Quadfahrer gefährden Tiere

Störenfriede auf vier Rädern

Quad-Fahrer ignorieren in den Wäldern zwischen Schwanewede und Garlstedt die Regeln. Das sei insbesondere jetzt, während der Brut- und Setzzeit, ein Problem, sagt Kreisjägermeister Heiko Ehing.
10.04.2021, 06:00
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Von Jörn Hildebrandt
Störenfriede auf vier Rädern

Quads sind besser auf der Straße aufgehoben, als im freien Gelände, wo sie die Natur stören, meinen die Jäger und Forstfachleute der Region.

Thomas Frey

Landkreis Osterholz. „90 Prozent der Leute verhalten sich im Wald vernünftig“, sagt der Osterholzer Kreisjägermeister Heiko Ehing. „Doch besonders zu Beginn der Brut- und Setzzeit geht von Quad-, aber auch von Motorrad- und Mountainbike-Fahrern eine erhebliche Gefährdung für Wild, aber auch für seltene Amphibien und Brutvögel aus.“ Heiko Ehings Revier Schmidts Kiefern erstreckt sich zwischen Brundorf und Garlstedt, und in ihm liegen mehrere nährstoffarme Teiche und Sandgruben – Kleinode der Natur, die von seltenen und empfindlichen Tier- und Pflanzenarten besiedelt werden. Ausgerechnet in diesen besonders sensiblen Gebieten sei das Fahren mit den vierrädrigen Quads jedoch sehr beliebt.

„Seit der Corona-Pandemie werden die Wälder stärker frequentiert als vorher, und einige Leute bewegen sich auch mit ihren Hunden abseits der Wege“, sagt Knut Sierk, Pressesprecher bei den Niedersächsischen Landesforsten. „Dabei nimmt der Anteil von nächtlichen Touren zu, die bei Wildtieren zu besonders starken Beunruhigungen führen“, sagt er. Auch Ulrich Diener, Revierleiter im Forstrevier Wohlthöfen, klagt über Probleme mit Quadfahrern in den Wäldern von Garlstedt. „Erschwerend kommt hinzu, dass die Leute, die im Wald für Störungen sorgen, generell immer beratungsresistenter werden“, sagt er. Sven Janke, Soldat bei der Bundeswehr in Garlstedt, berichtet, dass sogar in militärische Bereiche eingedrungen wird: „Die Warnschilder werden von manchen Leuten einfach ignoriert“, sagt er.

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Insbesondere Quadfahrer setzten sich über die gesetzlichen Bestimmungen vielfach hinweg, so Ehing. „Im Naturschutzgebiet Heidhofer Teiche zwischen Meyenburg und Eggestedt herrscht ein generelles Betretungsverbot. Dort brütet sogar der besonders empfindliche Kranich. Dennoch wird auch dort mit Quads gefahren.“ Auch ein weiteres empfindliches Gebiet, die 17 Hektar große Sandgrube in Schmidts Kiefern, darf als Naturwaldzelle nicht betreten werden. Dort wurden an mehreren Stellen Löcher in den umgebenden Zaun geschnitten, und eine breite Spur aus zerwühltem Sand zieht sich bis zum Grund der ehemaligen Sandentnahmestelle hin. „Seit Ende der 1980er-Jahre überlassen wir die Natur hier sich selbst, um sich zu regenerieren und greifen nicht in den Baumbestand ein“, sagt Ehing, „doch was die Fahrer hier anrichten, macht unsere Bemühungen zunichte.“

Denn auf dem permanent zerwühlten Boden haben Keimlinge und Jungbäume keine Chance, und an den Hängen kommt es zu erheblicher Bodenerosion. „Die Fahrer lassen es sich auch nicht nehmen, durch die Tümpel zu rasen, in denen sich die seltenen und streng geschützten Kreuzkröten vermehren. Laich und Kaulquappen werden durch diese Störungen vernichtet“, macht Heiko Ehing auf weitere Probleme aufmerksam.

Die Brutphase vieler Vögel hat derzeit bereits begonnen. Und in den weitläufigen Wäldern, durchsetzt von offenen Flächen auf sandigen Böden, kommen noch zahlreiche Kostbarkeiten des Naturschutzes vor – wie Heidelerche, Waldschnepfe, Ziegenmelker und nicht zuletzt auch der Uhu, der in Nischen in den Wänden der Sandgruben brütet.

„Wir haben vor kurzem zwei Quadfahrer angezeigt, die offenbar ihre Nummernschild abmontiert haben, um nicht erwischt zu werden“, sagt Heiko Ehing, „und damit haben sie eine Straftat begangen.“ Vor diesem Hintergrund bittet Heiko Ehing die Bevölkerung, Quadfahrer, die illegal unterwegs sind, zu fotografieren und das Foto an die nächste Polizeidienststelle zu senden.

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Zur Sache

Schäden in der Natur

Motocross kann schlimme Schäden in der Natur anrichten. Der Sport wird mit Motorrädern oder den vierrädrigen Quads betrieben, wobei die Beliebtheit der Quads in den vergangenen Jahren stark zugenommen hat. Sie besitzen meist einen Allrad-Antrieb und sind für das Fahren in unebenem Gelände besonders geeignet. Da sie motorisiert sind, ist ein Führerschein der Klasse B oder AM notwendig.

Wenn Quadfahrer mit 50 bis 60 Stundenkilometern durchs Gelände fahren, versetzen sie Tiere in Panik. Elterntiere können deswegen sogar ihre Jungen verlassen. Die Räder zerstören die Erdoberfläche, und auch seltene Pflanzen werden platt gefahren.

In Naturschutzgebieten Brandenburgs gefährdet der Lärm von Quadfahrern zum Beispiel die Bruten der seltenen Seeadler. Dort geht eine Naturschutzstiftung zusammen mit der örtlichen Polizei und der Oberförsterei in regelmäßigen Aktionen gegen die Fahrer vor, die mit mehreren Hundert Euro Strafe rechnen müssen.

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