Husky-Ranch in Berne Landkreis versiegelt die Türen

Nun ist es amtlich: Der Landkreis Wesermarsch hat die Türen von Kai Heils Hof versiegelt. Angekündigt hatte sich das schon länger: Ein Stützpfeiler fehlt. Das Dach ist marode. Heil will aber bleiben.
15.08.2018, 15:22
Lesedauer: 3 Min
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Landkreis versiegelt die Türen
Von Barbara Wenke

Dienstagnachmittag passierte, was – wie berichtet – Christa und Kai Heil befürchteten. Die Bauaufsicht der Kreisverwaltung hat ihr Haus versiegelt. Gegen 14.30 Uhr seien drei Personen von der Bauaufsicht, ein Mitarbeiter seines Stromanbieters, ein Dachdecker sowie zwei Mitarbeiter des Jugendamtes auf dem Grundstück an der Neuenkooper Straße erschienen und hätten die Siegel angebracht, berichtet Kai Heil am Mittwochmorgen. Als letzte Aktion habe er gerade noch Waschmaschine, Trockner und Kühlschrank aus dem Wohntrakt holen können.

Ein Aufgeben kommt für den 41-Jährigen nicht in Frage. „Ich bleibe hier“, sagt er. Ehefrau Christa ist am Mittwoch mit den vier gemeinsamen Kindern vorübergehend zu Freunden nach Berne gezogen. „Von da aus haben es die Kinder nur fünf Minuten zur Schule. Und es gibt Duschen“, klingt Erleichterung bei Kai Heil durch. Das Quintett komme zurück, sobald der Wohncontainer geliefert ist, den er bestellt hat, blickt er voraus.

Bis dahin versorgt Kai Heil alleine die 35 Hunde der Familie. Vor ihrem Umzug nach Neuenkoop Anfang August betrieb die Familie in Hatten, im Landkreis Oldenburg, eine Husky-Ranch und bot Hundeschlittenfahrten für Touristen an. Eine derartige Farm will Kai Heil auch in Berne aufbauen. Die silberfarbenen Tore mit dem Schriftzug der Ranch warten bereits auf ihren Einbau. Die Versiegelung der Immobilie an der Neuenkooper Straße hat eine lange Vorgeschichte. „Die Kreisverwaltung ist durch eine Mitteilung der Gemeinde Berne Mitte Juni auf die Angelegenheit aufmerksamen geworden“, teilt Kreispressesprecher Matthias Sturm auf Nachfrage mit. „Das Grundstück sei stark vermüllt und es bestünden Bedenken im Hinblick auf die Standsicherheit des Gebäudes“, lautete die Meldung.

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Noch am selben Tag habe es einen Ortstermin auf dem Grundstück gegeben, an dem auch Kai Heil als Mieter der ehemaligen Hofanlage teilnahm. „Neben der gemeldeten Vermüllung fällt auf, dass sowohl das frühere Wohn-/Wirtschaftsgebäude als auch ein Schuppen stark baufällig erscheinen“, berichtet Matthias Sturm weiter. Für eine genauere Beurteilung wurde ein Statiker hinzugezogen, der das Gebäude nur wenige Tage später in Augenschein nahm.

Der Statiker stellte dem Sprecher des Kreises zufolge fest, dass die Standsicherheit des Hauptgebäudes durch die vorhandenen Bauschäden stark beeinträchtigt sei. Daraus leitete der Fachmann ab: „Die Gebrauchstauglichkeit des Hauptgebäudes ist nicht mehr gegeben.“ Zudem sei die Scheune bis zum Herbst zurückzubauen. Der Landkreis habe Kai Heil als Benutzer des Hofes auf rechtliche Schwierigkeiten hingewiesen, fährt Sturm fort. Er nennt die Begriffe „Baugenehmigung Nutzungsänderung“ und „baurechtswidriger Zustand“. Der Eigentümer des Gebäudes, ein Mann aus Oldenburg, habe sich nicht zum Thema äußern wollen.

Ende Juli seien dem Eigentümer und Kai Heil „als dem Inhaber der tatsächlichen Gewalt über das Grundstück“ eine Nutzungsuntersagung übersandt worden. Da Heil die Untersagung missachtete, weiter an dem Haus werkelte und Müll aus der Diele entsorgte, folgte am Dienstagnachmittag die Versiegelung des Wohn-/Wirtschaftsgebäudes. Dennoch wollen Kai Heil und seine Familie bleiben. „Das ist unser neues Zuhause. Wir lassen uns nicht vertreiben“, sagt der Mieter. Immerhin habe er bereits rund 100 000 Euro in die Immobilie investiert. Zum Beispiel in die Freilaufgehege der 35 Huskys.

Das Haus soll jetzt folgen. Erste Aufgabe: Müll von der Diele bekommen. Bevor das Gebäude zehn Jahre lang leer stand, sei es von einem Entrümpler genutzt worden, berichtet Heil aus der Geschichte des 1869 erbauten Bauernhauses. Die Hinterlassenschaft türmen sich noch heute bis unter die Dachbalken der Diele. Baulich müssten insbesondere ein Stützpfeiler sowie das Dach erneuert werden, sagt der neue Mieter. Einen Statiker hat er bereits beauftragt. Sein Anwalt habe zudem eine einstweilige Verfügung gegen die Versiegelung veranlasst.

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