Erneuerbare Energie

Windpark Lemwerder kann weitergebaut werden

Jahrelang war in der Politik und vor Verwaltungsgerichten über den Windpark Sannauer Helmer gestritten worden. Nun steht fest: Der Windpark kann weiter gebaut werden.
21.04.2021, 05:00
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Von Georg Jauken
Windpark Lemwerder kann weitergebaut werden

Am Windpark in Lemwerder kann weitergebaut werden.

Carmen Jaspersen

Lemwerder/Ganderkesee. Peter Jelkmann hat seinen Optimismus nie aufgegeben. „Der Windpark Sannauer Helmer kommt“, sagte der Geschäftsführer der Elsflether BFZ-Energie GmbH (Büro für Zukunftsenergie) immer wieder, als es nach dem genauen Gegenteil aussah. Denn der Landkreis Wesermarsch hatte den Windpark zwar genehmigt, doch das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) hatte das Aufstellen der meisten geplanten Windräder untersagt, als Jelkmann und die anderen Investoren bereits viel Zeit und Geld in das Projekt gesteckt hatten. Acht Jahre später können die meisten von ihnen aufatmen. Der Windpark kann weiter gebaut werden.

Jahrelang war in der Politik und vor Verwaltungsgerichten darüber gestritten worden, ob der Sicherheitsradius, der die Navigationsanlagen von Flughäfen vor Störungen durch Windenergieanlagen schützt, 15 Kilometer betragen muss oder ob die von der Internationalen zivilen Luftfahrtorganisation ICAO für ausreichend erachteten zehn Kilometer genügen. In diesem Fall ging es um etwaige Störungen der Navigationsanlage (DVOR) des Flughafens Bremen. Dabei handelt es sich um ein Navigationssystem, das immer dann gebraucht wird, wenn die Satellitennavigation mit GPS einmal ausfallen sollte. Obwohl das BAF zuvor grünes Licht für den Windpark signalisiert hatte, entschied es am Ende anders.

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Von den 19 geplanten Anlagen durften nur drei der Firma BFZ sowie die Anlage eines Investors aus Ochtum errichtet werden. Das Bauverbot gegen zwei weitere Anlagen wurde 2016 aufgehoben. Der Bau der übrigen geplanten 13 Windkraftanlagen in Lemwerder und 14 weiterer auf dem angrenzenden Gebiet Ganderkesees blieb untersagt. Im Sommer 2016 gab das Amt schließlich auch seine Bedenken gegen zwei weitere Anlagen auf dem Ganderkeseer Teil des Windparks auf. Dabei handele es sich um eine von mehreren geplanten Forschungs-Windkraftanlagen und um eine Anlage der Firma Gamesa (heute: Enercity Windpark Lemwerder GmbH mit Sitz in Leer).

Dass es mit dem Windpark nun doch voran gehen kann, geht auf die Deutsche Flugsicherung (DFS) zurück. Sie hat noch einmal neu betrachtet, wie sich die Windkraftanlagen auf die Flugsicherungseinrichtungen am Flughafen Bremen auswirkt und dabei eine modifizierte Bewertungsmethode angewandt. Dabei wurde festgestellt, dass doch keine der Anlagen eine erhebliche Störung des UKW-Drehfunkfeuers vom Typ DVOR verursacht. Drei von insgesamt 13 Anlagen, so weiteres Ergebnis, würden allerdings zu einer Störung des Flugradars führen und dürfen aus diesem Grund nicht errichtet werden.

Die neue Einschätzung beruht auf den Ergebnissen der Forschungsprojekte WERAN und WERAN plus (Wechselwirkung von WEA mit terrestrischer Navigation/Radar) der Physikalisch Technischen Bundesanstalt (PTB), die Ende 2019 beendet wurden. Dabei war es den Angaben nach weltweit erstmals gelungen, messtechnisch aufzuzeigen, wie, in welchem Maße und unter welchen Bedingungen Windkraftanlagen Einfluss auf die Navigationsanlagen haben. Auf der Basis der so gewonnenen neuen Erkenntnisse wurde schließlich eine neue Berechnungsmethode zur Prognose der Störungen entwickelt. Die bis dahin von der DFS verwendete Formel wurde angepasst.

Neben den Anlagen in Lemwerder betrifft die Neubewertung auch den Ganderkeseer Teil des Windparks. Dort dürfen zwei Anlagen nicht gebaut werden, weil sie laut BAF den Flugradar stören würden. Für die weiteren zehn Anlagen gab das BAF grünes Licht.

Peter Jelkmanns Vorhaben ist von den verbleibenden Bauverboten nicht betroffen. Er kann wieder planen. Bis die Baukräne anrücken, um weitere Windkraftanlagen an der Sannauer Helmer aufzubauen, wird es allerdings noch dauern. „Dieses Jahr werden wir nichts mehr bauen.“

Der Grund: Der Windkraftanlagenbauer Senvion (vormals: REpower Systems) existiert nicht mehr. Die eingeplanten und genehmigten Anlagen werden nicht mehr hergestellt, noch verfügbare Restbestände sind laut Jelkmann viel zu teuer. Gesucht wird daher nun der passende Windkraftanlagen-Typ eines anderen Herstellers, der nicht höher und nicht lauter ist als die Anlage von Senvion, den gleichen Rotordurchmesser hat (140 Meter), aber möglichst mehr leistet. Hintergrund ist die deutlich reduzierte Einspeisevergütung für Windstrom. Laut Jelkmann beträgt sie im Durchschnitt weniger als sechs Cent pro Kilowattstunde. Jelkmann muss allerdings nicht nur nochmal neu kalkulieren, er brauch auch weiterhin Geduld. „Die Hersteller haben Lieferschwierigkeiten“, weiß der Elsflether. Vor 2023 sei daher nicht mit einem Weiterbau des Windparks zu rechnen.

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