Beseitigung kostet 55.000 Euro

Landkreis Oldenburg verzeichnet erneut Zunahme wilder Müllkippen

Der Landkreis Oldenburg hat 2020 mit über 900 Fällen erneut eine Zunahme wilder Müllkippen verzeichnet. Deren Beseitigung kostet rund 55.000 Euro jährlich. Wer erwischt wird, für den kann es teuer werden.
02.02.2021, 14:28
Lesedauer: 4 Min
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Von Kerstin Bendix-Karsten

Corona lässt viele Menschen häuslich werden – gezwungenermaßen. Viele kochen mehr daheim, entrümpeln, renovieren und bringen den Garten auf Vordermann. Die neue Häuslichkeit führt dazu, dass deutlich mehr Müll in den Privathaushalten anfällt. Das haben im vergangenen Jahr auch die Mitarbeiter der Wertstoffhöfe des Landkreises Oldenburg zu spüren bekommen. „Die Kundenanzahl ist deutlich mehr geworden“, berichtet Uwe Dölemeyer vom Amt für Bodenschutz und Abfallwirtschaft beim Landkreis Oldenburg. Seiner Einschätzung nach haben die meisten Bürger, die während ihrer neuen Häuslichkeit ausgemistet haben, den Weg zu den Wertstoffhöfen gewählt, um ihren Müll loszuwerden. Doch nicht immer wird der anfallende Abfall auf legalem Weg entsorgt, sondern landet in der Landschaft.

Mit Sorge verfolgt der Nabu Niedersachsen eine zunehmende Vermüllung der Landschaft. „Dabei drängt sich der Verdacht auf, dass viele Mitmenschen seit dem Beginn des Lockdown die mitgenommenen Verpackungen von Speisen und Getränken einfach in der Landschaft entsorgen: Viele Gräben, Straßenränder, Feldgehölze, Äcker und, wie wir aus zahlreichen Beschwerden hören, sogar Gärten werden durch Dosen, Flaschen, Gläser, Pizzapappen und Schaumstoffbehälter geziert“, berichtet Rüdiger Wohlers vom Nabu Niedersachsen Mitte Januar. Das sei bedenklich und könne nicht hingenommen werden. "Es ist ein Rückfall in unselige Zeiten wie vor 30 oder 40 Jahren, als Abfall oft sorglos in die Natur geworfen wurde – darüber sollten wir doch längst hinweg sein“, sagt Wohlers.

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Dass durch den Corona-Lockdown die Vermüllung der Landschaft zugenommen hat, würde Uwe Dölemeyer vom Landkreis Oldenburg zwar nicht sagen. Allerdings hat auch die Kreisverwaltung im vergangenen Jahr eine Zunahme an wilden Müllkippen registriert. Insgesamt 938 Fälle wurden 2020 gezählt, nachdem es ein Jahr zuvor 881 solcher Umweltschädigungen waren.

Waldwege besonders beliebt

Die Anzahl der wilden Müllkippen ist im Landkreis Oldenburg seit Jahren stetig angestiegen: Waren es 2005 noch 310 Fälle, erreicht die Zahl 2020 ihren bisherigen Höchststand mit über 900 Fällen. "Diese Tendenz ist besorgniserregend", findet Dölemeyer. Die Fälle, mit denen er es dabei zu tun hat, sind sehr unterschiedlich und werden in der Statistik nicht differenziert betrachtet. Sie reichen von einem Beutel mit Hausmüll bis hin zu größeren Einheiten an Bauschutt. "Meistens ist es Sperrmüll. Teilweise sind es aber auch gefährliche Abfälle wie Asbest", führt der Mitarbeiter im Amt für Bodenschutz und Abfallwirtschaft aus.

2020 waren es insgesamt 30 Fälle mit Asbest. Besonders beliebte Ablagerungsorte seien Waldwege. „Hier ist man vor Beobachtern ein bisschen geschützt und kann mit dem Anhänger hineinfahren“, erläutert er. Gerade dort finden sich dann oft große Mengen illegal abgeladenen Mülls „Und wenn es einmal geklappt hat, wird es immer wieder gemacht“, berichtet Uwe Dölemeyer. Doch egal, wie groß die illegal abgeladene Müllmenge ist, für ihn „ist jeder Fall schlimm“.

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Der Kreis versucht gegen die illegale Entsorgung von Müll anzugehen – mit vermehrter Aufklärungsarbeit seitens der Abfallberatung und Veröffentlichungen in Medien. Trotzdem ist laut Dölemeyer die Hemmschwelle zum „Wegwerfen“ gesunken. Jährlich rund 55.000 Euro kostet die Beseitigung der wilden Müllkippen den Landkreis Oldenburg – und letztlich alle Landkreisbewohner, weil diese Ausgaben in die Bedarfsrechnung der Abfallgebühren mit aufgenommen werden. „Da wir keinen eigenen Entsorgungsbetrieb haben, beauftragen wir je nach Größe und Menge der Müllablagerung unterschiedliche Firmen mit der Einsammlung der Abfälle“, erläutert der Verwaltungsmitarbeiter.

Die Kosten einer solchen Fahrt verschlingen laut Dölemeyer schon mehr Geld als die monatliche Gebühr einer Abfalltonne beträgt. Diese liegt derzeit bei fünf Euro für die 14-tägige Leerung einer 80-Liter-Restmülltonne und bei 2,60 Euro für eine 80-Liter-Biotonne. Wer Kleinmengen bei einem der Wertstoffhöfe abgibt, zahlt drei Euro. „Diese sehr niedrigen Gebühren führen nicht dazu, dem Phänomen der wilden Müllablagerung entgegenzuwirken“, sagt Dölemeyer. Er geht deshalb davon aus, dass auch eine weitere Verringerung der Müllgebühren oder Annahmegebühren an den Wertstoffhöfen nicht zum gewünschten Erfolg führen würde. Denn auch Abfälle, die kostenlos abgegeben werden können, wie etwa Farben, Lacke, Papier, Schrott und Elektroabfälle, werden weiterhin illegal irgendwo abgeladen – auch im Nahbereich der Anlagen. „Es geht offenbar den Müllsündern nur darum, den in ihren Augen lästigen Müll loszuwerden“, glaubt Dölemeyer.

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Diese Sünder versucht das zuständige Amt für Bodenschutz und Abfallwirtschaft zu erwischen. So werde unter anderem der illegal entsorgte Müll durchwühlt, um Hinweise auf den möglichen Verursacher zu finden. Zum Beispiel Briefe, in denen der Name zu lesen ist. „Wenn man sie dann damit konfrontiert, räumen sie ihre Tat meist ein“, weiß Dölemeyer zu berichten. Kommt man einem Sünder auf die Spur, drohen zum Teil empfindliche Strafen – je nach Schwere der Tat.

Umweltsündern drohen Bußgelder

Der Bußgeldkatalog gibt eine Spannbreite vor. So kann etwa für die illegale Entsorgung eines Beutels mit Hausmüll eine Strafe von zehn bis 50 Euro verhängt werden. Scharfkantige Gegenstände, die in die Landschaft geworfen werden, kosten zwischen 50 und 100 Euro. „Daran halten wir uns“, merkt der Kreisverwaltungsmitarbeiter an. Bis zu 100.000 Euro sind möglich. Die eingenommenen Bußgelder werden dann mit den Kosten der Beseitigung verrechnet. „Das ist aber nicht so viel“, räumt Uwe Dölemeyer ein. In nur etwa 22 Prozent der Fälle werde der Verursacher ermittelt.

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