Unternehmen unterstützt Domgymnasium mit 10000 Euro im Jahr Kritik an Kooperation von Schule und RWE

Bereits im siebten Jahr kooperiert das Verdener Domgymnasium mit der RWE Dea. Andreas Noltemeyer von der Bürgerinitiative „No Fracking“ hat bei dieser Zusammenarbeit jedoch große Bedenken.
28.11.2013, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Stephen Kraut

Bereits im siebten Jahr kooperiert das Verdener Domgymnasium mit der RWE Dea, „um die Schüler stärker für naturwissenschaftliche Berufe zu interessieren“, wie es vom Domgymnasium heißt. Andreas Noltemeyer von der Bürgerinitiative „No Fracking“ hat bei dieser Zusammenarbeit jedoch große Bedenken.

Ein Weg im Kampf gegen Fachkräftemangel oder schlicht eine Möglichkeit, die eigene Außenwirkung positiv zu unterstützen? Bereits im siebten Jahr kooperiert das Domgymnasium mit der RWE Dea. Während Schulleiter Detlev Lehmann darin vor allem eine notwendige Unterstützung des naturwissenschaftlichen Bereichs sieht, befürchtet Andreas Noltemeyer von der Bürgerinitiative „No Fracking“ eine einseitige Ausrichtung der Schule.

„Wir erhalten jährlich 10000 Euro“, erklärt Detlev Lehmann, wie sich die Kooperation im Domgymnasium bemerkbar macht. Das Geld ist zweckgebunden für den naturwissenschaftlichen Bereich. „Wir investieren vor allem in Experimentierkästen, die unsere Physik-Schüler für den praktischen Teil ihres Zentralabiturs benötigen“, so Lehmann. „Darüber hinaus erhalten wir Netbooks, die fachübergreifend genutzt werden können.“ Außerdem informierten Experten im Seminarfach über bestimmte Themenkomplexe.

Ein Seminarfach ist ein Kursus in der gymnasialen Oberstufe, in dem wissenschaftliche Arbeitsweisen – auch im Hinblick auf ein Studium – sowie fachübergreifende Themen erarbeitet werden sollen. „Hier haben wir auch den Komplex ’Erdgas – Energie der Zukunft?’, den die Schüler unter anderem auswählen konnten“, sagt Lehmann. Dabei würden verschiedene Arten der Energiegewinnung miteinander verglichen – „kritisch“, wie der Schulleiter betont. „Wer nur schreibt, was der Experte von RWE Dea sagt, bekommt zwangsläufig eine schlechte Note, weil er sich nicht differenziert mit dem Thema beschäftigt hat“, sagt Lehmann. „Da habe ich von Schüler-Seite etwas anderes gehört“, sagt Andreas Noltemeyer auf Anfrage. „Vor einer Weile kam eine Schülerin zu uns als Bürgerinitiative, weil sie einen Aufsatz zum Thema Erdgas schreiben musste und die Thematik von allen Seiten beleuchten wollte. Sie deutete an, dass ansonsten Kritik etwas kurz kommt.“

„Nichts ohne Hintergedanken“

Noltemeyer hat generell große Bedenken bei dieser Zusammenarbeit. „Ich halte das für eine sehr einseitige Ausrichtung“, sagt er. „RWE Dea macht sicherlich nichts ohne Hintergedanken.“ Er befürchtet zudem eine Verwischung der Grenzen.

„Wenn man diesen Prozess zuende denkt, wo kommt man da hin? McDonald’s, das in der Schule über Ernährung informiert, oder Bayer, das Kurse über Pharmazie anbietet?“ Für ihn ist in erster Linie ein positiveres Image in der Region ein Grund für die Unterstützung des Verdener Gymnasiums seitens des Unternehmens, das durch die Fracking-Diskussion in die Kritik geraten ist. Schulleiter Lehmann entgegnet, zwar gebe es einen Image-Gewinn. Aber in erster Linie würden nur die rund 20 Schüler in dem entsprechenden Kursus angesprochen. Im Vordergrund stehe, das Interesse für naturwissenschaftliche Berufe zu wecken.

Auch Langwedels Bürgermeister Andreas Brandt sieht die Kooperation als einen guten Weg, dem Fachkräftemangel zu begegnen. „Die Zusammenarbeit ist sicher förderlich“, sagt er. Man dürfe zudem nicht vergessen, dass es sich bei RWE Dea um ein legal arbeitendes Unternehmen handele, das in verschiedenen Bereichen fachlich gut informieren könne.

Eine Zusammenarbeit, wenn auch nicht auf finanzieller Ebene, strebt auch die Oberschule am Goldbach in Langwedel mit dem ebenfalls im Flecken ansässigen Unternehmen an. „Wir würden gerne im Rahmen entsprechender Themenkomplexe mit der RWE Dea zusammenarbeiten“, informiert Konrektor Derik Eicke. „Diese Kooperation klappt bereits mit anderen Unternehmen gut.“ Allerdings sei auch Fingerspitzengefühl geboten: „Zunächst einmal muss man als Schule vorsichtig sein, wenn ein Unternehmen Geld anbietet. Aber man kann nicht generell sagen, dass so eine Zusammenarbeit schlecht ist. Das müsste man im Einzelfall prüfen und dem Unternehmen klarmachen, dass es keine Gegenleistungen zu erwarten hat.“

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