Worpswede Künstlerdorf saniert und modernisiert Museen

Worpswede.Bis 2013 werden die Kunsthäuser im Dorf saniert und modernisiert. Die Museen sollen ihr Profil schärfen; der Verbund entwickelt ein Gesamtkonzept und Marketingstrategien. 9,3 Millionen Euro stehen Jäger und seinem Team zur Verfügung, das Gros kommt von der EU.
31.08.2010, 21:20
Lesedauer: 2 Min
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Von Michael Wilke

Worpswede. Matthias Jäger, Geschäftsführer der Worpsweder Museumsverbundes, freut sich auf das 'Riesenprojekt': Bis 2013 werden die Kunsthäuser im Dorf saniert und modernisiert. Die Museen sollen ihr Profil schärfen; der Verbund entwickelt ein Gesamtkonzept und Marketingstrategien. 9,3 Millionen Euro stehen Jäger und seinem Team zur Verfügung, das Gros kommt von der EU. Ohne die Millionen aus Brüssel - das steht für Jäger fest - wären die Museen bald am Ende.

Der Masterplan des Landes soll Worpswede zur 'kulturtouristischen Premiummarke', zum 'Leuchtturm' in der Kunstlandschaft machen. Manchen Worpswedern, auch einigen Künstlern, geht das gegen den Strich. Die einen sprechen von Geldverschwendung, die anderen sehen eine rasante Kommerzialisierung: Kunst verkomme zum Mittel, um zahlungskräftige Kundschaft ins Dorf zu locken.

Wenn der Kunst- und Museumsbetrieb ohne Masterplan und EU-Millionen weiterginge wie bisher, würde Worpswede 'in zehn bis zwanzig Jahren kulturell und kulturtouristisch keine Rolle mehr spielen', warnt Matthias Jäger. 'Alle Häuser sind seit Jahrzehnten unterfinanziert und personell unterbesetzt', sagt der Geschäftsführer des vor einem halben Jahr gegründeten Museumsverbundes. 'Alle wussten: Wir müssen was machen. Aber keiner wusste, woher das Geld kommen sollte.'

Schlimmstes Beispiel ist das Haus im Schluh, in dem Martha Vogeler nach der Trennung von Heinrich Vogeler und dem Auszug aus dem Barkenhoff mit ihren Töchtern lebte. Die Reetdächer sind marode; die Vogeler-Sammlung ist gefährdet. Jetzt werden die über 300 Jahre alten Bauernhäuser für 1,93 Millionen Euro saniert und modernisiert. Eine Sanierung allein würde Worpswedes Museen nicht voranbringen - davon sind Jäger und Sabine Schlenker, künstlerische Leiterin des Museumsverbundes, überzeugt. 'Die Klima- und Sicherheitsanlagen sind total veraltet', sagt Schlenker. 'Wir kriegen keine Leihgaben mehr, wenn wir technisch nicht auf dem neuesten Stand sind.'

Jäger verweist auf die Konkurrenz: Großstädtische Kunsthallen hätten in den vergangenen 20 Jahren 'sehr stark aufgerüstet Wenn wir nicht aufholen, werden wir nicht konkurrenzfähig sein.' Es reiche längst nicht mehr, Bilder aufzuhängen, sagt Sabine Schlenker. 'Eine Ausstellung muss ein Thema haben, ein Konzept, sie muss eine Geschichte erzählen.' Unternehmerisches Denken und Marketingstrategien seien heute Standard, betont Jäger. Das Bildungsbürgertum, früher tragende Säule des Worpsweder Kunstbetriebs, sterbe langsam aus. Heute hätten es die Museen mit einem Besucher neuen Typs zu tun. 'Wir konkurrieren mit der Freizeitindustrie', sagt Jäger. 'Heute fragen sich die Leute: ,Fahr? ich ins Grüne, mach? ich Sport oder gehe ich ins Museum??'

Erfolgreiche Häuser arbeiten nach den Worten von Jäger und Schlenker mit fundierten Konzepten, moderner Präsentation und ausgefeilten Marketingstrategien. Sabine Schlenker soll mit den Museen ein Gesamtkonzept und ein gemeinsames Marketing entwickeln. 'Man muss das Profil der Häuser schärfen, damit klar wird: Das ist ein Puzzle. Erst wenn ich alle sehe, habe ich ein Gesamtbild', erklärt Matthias Jäger. 2007 hat das geklappt. Im 'Paula-Jahr rückten alle Museen Paula Modersohn-Becker in den Blick, zusammen mit Bremen. Die Zahl der Tagesgäste und Übernachtungen stieg um 30 Prozent.

So soll es weitergehen. Im Vogeler-Jahr 2012 zeigen alle Museen unterschiedliche Facetten des Künstlers Heinrich Vogeler. 2014 folgt das große Worpsweder Jubiläumsfest: 125 Jahre Künstlerkolonie.

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