Erweiterung der Milchviehanlage in Felde Kritik an geplantem Kuhstall mit 1400 Plätzen

Landkreis Verden. Anfang Juli ist in Riede-Felde eine Milchviehanlage mit 800 Plätzen eröffnet worden. Die Bauherren haben einen Antrag für eine etwaige Erweiterung gestellt. Demnach könnte der Betrieb auf 1400 Milchkühe ausgedehnt werden.
18.07.2014, 06:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Elisabeth Hintze

Anfang Juli ist in Riede-Felde eine Milchviehanlage mit 800 Plätzen eröffnet worden. Die Bauherren haben einen Antrag für eine etwaige Erweiterung gestellt. Demnach könnte der Betrieb auf 1400 Milchkühe ausgedehnt werden. Landwirtin Anja Clausjohannes-Vöge betont jedoch, dass dies „derzeit nicht vorgesehen“ sei.

Kuhdamm - der Name ist Programm. In der erst kürzlich neu benannten Straße in Riede-Felde (Samtgemeinde Thedinghausen) ist am 5. Juli eine moderne, 400 Hektar große Milchviehanlage mit Platz für 800 Tiere eröffnet worden. Und sie könnte theoretisch noch größer werden, zumindest wenn es nach den Planungen der Agrarbetriebe GCV KG geht. Diese Kommanditgesellschaft hatte zu Beginn des Jahres den Antrag an die Gemeinde gestellt, einen Bebauungsplan aufzustellen, um die rechtlichen Voraussetzungen für eine mögliche Erweiterung zu schaffen: von 800 auf 1400 Kuh-Plätze. Zu diesen Plänen hat sich nun der Landesverband Niedersachsen/Bremen der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) geäußert. Der Verband übt harsche Kritik an dem Vorhaben.

Er befürchtet eine „drohende Verdrängung einer bäuerlichen Milchviehhaltung durch industrielle Größenordnungen“. Den Bestand derart aufzustocken, bedeute für andere Landwirte zudem einen enorm verschärften Wettbewerb auf dem Pachtmarkt. In Zukunft würden zunehmend die großen Molkereikonzerne darüber entscheiden, wer ihnen die Milch anliefern dürfe – und das seien vor allem große Milcherzeuger, die möglichst fabriknah und kostengünstig produzierten – „mit Stallhaltung auf Silomaisbasis statt mit Weidegang in Grünlandbetrieben.“

Landwirtin Anja Clausjohannes-Vöge reagierte überrascht auf die Kritik der AbL. „Im Gemeinderat ist das so durchgewunken worden.“ Zumal es ihr und der KG, die im Übrigen aus ihr selbst, ihrem Sohn, Mann und Ex-Mann bestehe, überhaupt nicht um eine Erweiterung des Stalls gehe. Der Auslöser für ihren Antrag sei lediglich ein Betriebsleiterwohnhaus gewesen.

Keine „Amok-Melker"

Zur Vorgeschichte: Der Gemeinderat Riede hatte während seiner Sitzung am 13. Februar dieses Jahres den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan „Sondergebiet Rindviehhaltung und Wohnen“ bei einer Gegenstimme gefasst. Den Antrag hatte Clausjohannes-Vöge, selbst CDU-Ratsfrau in Riede, im Januar gestellt. Die Aufstellung des Bebauungsplans war notwendig geworden, weil ihr und der KG im vergangenen Jahr zwar die Baugenehmigung für den Neubau eines Milchviehbetriebes erteilt wurde, ein geplantes Betriebsleiterwohnhaus allerdings nicht. „Eine Anlage in der Größe kann aber nicht unbeaufsichtigt bleiben“, erklärt Clausjohannes-Vöge. Deshalb sei das Wohnhaus unabdingbar. Die Samtgemeinde Thedinghausen wird sich voraussichtlich im September mit der Änderung des Flächennutzungsplans befassen.

Eine Aufstockung des Betriebes, wie vom AbL kritisiert, ist laut Clausjohannes-Vöge „rein theoretisch“ und derzeit „überhaupt nicht geplant“. „Uns geht es in erster Linie um das Haus.“ Böse Zungen gebe es leider immer, aber ihren Kühen gehe es gut. „Davon kann sich jeder überzeugen, der unseren Stall besucht.“

Der AbL-Landesvorsitzende und Milchbauer Ottmar Ilchmann bekräftigte die Entschlossenheit, gemeinsam mit dem Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) und dem europaweiten „Milkboard“-Zusammenschluss der Milchbauern weiter für eine stärkere Marktstellung der Milchbauern zu kämpfen. Angesagt sei ein Preis-Wachstum und nicht die perspektivlose Fortsetzung eines Mengenwachstums durch immer mehr „Amok-Melker“.

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