Ursela Monn im Interview über Worpswede Leidenschaft für Paula Modersohn-Becker

Worpswede. Nach Auszeichnungen als Schauspielerin feierte Ursela Monn als Regisseurin mit der Edith-Piaf-Inszenierung im Bremer Theaterschiff Erfolge. Bald wird das Stück in Worpswede gespielt. Monn plant derweil schon ein Stück über die Worpsweder Künstlerin Paula Modersohn-Becker. Undine Zeidler sprach mit ihr.
06.09.2010, 06:00
Lesedauer: 4 Min
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Leidenschaft für Paula Modersohn-Becker
Von Undine Zeidler

Worpswede. Nach Auszeichnungen als Schauspielerin feierte Ursela Monn als Regisseurin mit der Edith-Piaf-Inszenierung im Bremer Theaterschiff Erfolge. Bald wird das Stück in Worpswede gespielt. Monn plant derweil schon ein Stück über die Worpsweder Künstlerin Paula Modersohn-Becker. Undine Zeidler sprach mit ihr.

Waren Sie schon einmal in Worpswede?

Ursela Monn: Das ist Urzeiten her. Bei mir läuft eigentlich alles über Paula Modersohn-Becker. Ich habe irgendwann die große Ausstellung von ihr gesehen, und seitdem ist Worpswede für mich das Stichwort par Excellence Ich habe Worpswede gehört und gesagt: Ja, da bin ich dabei! Das Lustige war, ich bin ja so ein Bücherfreak und mache viel über das Lesen. Beim Stichwort Paula Modersohn-Becker stellte ich fest, dass ich bestimmt sieben Bücher über sie schon zu Hause hatte. Von denen ich gar nicht mehr wusste, dass ich sie hatte. Das hat für mich bis zum heutigen Tag so eine Folgerichtigkeit.

Also sollte es einfach so sein?

Ja, das will ich damit gesagt haben. Ich glaube auch an dieses, was ich 'Kreise schließen sich' nenne. Das passiert immer wieder mal, bei mir jedenfalls.

Wie werden sie die Leidenschaft der Regisseurin Ursela Monn mit der Leidenschaft von Paula Modersohn-Becker verbinden?

Da bin ich natürlich erst auf dem Weg. Sie wissen, dass mein nächstes Stichwort Sinnlichkeit ist, nicht die sexuelle. Sie springt mir förmlich ins Gesicht bei Paula Modersohn-Becker, und die braucht man sich eigentlich nur zu nehmen. Wie ich den Ausdruck finde, das an die Menschen weiterzugeben, weiß ich noch nicht. Ich bin sicher, dass ich etwas finden werde. Bei der Piaf war das gleich. Da habe ich überlegt, wie man das 300-prozentige Leben der Piaf übertragen kann. Ich glaube, es ist gelungen. Ich bin guten Mutes, dass mir das auch bei Paula Modersohn-Becker gelingen wird. Was ich einen zusatzinteressanten Punkt finde: Dass es einmal - was ich als sehr wohltuend empfinde - eine umgekehrte Variante hat. Dass die Frau die Unterstützung eines Mannes hatte, nämlich ihres Mannes. Es wäre schön, wenn es mir gelingen könnte, das irgendwie sichtbar zu machen.

Werden Sie dafür an die Worpsweder Originalschauplätze von Paula gehen?

Das werde ich auf alle Fälle machen. Darauf freue ich mich auch schon. Genau dieses aufzunehmen, was mir von den Bildern entgegenkommt. Das werde ich in irgendeiner Form hier vorfinden.

Werden Sie dafür auch Fahrrad fahren?

Ganz bestimmt. Ich überlege schon die ganze Zeit, wie ich dieses Problem löse. Ich habe mir auch schon Lösungen angeguckt: Fahrräder, die man zusammenklappen kann, die man ins Auto packen kann, wo man sein Gefährt dabei hat. Damit ich unabhängig überall rumradeln kann.

Sie stehen vor vielen Filmkameras und auf großen Theaterbühnen. Welche Rolle spielt solch ein kleines Theater wie die Alte Molkerei für Sie?

Ich finde den Ansatzpunkt schön, weil es der authentische Ort von Paula ist. Und wieder irgendwo eine neue lebendige, neue künstlerische Variante reinzubringen, wo es vielleicht jetzt noch fehlt. Ich sage immer: Ich hab? das Bedürfnis zu senden. Den Leuten etwas zu geben, zu erzählen. Aber ich denke auch, dass es sich übertragen lässt. Ich würde nicht darauf bestehen, dass es in Worpswede bleiben muss. Zum Beispiel die Piaf, da behaupte ich, die funktioniert in jeder Größe. Ich gehe so weit zu sagen, die würde auch im Admiralspalast in Berlin funktionieren. Uns so würde ich das, wenn es stimmt, mit der Paula Modersohn-Becker ähnlich sehen.

Würden Sie auch probieren, mit dem Stück nach Berlin zu gehen - die lokale Größe Paula Modersohn-Becker dort bekannter machen?

Es kocht schon gleich in mir hoch, wenn Sie sagen 'Regionale Größe'. Das ist für mich das Stichwort, weil ich eine Wut, einen Ärger habe, dass diese Frau, ihre Kunst nicht bestürmt wird. Dass man nicht ewig und eins über sie schreibt, sie zeigt und über sie spricht - so wie man über Picasso spricht. Das kann doch gar nicht wahr sein! Ich werde jetzt daran arbeiten, dass sich das ändert.

Sind sie Botschafterin für Paula?

Ja. So ist es.

In welchem Zeitkorridor bewegen Sie sich mit den Produktionen in Worpswede? Die Piaf soll zuerst kommen?

Im November.

Kommen sie vorher noch einmal nach Worpswede?

Ganz bestimmt - für die Einrichtung. Das hab? ich immer und überall gemacht. Da komme ich immer selber. Das überlasse ich keinem.

Und für Paula, haben sie da auch schon einen Zeitplan?

Angedacht haben wir beide, Herr Knut Schakinnis und ich, ab nächstes Frühjahr. Im Winter ist ja hier vermutlich weniger los, schon allein von den verkehrstechnischen Bedingungen her.

Sie leben in Berlin, das wird Reisen. Wie vereinbaren sie das mit ihren anderen Arbeiten?

Da ich mich das Gott sei dank nie vorher frage, kommt diese Frage immer erst, wenn ich mittendrin stecke. Ich denke immer vorher: Das schaffst du, das schaffst du. Und wenn ich mittendrin bin, denke ich: Ui, der Tag hat doch immer nur 24 Stunden. Gut, das weiß manch einer von sich: Druck erzeugt wieder neue Kräfte.

Zur Person

Goldene Kamera, Bambi - die Berliner Schauspielerin Ursela Monn wurde mit begehrten Preisen geehrt. Sie studierte am Max-Reinhardt-Seminar in Wien und hinterließ einen bleibenden Eindruck mit ihrem Karrierestart in 'Ein Mann will nach oben'. Große Theaterbühnen wie in Wien oder Hamburg sind ihr vertraut, ebenso die Film-Sets für Kino- und Fernsehproduktionen. Als Regisseurin feierte sie mit der Edith-Piaf-Inszenierung im Bremer Theaterschiff Erfolge. Bald wird das Stück auch in Worpswede gespielt. In einem Ort, in dem sich für Ursela Monn ein Kreis schließt: Sie plant ein Stück über die Worpsweder Künstlerin Paula Modersohn-Becker.

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