Eltern protestieren

Landrat: Lange Schulwege sind zumutbar

Einen Schulweg von eineinhalb Stunden müssen Schüler, die in abgelegenen Ecken des Landkreises Verden wohnen, in Kauf nehmen. Das sei zumutbar und komme im Kreisgebiet öfter vor, meint der Landrat Peter Bohlmann (SPD).
11.09.2014, 20:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Julia Soostmeyer
Landrat: Lange Schulwege sind zumutbar

Ein Kind auf dem Schulweg (Symbolbild).

dpa

Einen Schulweg von eineinhalb Stunden müssen Schüler, die in abgelegenen Ecken des Landkreises Verden wohnen, in Kauf nehmen. Das sei zumutbar und komme im Kreisgebiet öfter vor, meint der Landrat Peter Bohlmann (SPD). Eltern aus Otterstedt, deren Kinder die Integrierte Gesamtschule in Oyten besuchen, wollen das aber nicht hinnehmen und haben einen Antrag gestellt, in dem sie gegen einen Schulweg dieser Länge protestieren. Sie fordern eine zusätzliche Busverbindung.

Das Kind morgens an der Haustür verabschieden, weil es eigenständig zu Fuß oder mit dem Rad schnell zur Schule gelangen kann – eine alltägliche Situation für viele Familien. Doch dass diese Situation auch ein echter Luxus sein kann, ist den meisten dabei wahrscheinlich gar nicht bewusst.

Zehn Familien aus den umliegenden Ottersberger Ortschaften – Otterstedt, Eckstever und Narthauen – können davon jedenfalls nur träumen. Ihre Kinder besuchen die Integrierte Gesamtschule (IGS) in Oyten – es ist die einzige Schule im Umkreis mit integriertem Angebot. Und sie müssen jeden Morgen das Haus sehr zeitig verlassen, damit sie mit dem Bus um 6.35 Uhr zum Busbahnhof nach Ottersberg gelangen können – eineinhalb Stunden vor Unterrichtsbeginn, denn der ist um 8.05 Uhr.

Die Eltern wollen das nicht hinnehmen und haben einen Antrag an Verdens Landrat Peter Bohlmann (SPD) gestellt. Darin fordern sie: „Eine zügige Busverbindung, die frühestens um 7 Uhr in Narthauen startet.“ Der eigentliche, reguläre Busfahrplan stellt sich für die Kinder derzeit so dar: Abfahrt 6.35 Uhr an der Haltestelle Otterstedt Nord. 6.41 Uhr aussteigen am Ottersberger Busbahnhof, 17 Minuten warten, bis um 6.58 Uhr der Bus die Kinder ans Oytener Schulzentrum bringt, wo sie um 7.25 Uhr, 40 Minuten vor Unterrichtsbeginn, ankommen.

„Es gibt noch keine abschließende Prüfung des Antrages“, sagte Bohlmann gestern auf Nachfrage unserer Zeitung. Dennoch sollen ab Montag zwei Zubringerbusse eingesetzt werden, die die Kinder aus Narthauen, Otterstedter See, Otterstedt Ort und Eckstever nach Ottersberg zum Busbahnhof bringen, wie Norbert Anklam, dessen Sohn nun auch die IGS Oyten besucht, mitteilte. Der Witz dürfte dabei die Abfahrtszeit der Zusatzbusse darstellen: 6.40 Uhr – also gerade einmal fünf Minuten später als der eigentliche Bus.

Landrat Peter Bohlmann verweist indes auf eine Satzung zur Schülerbeförderung des Landkreises Verden. Und die macht wenig Hoffnung darauf, dass sich für die Ottersberger Schüler etwas ändern könnte. Denn: „Nach unserer Satzung sind eine Stunde Fahrzeit und eine halbe Stunde Wartezeit für Fünftklässler zumutbar“, erklärte er. Doch wer legt die Satzung fest? Der Kreistag selbst, wie es aus ebendieser hervorgeht.

Das Problem schlechter Busverbindungen gebe es häufig im Verdener Kreisgebiet, in dem es zahlreiche kleinere Ortschaften gibt. Doch sei die Verwaltung an die Satzung gebunden, so Peter Bohlmann weiter. „Ich kann das Problem zwar nachvollziehen und habe auch Verständnis, aber es ist nicht immer möglich, eine Lösung auszuarbeiten.“

Der Sohn von Alke von Salzen aus Narthauen wird daher vielleicht bald den Weg auf sich nehmen müssen – die um fünf Minuten vorgezogene Abfahrtszeit der Zusatzbusse sei einmal dahingestellt. „Ich habe noch keinen Plan, wie wir das lösen können“, sagt die Mutter. Sie habe sich bewusst dafür entschieden, ihr Kind auf die IGS nach Oyten zu schicken, sie selbst habe eine Kooperative Gesamtschule (KGS) besucht und wüsste um die Vorzüge solch „besonderer Unterrichtsformen“.

Norbert Anklam zeigt sich indes hartnäckig. „Wir bleiben am Ball“, sagt er. Zwar müssten die Eltern bis November – dann steht der nächste Schulausschuss an, in dem das Problem besprochen wird – die Situation wie sie jetzt ist hinnehmen, doch wolle man sich vehement für einen späteren Zusatzbus einsetzen, so der Otterstedter Vater. Für die Kinder bedeuten das vorerst Neuneinhalb-Stunden-Tage. Denn so lange braucht es etwa vom Verlassen des Hauses bis zur Rückkehr am Nachmittag – ungeachtet dessen, wann sie aus den Federn müssen.

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