmaßnahmen zur Sicherstellung einer Vielzahl von Beweismitteln und Spurenträgern, die in der Einleitung einer Vielzahl der Ermittlungsverfahren mündeten“, erklärt Pätzold. Bei Drogendelikten handele es sich nämlich um sogenannte „Hol-Kriminalität“. Heißt: Nur die Fälle, die der Polizei auch bekannt werden, können aus dem Dunkelfeld gelangen.

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Zur Sache

Weyhe/Stuhr. Während es in Stuhr und Weyhe 2020 zu weniger Diebstahlsdelikten gekommen ist, stiegen die Vermögens-und Fälschungsdelikte gegenüber dem Vorjahr deutlich an (+ 177 Taten). Der Anteil am Gesamtstraftatenaufkommen beträgt etwa 25 Prozent. Den Großteil der Delikte nehmen dabei die Betrugsdelikte (652 Fälle) ein. In vielen Fällen ist die Kriminalität aber in den virtuellen Raum verlagert worden. Im Bereich des Polizeikommissariats Weyhe haben sich die Fallzahlen, bei denen das Internet bei der unmittelbaren Ausführung eine Rolle gespielt hat, von 217 (2019) auf 320 Fälle erhöht. „Erklärungsansätze hierfür könnten das unmittelbar niedrige Entdeckungsrisiko, der zunehmende Online-Handel, mehr digitale Freizeitgestaltung und nicht zuletzt der üblicherweise schnell zu erlangende finanzielle Vorteil sein“, erklärt Klaus Pätzold, stellvertretender Leiter des Kriminal- und Ermittlungsdienstes. Seit zwei, drei Jahren stellt die Polizei zunehmend Betrugsfälle über das Internet fest, sagt Thorsten Strier, Leiter des Weyher Polizeikommissariats. Schwerwiegendere Delikte, beispielsweise Hackerangriffe, liegen wiederum im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Diepholz.

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