Auflösungs-Antrag abgelehnt Landeskirche lässt Kirchenvorstand im Amt

Worpswede. Zehn Monate haben die Juristen im Landeskirchenamt die Vorwürfe geprüft und juristisch abgewogen. Jetzt haben sie entschieden: Der Worpsweder Kirchenvorstand wird nicht aufgelöst; er bleibt im Amt. Mitglieder des Kirchenvorstands reagierten mit Genugtuung.
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Michael Wilke

Worpswede. Zehn Monate haben die Juristen im Landeskirchenamt die Vorwürfe geprüft und juristisch abgewogen. Jetzt haben sie entschieden: Der Worpsweder Kirchenvorstand wird nicht aufgelöst; er bleibt im Amt. Das bestätigte gestern Johannes Neukirch, Sprecher der Landeskirche in Hannover. Mitglieder des Kirchenvorstands reagierten mit Erleichterung und Genugtuung auf die Nachricht .

'Wir fühlen uns bestätigt', sagte der stellvertretende Vorsitzende des Kirchenvorstands, Jann Lüning. 'Ich habe immer auf die Unbestechlichkeit des Landeskirchenamts vertraut.' Offensichtlich hätten die Interventionen von Seiten der Kirchenkreisleitung nicht gefruchtet. Immer wieder sei versucht worden, in Hannover neue Vorwürfe vorzutragen. Ständig habe es 'Störfeuer' gegeben. Jetzt wartet Lüning darauf, dass Eckart Richter wie angekündigt von seinen Kirchenämtern zurücktritt.

Eckart Richter, Kirchenvorsteher in Pennigbüttel, Vorsitzender des Kirchenkreistags und Mitglied der Landessynode, hatte das Landeskirchenamt am 4. Dezember 2009 aufgefordert, den Worpsweder Kirchenvorstand 'mangels gedeihlichen Wirkens' aufzulösen. Er begründete seinen Antrag mit schwerwiegenden Vorwürfen: Die Kirchenoberen im Künstlerdorf verbreiteten Unwahrheiten, setzten Mitarbeiter so unter Druck, dass sie krank würden und verweigerten jede Kooperation mit Nachbargemeinden. Zugleich forderte Richter die Versetzung des Pastors Ewald Dubbert. Der ging vor einem halben Jahr vorzeitig in den Ruhestand. Richter sprach von einer Gewissensentscheidung. Als Christ habe er nach dem Studium von Akten und Dokumenten der Landeskirche nicht anders handeln können (wir berichteten).

Lüning sieht das ganz anders. Richters Antrag platzte in die Vorweihnachtszeit. Da sei 'alle Unruhe abgeebbt' gewesen, findet Lüning. Die neue Diakonin Ilona Wellbrock habe die Jugendarbeit im Jugendzentrum Scheune in ein ruhiges Fahrwasser gebracht. Die erneute Konfrontation, Unruhe und Konflikte habe die Gemeinde 'Herrn Richter zu verdanken', glaubt Lüning.

Eckart Richter kommentierte die Nachricht, die die Redaktion aus zuverlässigen Quellen erfuhr, und erste Reaktionen darauf nicht. 'Ich kenne das Ergebnis nicht. Solange mir kein Schriftstück vorliegt, sage ich keinen Ton', erklärte er. Zurückhaltend reagierte auch der neue Pastor und Worpsweder Kirchenvorstandsvorsitzende Kurt Liedtke. Er kenne den Beschluss des Landeskirchenamts nicht, betonte der Seelsorger und fügte hinzu: 'Ich bin erleichtert, dass eine Entscheidung gefallen ist und dass wir die Probleme, die da sind, nun in Ruhe angehen können.' In Worpswede seien 'an verschiedenen Stellen Konflikte aufgebrochen. Die müssen natürlich bearbeitet werden'.

Franzke fordert Rehabilitation

Liedtkes Vorgänger Ulf Franzke fühlt sich bestätigt. Er habe 'immer gewusst, dass sich die falschen Anschuldigungen und Halbwahrheiten, die Herr Richter und andere geäußert haben, nicht bestätigen', sagte Franzke. Die Landeskirche habe unvoreingenommen und sachlich entschieden. Versuche 'von interessierter Seite, insbesondere von Herrn Richter und der Kirchenkreisleitung, die Landeskirche zu beeinflussen,' hätten nicht gefruchtet, erklärte Franzke. 'Der Kirchenvorstand erwartet, dass die Initiatoren dieses unwürdigen, das Ansehen der Kirche und ehrenamtlich tätiger Personen schädigenden Verfahrens die Mitglieder des Worpsweder Kirchenvorstands rehabilitieren, persönliche Konsequenzen ziehen und zu einer fruchtbaren Zusammenarbeit im Sinne der Kirche zurückkehren.'

Die Superintendentin Jutta Rühlemann kommentierte die Entscheidung gestern nicht: 'Solange mir das Schreiben nicht vorliegt, werde ich dazu öffentlich nichts sagen.' Sie wunderte sich jedoch über 'vollmundige Äußerungen' von Worpsweder Kirchenvorstandsmitgliedern und über die Einschätzung, dass in der Gemeinde alles in Ordnung sei, sagte Rühlemann. 'Wenn das so wäre, hätte es diese Auseinandersetzungen nicht gegeben.' Der Kirchenkreisvorstand bleibe seiner Linie treu, keine Interna in die Öffentlichkeit zu tragen.

Das Landeskirchenamt hat mehrmals betont, dass die Auflösung eines demokratisch gewählten Kirchenvorstands nur als letztes Mittel in Frage kommt. Eine Amtsenthebung sei 'keine Sanktion für vergangenes Fehlverhalten, sondern eine Aufsichtsmaßnahme, um eine geordnete Leitung der Kirchengemeinde sicherzustellen', betont Neukirch. Die Landeskirche habe zwar 'Rechtsverletzungen, insbesondere im Bereich des Arbeitsrechts, ermittelt', könne aber nicht feststellen, dass der Kirchenvorstand das Recht beharrlich, hartnäckig, mutwillig und unbelehrbar verletzt habe. Pflichtverletzungen und Vernachlässigungen im Arbeitsrecht würden nun vom Kirchenvorstand mit Hilfe des Kirchenkreisamts aufgearbeitet.

In den Augen der Kirchenjuristen wäre die Auflösung des Vorstands 'unverhältnismäßig' gewesen. Vorrang hätten 'kirchliche Aufsichtsmittel' wie die Beanstandung von Beschlüssen und Anordnungen. 'Beanstandungen bei mitarbeiterrechtlichen Maßnahmen' hätten bereits zur Aufhebung von Beschlüssen geführt, erklärt Neukirch. Auch beträfen die Pflichtverletzungen nicht die gesamte Arbeit des Vorstands. Bei den Kindergärten, der Kirchenmusik und dem Bibelprojekts gebe es keine Beanstandungen. Ungedeihlich handele ein Kirchenvorstand, wenn er nötige Beschlüsse nicht mehr fasse und handlungsunfähig sei, betonen die Kirchenjuristen. Die Landeskirche baut darauf, dass der Kirchenvorstand 'zu besserer Kommunikation in Gemeinde und Kirchenkreis findet'. Sie erwartet, dass der Vorstand nun 'den Dialog auch mit den Personen in der Kirchengemeinde und im Kirchenkreis sucht, die sich für die Auflösung des Kirchenvorstandes ausgesprochen haben.'

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+