Tomasz Malmon: Einer, der Taten für sich sprechen lässt, sitzt zum letzten Mal auf der Achimer Trainerbank Leadership legitimiert durch Leidenschaft

Achim. Thomas Gloth, ein früherer Trainer der SG Achim/Baden, nimmt gerne für sich in Anspruch, 1997 in Diensten des TV Großwallstadt die Verpflichtung des früheren Weltklassespielers Jackson Richardson bewerkstelligt zu haben. Wenn vielleicht auch nicht im selben Atemzug, so pflegt er auch mit der Personalie Tomasz Malmon Werbung in eigener Sache zu machen. Er, Thomas Gloth, sei es gewesen, auf dessen Empfehlung hin die Achimer den polnischen Trainer 2006 unter Vertrag genommen hätten.
30.04.2010, 00:32
Lesedauer: 3 Min
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Von Michael Schön

Achim. Thomas Gloth, ein früherer Trainer der SG Achim/Baden, nimmt gerne für sich in Anspruch, 1997 in Diensten des TV Großwallstadt die Verpflichtung des früheren Weltklassespielers Jackson Richardson bewerkstelligt zu haben. Wenn vielleicht auch nicht im selben Atemzug, so pflegt er auch mit der Personalie Tomasz Malmon Werbung in eigener Sache zu machen. Er, Thomas Gloth, sei es gewesen, auf dessen Empfehlung hin die Achimer den polnischen Trainer 2006 unter Vertrag genommen hätten.

Wenn solche Vergleiche auch hinken mögen, so lässt sich doch behaupten, dass Malmon für den damaligen Zweitliga-Aufsteiger nicht minder ein Glücksfall war als Richardson für den unterfränkischen Erstligaverein. Für Gloth ist Malmon 'absolut ein Trainer für die 1. Liga'.

Mit solchen Komplimenten wird der nun scheidende Achimer Trainer häufiger bedacht. Ganz egal, was der letzte Spieltag bringt - und mag er den Achimern im Kampf um die Drittliga-Qualifikation auch zum Verderben werden -, die vierjährige Tätigkeit Malmons in Achim kann als eine rundum erfolgreiche verbucht werden. Zwei Mal führte er die Spielgemeinschaft in der 2. Liga zum Klassenerhalt. Nach dem wirtschaftlichen Zwängen geschuldeten Lizenzverlust gewann 'Tomek' mit seiner neuen Mannschaft auf Anhieb die Oberliga-Meisterschaft und führte sie auch im nächsten Regionalliga-Jahr in die Spitzengruppe, wo sie sich - nicht zuletzt des großen Verletzungspechs wegen - freilich nicht behaupten konnte.

Skeptiker widerlegt

Sein größter Coup: Der auf sportlicher Ebene frühzeitig gesicherte - und dann durch die Wirtschaftlichkeitsprüfung der HBL vereitelte - Klassenerhalt 2007/2008. Nach dem Entzug wichtiger Sponsorengelder und dem Verlust von Leistungsträgern wie Aljoscha Schmidt und Mario Allendörfer hatte er ein neues Team aufgestellt, das alle Erwartungen übertraf. Maris Versakovs, Lars Friedrich und Maciej Tluczynski bildeten das stärkste Rückraumtrio, das je für Achim spielte.

Dass der SG nach dem finanziellen Desaster nicht das gesamte qualifizierte Personal abhanden kam, ist ebenfalls dem Trainer zu verdanken. Spieler wie Matthias Köhnecke, Florian Block-Osmers, Cord Katz und Patrick Denker hätten den Zwei-Klassen-Abstieg unter der Leitung eines anderen Trainers schwerlich mitgemacht. Und Malmon führte schnell junge Kräfte nach, um die entstandenen Lücken zu schließen. Erst Tobias Freese und nun Malvin Patzack, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Darüber dürfte fast in Vergessenheit geraten sein, dass es unter den Anhängern der SG anfangs heftige Widerstände gegen die Verpflichtung Malmons als Nachfolger des beliebten Meistermachers Uwe Inderthal gegeben hat. Er wurde sogar als 'Abstiegstrainer' geschmäht. In Fredenbeck hatte er nach dem Ausverkauf eine ganz junge Truppe übernommen und mit ihr das Klassenziel knapp verfehlt.

Jovialität ist sicherlich nicht die hervorstechendste Charaktereigenschaft Malmons. Das Sendungsbewusstsein des grantelnden Thomas Gloth oder der hessischen Frohnatur Uwe Inderthal geht ihm ebenfalls völlig ab. Pressekonferenzen sind ihm allenfalls ein notwendiges Übel. Er kann zwar sehr temperamentvoll coachen, doch er wahrt immer die Contenance. Kollektive Kritik okay, doch nie hat er einzelne Spieler öffentlich an den Pranger gestellt, selten Schiedsrichter für einen Misserfolg verantwortlich gemacht. Nach bitteren Niederlagen verfällt er in tiefes Grübeln und ist - zum Leidwesen auch der lokalen Presse - temporär nur bedingt bis überhaupt nicht ansprechbar.

Die SG Achim/Baden verliert einen Trainer, dessen Sympathiewerte sich Außenstehenden vielleicht nicht gleich erschlossen haben und der in seiner Selbstkontrolle zuweilen unnahbar gewirkt haben mag, doch dafür ließ er Taten für sich sprechen. Auch gegenüber seinen Spielern braucht er nicht als Vielredner aufzutreten, um Überzeugungskraft auszustrahlen. Seine Legitimation fürs Leadership leitet sich aus der Haltung zum Handball ab, der Disziplin und der Leidenschaft, die er der Mannschaft vorlebt. Die Nebentätigkeit bei der SG übte der hauptberuflich als Hausmeister in einer Mulsumer Seniorenresidenz tätige Ex-Nationalspieler mit Fulltimejob-Intensität aus. Auch bei der von ihm so geschätzten Gartenarbeit - Gemüse, Obst und Ziergehölzer aller Art hegt und pflegt er rund um sein Häuschen in Fredenbeck - werden seine Gedanken oft schon ums nächste Spiel mit den Achimern gekreist haben.

Der enorme zeitliche Aufwand, den er für die Fahrten zum Training, zumal im harten letzten Winter, leisten musste, mag es letztlich gewesen sein, der ihn zur Rückkehr nach Fredenbeck bewog. Er hat nun mehr Zeit für seine Ehefrau und die beiden Töchter Nicole und Alexandra. Und der VfL Fredenbeck - da kann man sicher sein - wird nun erheblich von der akribischen Arbeit des schweigsamen Tüftlers Malmon profitieren.

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