Informationsveranstaltung zum Metronom Kritik am neuen "Wohlfühlfahrplan"

Ottersberg. Den neuen "Wohlfühlfahrplan" hatte Karl Schwinke aus dem Vorstand der Metronom Eisenbahngesellschaft mitgebracht und ließ das Zahlenwerk im Publikum verteilen. Doch den Pendlern aus Ottersberg, Sottrum und Oyten, war so gar nicht zum Wohlfühlen.
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Kritik am neuen
Von Uwe Dammann

Ottersberg. Den neuen "Wohlfühlfahrplan" hatte Karl Schwinke aus dem Vorstand der Metronom Eisenbahngesellschaft mitgebracht und ließ das Zahlenwerk mit dem werbeträchtigen Namen im Publikum verteilen. Doch den Bahnpendlern aus Ottersberg, Sottrum und Oyten, war so gar nicht zum Wohlfühlen. Sie nutzten beim öffentlichen Hearing zum Metronom die Gelegenheit, ihren Unmut über Änderungen der Abfahrtzeiten direkt bei den Verantwortlichen loszuwerden.

Insofern hatte die öffentliche Veranstaltung, zu der die drei Bürgermeister der Gemeinden Ottersberg, Sottrum und Oyten gemeinsam eingeladen hatte, etwas Gutes. Dass die Kritik der Pendler aber zumindest am aktuellen Fahrplan etwas ändert, ist nach der Sitzung unwahrscheinlich.

Schneller und mehr Komfort

In der Aula der Ottersberger Wümmeschule standen sich am Dienstag zwei Fraktionen gegenüber, die sich über einen Sachverhalt auseinandersetzten, der zurzeit kaum auf einen Nenner zu bringen ist. Fakt ist: Der Metronom fährt ab Sonntag, 12. Dezember, auf der Strecke zwischen Hamburg und Bremen und hält künftig an den Bahnhöfen Sottrum, Ottersberg und Oyten-Sagehorn. Was viele Pendler und die Bürgermeister freut, weil der Fahrkomfort in den doppelstöckigen Wagen besser ist, weil die Züge schneller fahren und weil zum ersten Mal eine Direktverbindung in Richtung Hamburg besteht. "Wir haben bereits 1955 beantragt, dass ein Zug in Richtung Hamburg auch bei uns in Ottersberg hält", sagte Bürgermeister Horst Hofmann.

Jetzt ist es also so weit: Was vor allem die Vertreter der Metronom-Eisenbahngesellschaft und des Verkehrsverbundes Bremen/Niedersachsen äußerst positiv finden. Sie stellten die Vorzüge des neuen Systems heraus. Ihnen gegenüber stehen aber vor allem Pendler, die eine Verschlechterung der Zugverbindungen in Richtung Bremen sehen. "Was nützt uns ein Zug nach Hamburg, wenn die Anbindung an Bremen eingeschränkt wird?", fragte Kerstin Meier aus Fischerhude. Das Problem dabei: Der "Schülerzug", der um 7.05 Uhr ab Ottersberg abfährt, hält nicht mehr in Oberneuland. Das heißt die Kinder, die in Bremen das ökumenische Gymnasium oder die Tobiasschule besuchen, müssen entweder schon um 6.39 Uhr mit dem Zug fahren oder mit dem Auto gebracht werden, um pünktlich zur Schule zu kommen. "Ein völliges Unding", empörten sich viele Eltern in der Sitzung.

Zumal auch noch behinderte Schüler den Zug nutzen. Denen sei es erst recht nicht zuzumuten, so eine lange Wartezeit bis zum Schulbeginn zu überbrücken. Dass der Zug in Bremen-Oberneuland nicht mehr hält, liegt, wie berichtet, am zu kurzen Bahnsteig. Da der Metronom um diese Zeit mit sieben Wagen unterwegs ist, darf er aus sicherheitstechnischen Gründen dort nicht halten. Der Oberneulander Bahnsteig sei nur für Züge mit fünf Wagen ausgerichtet und müsse ausgebaut werden, erläuterte Pressesprecherin Hannah Kohn. Die späteren Metronom-Züge könnten wieder in Oberneuland halten, weil sie nur mit fünf Wagen unterwegs sein. "Wir können beim Morgenzug, der stark nachgefragt ist, nicht zwischendurch zwei Wagen abkoppeln", sagte Kohn. Obendrein steigen dort nach den Zählungen der Metronom lediglich im Durchschnitt 14 Bahnpendler aus.

Diese Zahl führte aber zu wütenden Protesten bei den Pendlern. "Das sind deutlich mehr", riefen viele aufgebracht in den Saal. Bis zu 40 nutzten den Halt in Oberneuland zum Ausstieg. Eine Fragerin bezweifelte grundsätzlich, dass der Oberneulander Bahnsteig zu kurz für den längeren Metronom sei. Eine andere Pendlerin beklagte sich darüber, dass auch der Zug, der am späten Nachmittag zwischen den Stundentakten gefahren sei, künftig wegfalle. Weitere Fragesteller wollten wissen, ob die Metronom-Eisenbahngesellschaft an den Bahnhöfen für Barrierefreiheit sorgen werde. Was wiederum Karl Schwinke, aber auch Stephan Baute vom VBN verneinten. "Es gibt das Programm ?Niedersachsen ist am Zug?, darin sind 100 Millionen Euro für den Ausbau von 40 Bahnhöfen im Land ausgewiesen", erläuterte Baute. Aber zum behindertengerechten Ausbau - zumindest bei weniger frequentierten Bahnhöfen wie in Sottrum, Ottersberg oder Sagehorn, die unter die 1000-Pendler-Marke pro Tag fallen, führe dieses Programm nicht. "Dafür reichen die Fahrgastzahlen nicht aus. Es sei denn, die Gemeinden engagieren sich finanziell für den behindertengerechten Ausbau", machte Baute den Pendlern wenig Hoffnung auf eine Verbesserung.

In Oyten - diese Info brachte Bürgermeister Manfred Cordes mit - könnte sich aber Einiges verändern, um die Zahl der Bahnpendler künftig zu erhöhen. Auf die Frage eines Bürgers, ob Veränderungen am Bahnhof Sagehorn geplant seien, antwortete Cordes, dass derzeit in "alle Richtungen gedacht wird". Entschieden sei zwar nichts, aber in diesen Gedankenspielen sei sogar eine Verlegung des Bahnhofes näher an den Ort diskutiert worden.

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