Prohejtstart an Grundschule in Bremen-Nord Lernen durch Bewegung

Zehn Mädchen und Jungen haben jetzt ihre erste Sportstunde im Rahmen des Projektes „Kids for success“ absolviert. Lerndefizite sollen dabei durch Bewegung ausgeglichen werden.
29.08.2018, 14:52
Lesedauer: 3 Min
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Von Michael Thurm

Vegesack. Mit lautem Gejohle stürzen sich die zehn Mädchen und Jungen auf das Obst- und Gemüsebuffet, das am Ausgang der Sporthalle aufgebaut ist. Kleine Tomaten und Möhrenschnitze verschwinden in hungrigen Mündern, Bananen, Äpfel und Kiwis werden in die brandneuen, hellblauen Turnbeutel gesteckt. Die zehn Zweit- und Drittklässler der Grundschule Fährer Flur haben gerade 60 Minuten Sport absolviert. Eine ganz besondere Sportstunde. Denn die Athleten sind Teilnehmer des bundesweiten Projekts „Kids for success“.

Dieses Projekt, angeboten vom Bundesverband für visuelles und kognitives Training (BVKT), richtet sich speziell an Grundschüler mit Förderbedarf in den Bereichen Konzentrationsschwierigkeiten, Lese- und Rechtschreibschwäche, Lernschwäche, Aufmerksamkeitsdefiziten sowie motorischen und/oder koordinativen Defiziten. Die Grundschule Fährer Flur ist die erste Bremer Schule, die an diesem Projekt teilnimmt. Zweimal in der Woche werden die Schülerinnen und Schüler zu diesem speziellen Training zusammenkommen, insgesamt umfasst die ein Schuljahr dauernde Förderung 74 Trainingseinheiten. In regelmäßigen Abständen wird der Lernerfolg überprüft.

Neben Christin Senf, die die Kinder in diesem Schuljahr trainieren wird, übte auch Sven Munderloh, Vorstandsmitglied des BVKT und Mitinitiator von „Kids of Success“ mit den Kindern. „Wir wollen mit diesem Programm den Kindern das Lernen leichter machen“, erklärt Munderloh. „Nach neuesten neurowissenschaftlichen Erkenntnissen ist ein gut vernetztes Gehirn der Schlüssel zum Erfolg.“

Konzept aus den USA

Das spezielle Koordinations-, Kognitions- und Wahrnehmungsprogramm ziele darauf ab, eine schnelle und flexible Anpassung an den kompletten Schulalltag zu ermöglichen und zur gezielten Reduktion von Lern- und Konzentrationsschwächen sowie dem Ausgleich von Lese- und Rechtschreibschwächen beizutragen, so Munderloh. Dem noch jungen Bundesverband liegt darüber hinaus noch ein weiteres Anliegen am Herzen. „Wir wollen das Berufsbild des Gehirn- und Visualtrainers etablieren“, sagt Munderloh. Dieses Berufsbild sei in Deutschland so bekannt wie das des Heilpraktikers vor 30 Jahren“, so Munderloh. Die Bedeutung dieses Berufsstandes und die Erfolge der Trainer könne man in den USA aber bestens beobachten.

Über die Begeisterung der Mädchen und Jungen in der ersten Stunde freute sich auch Schulleiterin Regina Wöhltjen. Durch den langjährigen Kontakt zu Christin Senf, die auch für den Kreissportbund arbeitet, war Regina Wöhltjen mit Sven Mun­derloh zusammengekommen. „Wir haben natürlich auch einen Antrag gestellt“, lacht die Schulleiterin. Sowohl im Kollegenkreis, als auch bei den Eltern sei das Projekt auf große Resonanz gestoßen. „Wir haben dann gemeinsam die Kinder ausgesucht, die für dieses Training infrage kommen“, erzählt Regina Wöhltjen. Das dafür so manche Deutsch- oder Mathestunde ausfallen muss, nimmt die Schulleiterin in Kauf. „Ich freue mich sehr, dass wir uns an diesem Projekt beteiligen können“, betont Wöhltjen. Sie weiß um den Bedarf und ist von einem Erfolg überzeugt.

Fortsetzung bereits geplant

Auch Vegesacks Ortsamtsleiter Heiko Dornstedt und der CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Rainer Bensch verfolgten die Auftaktstunde mit Interesse. „Ich bin als Gesundheitspolitiker hier“, sagt Bensch, „es gibt in diesem Bereich so viel zu tun und dieses Projekt ist eine tolle Ergänzung zum Sportunterricht.“ Auch Heiko Dornstedt lobt die Aktion. „Die motorischen Fähigkeiten der Kinder sind oft mangelhaft, viele können nicht einmal mehr rückwärts laufen. Deshalb sind solche Projekte ganz, ganz wichtig“, meint Vegesacks Ortsamtsleiter. Beide Politiker freuen sich auch über die Begeisterung der Kinder an den Übungen. „Man sieht hier doch deutlich, die Kinder wollen sich bewegen“, betont Dornstedt.

In den Genuss dieses Sondertrainings kommen an der Grundschule Fährer Flur zehn Schülerinnen und Schüler. Zehn von 145 Kindern, die aktuell dort in sieben Klassen unterrichtet werden. Ein Tropfen auf dem heißen Stein. Doch Schulleiterin Regina Wöhltjen ist schon froh, dass ihre Schule überhaupt an dem Projekt teilnehmen kann und darf. Rund 5500 Euro kosten die 74 Trainingseinheiten. Öffentliche Mittel fließen keine. Die Eltern der Kinder beteiligen sich mit jeweils einem Euro pro Trainingseinheit, den Rest schießen Sponsoren bei. Doch was geschieht nach Abschluss des Trainingsprogramms? „Wir versuchen dann, das Training eigenständig fortzuführen“, sagt Schulleiterin Regina Wöhltjen.

Vor Trainingsbeginn waren alle projektrelevanten Pädagogen in einem Workshop speziell vorbereitet worden. Sie sollen später übernehmen. Möglich, dass sich bald auch die Grundschule Hammersbeck für dieses Projekt meldet. Katrin Scheller, Konrektorin der Hammersbecker Schule, beobachtete Training und das Auftreten der Kinder genau. Auch sie ist von diesem Projekt sichtlich angetan. „Ich werde meiner Schulleiterin und den Kollegen genau berichten“, kündigt sie an.

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