Bernd Althusmann in Bruchhausen-Vilsen Kultusminister eröffnet Brokser Heiratsmarkt

Bruchhausen-Vilsen. Zum Kampf gegen den demografischen Wandel rief Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann bei der Eröffnung des Brokser Heiratsmarkts auf. Heißt übersetzt: Der Christdemokrat forderte die Marktbesucher dazu auf, mehr Kinder zu machen.
28.08.2010, 07:40
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Von Jörn Dirk Zweibrock

Bruchhausen-Vilsen. Zum Kampf gegen den demografischen Wandel rief Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann bei der Eröffnung des Brokser Heiratsmarkts auf. Heißt übersetzt: Der Christdemokrat forderte die Marktbesucher dazu auf, mehr Kinder zu machen.

Die Schülerzahlen in Niedersachsen sollen - nach Worten des Ministers - in den kommenden Jahren zwischen 20 und 40 Prozent rückläufig sein. Wegen des starken Regens und Matsch auf dem Marktgelände eröffnete der Kultusminister den Markt nicht wie traditionell üblich am Denkmal, sondern im gut gefüllten Remmer-Zelt. Bruchhausen-Vilsens Samtgemeindebürgermeister Horst Wiesch verlieh dem CDU-Politiker die 'Insignien der Macht'. Und so wurde aus Kultusminister Bernd Althusmann Heiratsvermittler 'Bernd I.'. Als dieser, mit Kette behangen, auf die lange Reihe seiner prominenten Vorgänger schaute, und den Namen des ehemaligen Niedersächsischen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder erblickte, ulkte Althusmann in Anspielung auf dessen vier Ehen: 'Der war wohl schon öfter hier.'

Die weißen Handschuhe, die ihm Horst Wiesch überreichte, erinnerten Althusmann an seine Offiziers-Laufbahn bei der Bundeswehr. Damit sei früher an den Wochenenden immer Staubkontrolle auf den Schränken gemacht worden. Schnell noch den weißen Schal und den passgenauen schwarzen Zylinder angezogen und schon konnte der 43-Jährige über die Ehe im Allgemeinen philosophieren. Heiraten bedeute, seine Rechte zu halbieren und Pflichten zu verdoppeln, meinte Althusmann. Die Ehe sei der Versuch, zu zweit halb so glücklich zu werden wie alleine. Der Minister lieferte auch prompt ein Beispiel für eine Musterehe: 'Sie lieben sich, streiten sich nicht und kommen jeden Tag ein Stück voran.' Gemeint war damit die schwarz-gelbe Koalition. Nein, nicht die im Bund, sondern die im Land.

Wenn alle, die sich aus Spaß auf dem Brokser Heiratsmarkt trauen ließen, jeweils vier Babys zeugen würden, wären dies insgesamt 480 Kinder. Damit könnte die gesamte Sekundarstufe I, also die Klassen fünf bis zehn, gefüllt werden, forderte Althusmann die Marktbesucher zum Kampf gegen den demografischen Wandel auf. Schon im Vorfeld hatte sich eine schwangere Kreistagsabgeordnete die Worte des Kultusministers zu Herzen genommen. Stolz präsentierte sie bei der Markteröffnung ihren Babybauch.

Mit drei Hammerschlägen stach er anschließend das Fass mit Uwe Stoffregens Heiratsbräu an und gab somit den offiziellen Startschuss für den Brokser Markt 2010. Die traditionellen drei Böllerschüsse, die zuvor abgefeuert wurden, hatten weniger eine durchschlagende Wirkung.

Bis Dienstag geht der Brokser Markt. Doch wo verabredet man sich seit Jahrzehnten während der fünf Markttage? Natürlich am Denkmal. Früher hätten die Kinder dort schon um 15 Uhr auf ihre Eltern gewartet, obwohl sie erst eine Stunde später verabredet gewesen wären. Warum? Weil die fünf Mark Marktgeld schon verjubelt waren, blickte Fleckensbürgermeister Peter Schmitz (SPD) in seiner Rede zurück. Jahre später hätte man sich dann als Schüler mit seiner Angebeteten am Denkmal verabredet - natürlich nicht, ohne vorher einen entsprechenden Zettel mit dieser auszutauschen. Heute würden sich die jungen Leute per Facebook und Twitter am Denkmal verabreden. 'Ich wünsche Ihnen, dass sie viele liebe Freunde am Denkmal treffen', wandte sich Peter Schmitz an die Gäste.

Dorthin war auch Landrat Gerd Stötzel geeilt, bevor er als Vorsitzender der Metropolregion Bremen/Oldenburg weiter zur Sail in die Seestadt Bremerhaven musste. Im Gegensatz zum Brokser Markt jedoch ein eher 'unbedeutendes' Ereignis, scherzte der Landrat. Gerd Stötzel hob in seiner Rede die Bedeutung des Marktes für die Binnenkonjunktur hervor. Er riet den Besuchern, nicht zu sparen, sondern in den fünf Markttagen ordentlich Geld auszugeben, um so die Binnennachfrage zu stabilisieren.

Nach 'Bernd I.' wünscht sich Samtgemeindebürgermeister Horst Wiesch für einen der nächste Märkte eine Frau als Heiratsvermittlerin - daraus machte er keinen Hehl. Fast hätte es mit Althusmanns Vorgängerin Elisabeth Heister-Neumann ja auch geklappt. Wenigstens erhöhen sich durch die Umbildung des Kabinetts die Chancen, künftig eine Ministerin als Heiratsvermittlerin in den Luftkurort zu locken.

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