Jan-Hendrik Brinkmann

Der Gefühlsvermittler

Jan-Hendrik Brinkmann zieht es von Schnepke hinaus in die Welt. Der aufstrebende Künstler bereitet sich auf seine neue Ausstellung in Hannover vor. Mit dabei: Bilder aus der Heimat.
07.10.2020, 17:27
Lesedauer: 8 Min
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Von Rita Behrens
Der Gefühlsvermittler

Jan-Hendrik Brinkmann aus Schnepke bereitet sich auf seine Ausstellung in Hannover vor. Mit dabei: Bilder aus der Heimat.

Vasil Dinev

Syke-Schnepke. Jan-Hendrik Brinkmann, ein junger aufstrebender Künstler aus Syke-Schnepke, wohnhaft in Hannover, arbeitet zurzeit sehr intensiv an der Vorbereitung seiner Ausstellung im dortigen Ihme-Zentrum. Er sagt, er sei schon sehr gespannt darauf, welche Wirkungen seine Werke auslösen. Sie werden in wenigen Wochen, ab dem 13. November in der Galerie Brutal, zu sehen sein. Rechtzeitig zum Eröffnungstag soll ein umfassender Katalog erscheinen.

Brinkmann ist zwar in Achim geboren, genoss aber nach eigenen Angaben eine harmonische Kindheit in Schnepke. Schon als Schüler des Syker Gymnasiums entschied er sich für den Kunstzweig. In Bezug auf seine künstlerische Entwicklung an der Universität Osnabrück nennt er primär die Klassen der Professoren Thomas Rohrmann (Druckgrafik und Malerei) und Claude Wunschik (Siebdruck). Sein Master-Studium schloss er mit einer Arbeit über Einflüsse der Pop-Art auf das malerische Werk Daniel Richters ab. Zudem erhielt er 2015 den Piepenbrock-Kunst-Förderpreis. Seit 2013 ist er bereits an zahlreichen Gruppenausstellungen beteiligt gewesen. So auch 2020 an der Arrt-Pop-Galerie-Aktion „2 Meter Kunst“. Sie fand in der Folge des Corona-Shutdowns im Bremer Viertel und der Neustadt statt.

Zwei seiner Originalgemälde hat Brinkmann zum Gespräch mitgebracht. Auffallend sind zunächst die äußerst kräftigen expressiven Farben und die Körpersprache der Figuren, wie bei der sitzenden Frau in roter Jacke. Das Werk trägt den Titel „Gebet [om]“. Allein die Außenperspektive führt zu einer individuellen Auseinandersetzung mit dem Gesehenen. Für den Künstler selbst gilt: Das Bild „zeigt eine ausgeführte Handlung, die fotografisch von jemandem festgehalten wurde. Wabernde Farbflächen verweigern dem Betrachter der Malerei einen Blick in den Bildraum, den Blick in die Tiefe. So scheint diese Handlung ritualisiert.“ Trotz der oftmals „angenehmen Inhalte, die aber doch in der Regel ambivalent bleiben“, sollen die ins Auge fallenden Farben Unruhe auslösen. So beschreibt der Maler seine Intention. „Keinesfalls“ gehe es um sentimentale Emotionen. Mittels der Verfremdung solle ein solcher Effekt vermieden werden. Ein Blick in sein „Schwarzes Buch“ gibt über vorbereitende Studien Aufschluss. Auch eine detaillierte Zeichnung der Frau mit roter Jacke ist in dem Skizzenbuch enthalten. Ihren Ursprung legt Brinkmann anhand eines Fotos offen. Es zeigt sie mit anderen Personen in einer Alltagssituation.

Anhand eines digitalen Portfolios verdeutlicht der junge Maler die Relevanz seiner Bildtitel. Die Kennzeichnung bestehe aus dem explizit Lesbaren, das mittels der Lautsprache – in eckigen Klammern – eine zweite Komponente erhält. Diese bewirke einen unübersetzbaren klanglichen Akzent. Die Laute geben den Ton des Bildes an. Diese Eigenheit zeigt sich auch am Beispiel des zweiten Ölgemäldes „Karussel [hou]“. Ins Englische übersetzt wird daraus: „Carousel [hou]“. Bildhaft dargestellt ist hier eine männliche Person vor einem landschaftlichen Hintergrund. Zusammen wahrgenommen, wirken Bildinhalt und -titel sicherlich wie ein Ansporn auf potenzielle Rezipienten.

Der 30-Jährige klärt unverhüllt über die eigene regionale Verbundenheit und die Entstehung seiner Arbeiten auf. „Alle meine Bilder, seien es solche grafischer oder malerischer Natur, beziehen sich auf den Landstrich, an dem ich aufgewachsen bin.“ Als „Bildquellen“ bezeichnet er Fotos aus Familienalben, aber auch Schnappschüsse, die die heimische landschaftliche Umgebung abbilden. Die Figuren seien zwar real, würden aber aus ihrem ursprünglichen Kontext gelöst, um deren Allgemeingültigkeit zu erhöhen. Im Resultat ergebe sich collagenartig ein Bild. Das Gemälde „Eine Symphonie in Stop-Motion [drrr uh drrr om drrrratatatam]“ von 2019 zeigt „einen Mann in Warteposition, die Landschaft ist aus verschiedenen zusammengesetzt“. Hierzu betont der Künstler: „Vermittelt werden soll das Gefühl, nicht aber eine reale Landschaft.“ Weitere Bildelemente sind ermittelbar, etwa eine Dorf-Silhouette, die Marschfahne eines Spielmannszuges sowie Girlanden.

Sobald der schöpferische Prozess beginne, erfolge eine „Übersetzung des Gesehenen“: Folglich bleibt es nicht mehr das, was es einmal war. Das Anliegen der „künstlerischen Wahrheit“ sei bei jeder thematischen Auseinandersetzung grundlegend. Doch Brinkmann gibt zu bedenken: „Kunst soll nicht gefällig sein!“ Die „Konstruktionsmacht“ liegt damit unabdingbar in der Hand des Künstlers. Adäquat lautet also sein Statement: „Sobald das Publikum eingeladen ist, an dem großen Initiationsritus teilzunehmen, wird es vielleicht im nächsten Moment wieder ausgeladen.“ Allerdings: „Ohne dass eine Absicht dahinter steht.“ Übrigens, die Werke zeigen „Initiationsriten auf dem Dorf, rituelle Handlungen und Bräuche“ – Auf die Ausstellung kann also jeder gespannt sein.

Ein erster Einblick lässt sich auf dem „immer aktuellen“ Instagram-Account (@omta_omta) gewinnen, zudem im Internet unter (www.jhbrinkmann.de).

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