Landgericht Verden

Mutter gesteht Tötung ihres Sohnes

Bei dem Prozess gegen eine 41-Jährige, die im vergangenen Jahr in Rotenburg ihren Sohn getötet haben soll, hat die Angeklagte vor dem Landgericht Verden nun eine Einlassung verlesen lassen.
02.05.2021, 14:03
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Angelika Siepmann
Mutter gesteht Tötung ihres Sohnes

Symbolbild.

David-Wolfgang Ebener/DPA

Am ersten Verhandlungstag hatte sie nur mühsam einige Angaben machen können. Die Befragung der Frau, die sich in spürbar schlechter Verfassung befand, wurde bald abgebrochen. Bei der Fortsetzung des Schwurgerichtsprozesses am Verdener Landgericht erfolgte nun die angekündigte Einlassung durch Erklärung der Verteidigerin. Was die Anwältin verlas, stellt ein weitgehendes Geständnis der inzwischen 41-jährigen Angeklagten dar, die ihr vierjähriges Kind am Abend des 5. November vergangenen Jahres in Rotenburg getötet haben soll (wir berichteten).

„Auf einmal stand ich vor der Brücke. Und dann war mein Sohn nicht mehr auf meinem Arm“, heißt es in der Darstellung der dramatischen Geschehnisse. „Der Moment, in dem ich meinen Sohn über das Geländer warf, existiert für mich nicht. Ich kann mich daran überhaupt nicht erinnern.“ Sie suche seither „jeden Tag nach Erklärungen, wie es zu dieser furchtbaren Tat kommen konnte“. Dass sie aufgrund vorheriger Vorfälle offenbar Angst hatte, das Sorgerecht für den Jungen zu verlieren, wurde bestätigt: Sie habe nicht ansehen wollen, „wie das Jugendamt mir mein Kind wegnimmt“. Religiöse Gründe sollen indes, entgegen der Anklage, keine Rolle gespielt haben. Dies sei nie ihr Gedanke gewesen, sie könne sich auch nicht an entsprechende Äußerungen erinnern.

Kind zu heiß abgeduscht

Ein Eingreifen des Jugendamtes befürchtete die Frau nicht von ungefähr. Einige Tage vor der eingeräumten Tat hatte der Junge zuhause schwere Verbrennungen erlitten, als die Mutter ihn in der Badewanne waschen wollte. Das Kind habe sich gesträubt; sie sei damit beschäftigt gewesen, ihn in der Wanne festzuhalten und habe dann vor dem „Abduschen“ nicht die Wassertemperatur überprüft. Als er immer weiter geweint und geschrien habe, sei sie nicht darauf gekommen, dass dies wegen des zu heißen Wassers sein könnte. Sie habe den Strahl aber sofort von ihm weggehalten, als sie bemerkt habe, „dass das Wasser dampfte“. Die Verletzungen seien zunächst mit einer aus einer Apotheke besorgten Creme behandelt worden.

Am 2. November habe man den Sohn dann in die Rotenburger Klinik gebracht. An dem von einem Arzt erbetene Gespräch mit den Eltern habe sie nicht teilnehmen wollen, um das Kind nicht allein im Zimmer lassen zu müssen. Ihr Ehemann habe ihr dann mitgeteilt, sie solle sich darauf vorbereiten, dass das Jugendamt ihnen „vermutlich“ den Sohn wegnehmen werde. „Beim zweiten Mal“ werde man wohl keine Chance haben. Denn die Familie war schon einmal in den Fokus der Behörde geraten. Die 2012 geborene Tochter sei anderthalbjährig vorübergehend in Obhut genommen worden, nachdem der – unberechtigte – Verdacht entstanden sei, die Mutter könnte das Mädchen gewürgt haben. Nach einer „Sorgerechtsverhandlung“ habe man die Tochter zurückbekommen.

„Wie in einem Tunnel“

An jenem Donnerstag im November war die Angeklagte mit ihrem Sohn über Balkon und Feuertreppe aus der Klinik entkommen. Sie könne nicht beschreiben, welchen Weg sie genommen habe, sei dabei „wie in einem Tunnel“ gewesen. Nach der Tat will sie mehrfach versucht haben, sich selbst das Leben zu nehmen. Sie habe sich erst ertränken wollen, und als dies nicht gelungen sei, vergeblich versucht, sich von einem Zug überrollen zu lassen. Danach sei sie ziellos durch die Gegend gegangen. Derweil lief die Suche nach Mutter und Kind bereits auf Hochtouren.

Die Leiche des Jungen war gegen Mitternacht aus der Wümme geborgen worden. Laut Obduktionsbefund ist das Kind ertrunken. Es sei „lebend ins Wasser gekommen“, sagte eine als Zeugin vernommene Rechtsmedizinerin. Die Brandverletzungen vom Baden ließen derweil darauf schließen, dass das Wasser eine „ungewöhnliche hohe Temperatur“ hatte und es möglicherweise auch ein „Eintauchen“ gegeben habe.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+